Die ungeschriebene Perspektive über die Robur-Werke

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Der Robur stellt vielmehr als nur ein LKW da. Zwar läuft seit vielen Jahrzehnten kein LKW mehr vom Band: Die Faszination über die Technik ist dennoch ungebrochen. Das Markenzeichen des Robur: Robuste Technik zu unschlagbaren Preisen. Trotzdem wurde das Unternehmen nach den damaligen Sprachgebrauch „abgewickelt“ . Die Gründe hierfür sind wohl mehr im politischen Umfeld zu Suchen.

Robur: Der günstige und robuste Lastkraftwaagen

>>Berliner Zeitung<<

„Für ein nordkoreanisches Schiff hatte seine Firma die Beladung und das Abwickeln aller Hafenformalitäten übernommen. Bei der Gelegenheit kam Bull mit den Vertretern des Staatsbetriebes „Korea Butonggang Corp.“ ins Gespräch, die zu günstigen Preisen gebrauchte Lastkraftwagen suchten. Bull wußte Hilfe. Er könne ehemalige NVA-Laster, die im brandenburgischen Hangelsberg „demilitarisiert“ werden, beschaffen, offerierte er den Koreanern. So kam es sehr bald zum Vertrag über die Lieferung von 1 269 „Robur“-Lkw nach Pjöngjang.“

Warum robuste Technik in vielen Teilen der Welt gefragt ist

Das Geschäft Mitte der 1990er Jahre kam nie Zustande und die Firma musste letztlich ihre Mitarbeiter entlassen und Konkurs anmelden. Grund: Die Bundesregierung verweigerte dem Export. Die ehemalige DDR unterhielt zu Nordkorea gute Beziehungen und die Robur-LKW waren in der östlichen Heimsphäre weitesgehend bekannt und genossen einen guten Ruf. Die geländegängigen Kleinlaster waren robust und mit simpler Technik ausgestattet. Merkmale die noch heute gefragt sind. Denn: Nicht überall sind hochpreisige – mit hochkomplexe Technik ausgestattete – Laster gefragt. Das Gegenkonzept: Einfache und robuste Technik zu günstigen Preisen zieht noch Heute: Der Erfolg des Autobauers Dacia macht hierzu eine eindeutige Aussage.

Alltag in der DDR: Nordkorea als normaler Handelspartner

Die Robur-LKW`s galten nach allgemeinen Westdeutschen-Maßstäben als hoffnungslos veraltet und nicht mehr „Zeitgemäß“ : Doch das ist nur die – westdeutsche Seite – der Medaille. Die westdeutschen Betriebe exportierten hauptsächlich ihre Waren in die westliche Hemisphäre: Der Ostblock war ihnen weitgehend fremd. Die Anforderungen für den Markt – wie im Fall Nordkorea – waren aber gänzlich Andere. Zur damaligen Zeit herrschte im westdeutschen Unternehmerkreisen noch die fixe Idee vor: Man könne die DDR-Exportgüter – Richtung Ostblock-Staaten – einfach durch westdeutsche Produkte ersetzen. Jedoch diese Rechnung ging nie so richtig auf. Das hatte mehrere Gründe.

Warum wirtschaftliche Beziehung gekappt werden mussten

Für westliche Technologie fehlte schlicht das Geld. Außerdem waren die Produkte – außer Luxusprodukte für Superreiche – kaum geeignet für die breite Masse in den Ostblock-Staaten. Zu allen Überfluss kam eine politisch völlig verfahrene Situationen hinzu. Mit der Wiedervereinigung standen nun plötzlich langjährige Handelspartner – wie Nordkorea – auf einer Sanktionsliste. Jede wirtschaftliche Beziehung wurde gekappt. Praktisch über Nacht wurden enge wirtschaftliche Partner plötzlich zu sogenannten „Schurkenstaatenerklärt und mit Sanktionen überzogen.

Wenn Handelspartner plötzlich zu „Schurkenstaaten“ erklärt werden

Ganz Praktisch: Mit der Wiedervereinigung wurde nur eine Ideologie durch eine andere ersetzt. Rein Formal geht es bei den Wirtschaftssanktionen zwar um Menschenrechte, Demokratie und andere hehre Ziele. Aber allein schon beim Blick auf Saudi-Arabien: Da spielen Menschenrechte und Demokratie plötzlich keine allzu große Rolle mehr. Wenn Saudi-Arabien – nach Ansicht der Bundesrepublik – dem Mindeststandard der Menschenrechte erfüllen soll: Dann erfüllt diesen Standard beinahe jeder Staat.

Saudi-Arabien und der Mindeststandard von Menschenrechten

Das es mehr um politische Ideologie, als um nüchternen Sachverstand geht: Das zeigt auch der Umgang mit den einstigen Robur-Werken im Zittau. Der geschichtliche Abriss rund um die Marke „Robur“ beschränkt sich häufig nur auf die DDR-Zeit: Dabei ist das Unternehmen wesentlich Älter.

1863 – Als Zimmermeister Hiller seinen Hausstand gegründete

>>Histo-Tech.de<<

„In der Mitte des vorigen Jahrhunderts hat ein Zimmermeister Hiller seinen Hausstand gegründet. 1863 wächst die Familie um einen gesunden , sehr lebhaften Buben, Karl Gustav Hiller. Ihm stellte das Schicksal die Aufgabe, die in Generationen geschaffene Erbmasse als gestandene Kraft weithin sichtbar zu entfalten; er wurde der Gründer unseres Werkes. So geschrieben steht es in dem Jubiläumsband der Phänomen Werke Gustav Hiller AG. Zittau (50 Jahre technisches Schaffen, erschienen im Jahre 1938). Der Bau von Fahrrädern, Motorfahrrädern und Nutzkraftwagen ist das Arbeitsgebiet dieses Werkes, heißt es weiter. Es lässt sich wahrscheinlich für den Betrachter dieser Ausführungen noch nicht erahnen, von was für einem großen Betrieb aus Zittau hier gesprochen werden soll.“

Von Fahrrädern und Motorfahrrädern über Autos zu Nutzfahrzeugen

Die Geschichte der „Robur-Werke“ reicht bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die Abwicklung des Betriebes war gewissermaßen „von Oben“ gewollt. Durch die überstürzte Währungsreform brachen Kunden weg. Langjährige Handelspartner standen plötzlich auf einer Sanktionsliste und wurden zu Schurkenstaaten erklärt. Aber auch die Treuhand arbeitete konsequent für die Abwicklung des Betriebes. Sicherlich auch mit Rückdeckung der hohen Politik. Der einfach-konstruierte Robur-LKW stellte natürlich auch den konsequenten Gegenentwurf zum Hochtechnologie-Laster aus Westdeutscher Produktion da. Es wäre reichlich Naiv zu Glauben: Das es zwischen Unternehmen keinen Konkurrenzkampf geben soll.

Robur: Unliebsame Konkurrenz aus dem Osten

Unliebsame Konkurrenz aus dem Osten war sicherlich nicht gewollt: Beispiele wie die Abwicklung des Kalibergbaus legen diesem Schluss durchaus nahe. Eine Aufarbeitung dieser Wirtschaftsgeschichte ist bis heute politisch Unerwünscht.

Der Robur stellt vielmehr als nur ein LKW da

Doch der Robur stellt vielmehr als nur ein LKW da. Das Unternehmen hatte über die lange Zeit ein dichtes Geflecht aus Zuliefern, fähigen Mitarbeitern und treuen Kunden geknüpft: So etwas entsteht nicht mal eben über Nacht. Die Lastkraftwaagen waren robust und günstig und genießen – noch Heute – einen guten Ruf. Vereine und Liebhaber schwören noch immer auf die unschlagbare Technik.