Bundeswehr als privatisierte Armee: Wie ein Heerlager im Dreißigjärigen Krieg

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Im Schnitt sind 15 Prozent der Dienstposten nicht besetzt. In vielen Fällen sind die passenden Leute auch schon da, aber noch in der Ausbildung für den jeweiligen Posten. Es gibt aber etwas größere Lücken bei der IT, bei Ärzten, bei Personalmanagement und Logistik. Da müssen wir uns auch gegen gute Jobangebote aus der Wirtschaft durchsetzen. Wir zahlen daher für bestimmte Positionen jetzt Prämien. Wichtig ist auch, dass Material und Ausrüstung stimmen.“ Was hier ein ranghoher General etwas vage mit „Jobangebote aus der Wirtschaft“ beschreibt, hat in Wirklichkeit einen ganz anderen Hintergrund.

Bundeswehr und „Jobangebote aus der Wirtschaft“ – Private Sicherheitsfirmen zahlen einfach bessere Gehälter

Nicht irgendwelche IT-Konzerne machen in erster Linie der Bundeswehr das Personal streitig, sondern vielmehr private Sicherheitsunternehmen. Im Fachjargon lautet die Bezeichnung dafür „Contractor“ . Diese Firmen sind international tätig, zahlen in der Regel bessere Gehälter, haben eine hochwertigere Ausrüstung und das Tätigkeitsfeld ist nahezu dasselbe. Schon heute ist kaum ein Bundeswehreinsatz im Ausland ohne gefühlt unzählige Privatunternehmen denkbar. Ob der Transport von Mensch und Material, der Aufbau von Feldlazaretten bis hin zum Betrieb von Toiletten. Sollte mal ein Unternehmen seine Verträge auslaufen lassen, kommt die Bundeswehr in arge Erklärungsnot, weil Ersatz nicht immer so einfach aufzutreiben ist, und die Kosten schnell aus den Ruder laufen.

Ohne private Firmen läuft nichts mehr: Ob Feldlazaretten, Toiletten oder die Bewachung von Kasernen

Denn die eigenen Kapazitäten wurden die letzten Jahrzehnte sukzessive abgebaut und so kann die Truppe viele Aufgaben gar nicht mehr selbst erfüllen. Sogar die Bewachung von Kasernen, übernehmen vielerorts bereits private Sicherheitsfirmen. Die Truppenstärke wurde in den letzten zwar rein formal reduziert, aber das hatte keine nennenswerten Auswirkungen auf die Verteidigungskosten. Das Hauptargument für die Teilprivatisierte Armee sei ja Kosten, aber wirklich überzeugen tut dieses nicht. Mehr noch es kratzt an der Substanz des Soldatenberufs. Der Bundeswehrsoldat wird immer mehr zu einen kleinen Rädchen, eingebettet zwischen zahllosen Privatfirmen und mit einen unklaren Aufgabengebiet.

Leasingvertrag Drohne Heron 1 UAV: Bundeswehrsoldaten bekommen nur selten den Steuerknüppel in die Hand

Die israelische Drohne Heron 1 UAV bringt die Entwicklung ziemlich gut auf den Punkt: Der geschlossene Leasingvertrag beinhaltet Herstellung, Wartung und teilweise sogar den Flugbetrieb der Drohne. Immerhin dürfen Bundeswehrsoldaten zeitweise noch den Steuerknüppel in die Hand nehmen, aber schwierige Manöver sollten dann doch besser die Experten fliegen. Einsatzgebiet der Drohne ist Afghanistan, dort befindet sich auch das „Camp Marmal“ – zeitweise einer der größten Standorte der Bundeswehr überhaupt. Aber dort sind nicht nur Bundeswehrsoldaten stationiert. Ein buntes Sammelsurium verschiedener Nationen, diverse Spezialeinheiten und Geheimdienste, hinzu kommen noch zahlreiche Sicherheitsunternehmen – „Contractor“ .

Bundeswehr „Camp Marmal“ – Ein buntes Sammelsurium verschiedener multinationaler Einheiten und Privatfirmen

Jeder Beteiligte kocht da sein eigenes Süppchen und Ziel ist es, alle irgendwie bei Laune zu halten. Ein bewährtes Mittel ist dazu Alkohol und dieser soll wohl reichlich fließen. Das alles erinnert mehr an ein Heerlager im Dreißigjärigen Krieg des Generalissimus Albrecht von Wallenstein. Zum Ende des Dreißigjärigen Krieges, wurde die Frage immer lauter, nach den Sinn des Ganzen. Ähnliche Fragen stellen sich auch viele Bundeswehrsoldaten: Die Verteidigung von Deutschland gerät immer mehr zu einer unbedeutenden Randerscheinung. Außerdem laufen Bestrebungen die Bundeswehr in eine EU-Armee oder ersatzweise in eine gemeinsame Deutsch-Französische Armee zu überführen. Schon heute haben viele Soldaten einen Migrationshintergrund, die identitätsstiftende Aufgabe schwindet zusehends und die „Contractor“ zahlen einfach bessere Gehälter. Und hier hat der ranghohe General  tatsächlich auch Recht: „… gegen gute Jobangebote aus der Wirtschaft durchsetzen.“ 

 

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