„Das wirtschaftspolitische Versagen erreichte tatsächlich noch einmal eine neue Dimension“ – War das Ende der Robur-Werke wirklich unvermeidlich?

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Strukturwandel als „Notschlachtung“ – Mit solchen Worten wurde zu Zeiten der Wiedervereinigung die Abwicklung ganzer Betriebe und die Entlassung von Mitarbeitern gerechtfertigt. Darunter hat sich auch das einstige Phänomen-Werke – später Robur-Werke – in Zittau befunden. Damit ging eine lange Geschichte der Nutzfahrzeugproduktion in der Lausitz zu Ende. Nur war die Zerstörung wirklich alternativlos? Immerhin war die LKW-Produktion in Zittau praktisch so alt, wie der LKW selbst und ursprünglich hatte mal alles ganz anders angefangen.

„Die traditionsreiche Geschichte des Zittauer Fahrzeugbaues“

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„Die traditionsreiche Geschichte des Zittauer Fahrzeugbaues beginnt nicht direkt mit Fahrzeugen, es sind die Textilmaschinen, welche den Vierrädern den Weg ebnen. 1888 gründet Gustav Hiller in Zittau seinen ersten Vertrieb von Spinnmaschinen. Dieser erste Versuch, des findigen Ingenieurs, mit eigenen Textilmaschinen in den Markt zu kommen scheitert jedoch noch. Gleichzeitig vertreibt er allerdings zudem noch Fahrräder der Zittauer Maschinenfabrik Müller & Preußiger, welche nach Rover-Lizenz gefertigt werden und von Hiller konstruktiv erweitert werden. So übernimmt Hiller darauf, 1898, die Firma Müller & Preußiger und fertigt fortan eigene Fahrräder. Bereits 1894 trugen diese Zweiräder schon den Namen „Phänomen-Rover“ am Rahmen.“

„Bereits 1894 trugen diese Zweiräder schon den Namen „Phänomen-Rover“ am Rahmen“

Ungefähr in der Zeit des Ersten Weltkrieges lief die Produktion von Lastkraftwaagen an. Bereits in der Zwischenkriegszeit hatten sich die Phänomen-Werke hierbei einen Namen gemacht. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Phänomen-Werke verstaatlicht und die LKW`s mussten – wegen Markenrechten – unbenannt werden. Aber der eigentliche Einschnitt sollte erst im Zuge der Wiedervereinigung stattfinden.

War das Ende der Robur-Werke wirklich unvermeidlich?

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„Die Entscheidungen der Treuhand waren für die Firma deutlich einschneidender als der verlorene 2. Weltkrieg, der RGW und der Kommunismus. Sie bedeuteten, wie fast für die gesamte Wirtschaft in der ehemaligen DDR, das endgültige „Aus“. Das wirtschaftspolitische Versagen erreichte tatsächlich noch einmal eine neue Dimension.“

„Das wirtschaftspolitische Versagen erreichte tatsächlich noch einmal eine neue Dimension“

Spätestens an dieser Stelle endet normalerweise die Geschichte der Robur-Werke. Trotzdem ist auch eine völlig andere Perspektive möglich. Da die Stadt Zittau unmittelbar an Tschechien und Polen grenzt, sollte vielleicht ein Blick über die Grenze geworfen werden. Denn die dortige LKW-Produktion hat bis in die Gegenwart überlebt.

Der tschechichte LKW-Hersteller Tatra hat die politischen Umbrüche überstanden

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„Die Marke TATRA geht auf das Jahr 1850 zurück, als Ignác Šustala mit der Herstellung von Pferdekutschen und Buggys in Kopřivnice (früher Nesselsdorf) begonn. … Die Marke TATRA erschien 1919 erstmals auf Fahrzeugen aus Koprivnice, auf dem LKW TL 4 . Dieser Name wurde von einem denkwürdigen Bremsentest an einem U-Typ-Wagen inspiriert, der von dem ehemaligen Firmenchef Novák übernommen wurde, der das Auto zu einer maximalen Belastung, ging mit seinem Fahrer auf eine wilde Reise in die TATRA-Berge.“

„Die Marke TATRA geht auf das Jahr 1850 zurück“

Der tschechichte LKW-Hersteller Tatra hat die politischen Umbrüche überstanden. Die dortigen Nutzfahrzeuge werden vorwiegend wegen ihre guten Traktion in schwierigen Gelände geschätzt. Auch die Robur-Busse und Robur-Lastkraftwaagen konnten diese Eigenschaft vorweisen. Nichtsdestoweniger werden auch in Polen immer noch Nutzfahrzeuge gebaut.

Und auch in Polen werden immer noch Nutzfahrzeuge gebaut

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„Wie MTU weiter mitteilte, sollen die Motoren des Typs 6R 106 TD21 mit 326 PS geländegängige Jelcz-Lastkraftwagen des Typs 442.32 für die polnischen Streitkräfte antreiben. Die ersten dieser Motoren würden im Lauf dieses Jahres 2017 nach Polen gehen. MTU hat laut eigenen Angaben bereits 900 Motoren der Baureihe 106 für Fahrzeuge des gleichen Typs ausgeliefert.“

Weshalb werden in Tschechien und Polen noch heute Nutzfahrzeuge hergestellt?

Die Lastkraftwagender Marke Jelcz sind keineswegs in der Umbruchphase Anfang der 1990er Jahre verschwunden. Und genau an dieser Stelle kommt die ganze These mit der unvermeidlichen „Notschlachtung“ gehörig ins wanken. Wenngleich die Unternehmen Jelcz und Tatra auf kein WirtschaftsprogrammAufbau Ost“ zurückgreifen konnten.