Reiches Land? – “Nein, es ist sogar eines der niedrigsten Vermögen, die sich unter allen Industrieländern finden lassen”

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Die Bevölkerung dieses Landes soll in vielerlei Hinsicht ein Leben in finanzieller Sicherheit genießen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen gehört zu den höchsten weltweit, was auf die hohe Produktivität und globale Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitnehmer zurückzuführen ist.

“Deutschland ist in vielerlei Hinsicht ein reiches Land” – Nur ein Mythos?

Darüber hinaus sparen sie erheblich mehr als Menschen in anderen Ländern üblicherweise tun. Es ist bemerkenswert, dass viele Bürger einen außerordentlich großen Teil ihres Einkommens beiseitelegen, um Vermögen aufzubauen und Rücklagen anzulegen. So oder ähnlich ist es gefühlt überall zu lesen. Nur sind diese Angaben überhaupt richtig?

“Nein, es ist sogar eines der niedrigsten Vermögen, die sich unter allen Industrieländern finden lassen”

>>Verteilungskampf von Marcel Fratzscher (Buch) <<

“Deutschland ist in vielerlei Hinsicht ein reiches Land. Die hier erwirtschafteten Pro-Kopf-Einkommen zählen zu den höchsten der Welt. Deutsche Arbeitnehmer sind enorm produktiv und global wettbewerbsfähig. Und sie sparen deutlich mehr, als es in anderen Ländern üblich ist. Viele Deutsche legen also einen ungewöhnlich hohen Anteil ihres Einkommens auf die hohe Kante, um Vermögen und Ersparnisse aufzubauen. Bei höheren Einkommen und höherer Sparquote wäre also zu erwarten, dass auch die in Deutschland aufgebauten Privatvermögen überdurchschnittlich hoch sind. Das Gegenteil trifft jedoch zu: Ein durchschnittlicher Deutscher hat nicht nur ein deutlich niedrigeres Vermögen angespart als andere Europäer, die weniger verdienen und weniger ihres Verdienten ansparen. Nein, es ist sogar eines der niedrigsten Vermögen, die sich unter allen Industrieländern finden lassen. Zudem gibt es kaum ein Land, in dem die privaten Vermögen ungleicher verteilt sind, also die reichsten 10 Prozent mehr und die ärmsten 40 Prozent weniger des gesamten Vermögens besitzen.”

“Kaum ein Land, in dem die privaten Vermögen ungleicher verteilt sind”

Ein gewöhnlicher Bürger hierzulande hat also nicht nur wesentlich weniger Ersparnisse als andere europäische Personen. Tatsächlich liegt das Vermögen sogar unter den niedrigsten in allen Industrieländern. Darüber hinaus gibt es kaum ein Land, in dem die privaten Vermögenswerte ungleicher verteilt sind. Die reichsten 10 Prozent besitzen mehr und die ärmsten 40 Prozent besitzen weniger vom gesamten Vermögen.

“Zypriotsche Haushalte” – “3,4-mal so vermögend wie deutsche”

>>Der Euro von Hans-Werner Sinn (Buch) <<

“Beispielsweise ist ein spanischer Haushalt im Durchschnitt 49% und ein italienischer Haushalt 41% wohlhabender als ein deutscher; während griechische und portugiesische Haushalte nur 24 bzw. 22% unter dem deutschen Wert liegen. Zypriotsche Haushalte … sind sogar 3,4-mal so vermögend wie deutsche und 2,9-mal so vermögend wie französische. Leider standen keine irischen Zahlen zur Verfügung. Es wäre interessant gewesen, die irischen Zahlen mit den Zahlen aus Zypern zu vergleichen, da beide Länder ähnliche Bankensysteme aufgebaut haben. Im Schnitt übertrifft das Vermögen privater Haushalte in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern das Vermögen der Haushalte im Rest der Eurozone um etwa ein Viertel, nämlich genau um 23%.”

“Ein spanischer Haushalt im Durchschnitt 49% und ein italienischer Haushalt 41% wohlhabender als ein deutscher”

Auch die Armutsquote wird bei solchen Berechnungen regelmäßig ausgeblendet. Es ist bedenklich, dass dieses Land mit der größten finanziellen Ungleichheit innerhalb der gesamten Eurozone ist.

“Tatsächlich aber ist die Armutsquote in Deutschland auf einem Rekordhoch”

>>Die Hartz-IV-Diktatur von Inge Hannemann (Buch) <<

“Tatsächlich aber ist die Armutsquote in Deutschland auf einem Rekordhoch – da mag man hin oder her rechnen, wie man möchte. Und was uns zu denken geben müsste: Deutschland ist innerhalb der gesamten Euro-Zone das Land mit der höchsten finanziellen Ungleichheit: Zehn Prozent der Deutschen verfügen über ein durchschnittliches Vermögen von 1,15 Millionen Euro, während die ärmsten zwanzig Prozent unserer Bevölkerung im Durchschnitt 4600 Euro Schulden haben. Anders dargestellt: 73 Prozent der deutschen Haushalte haben ein unterdurchschnittliches Nettovermögen. Von diesen Haushalten besitzen 25 Prozent kein Vermögen, und 7 Prozent davon sind überschuldet.”

“Ärmsten zwanzig Prozent unserer Bevölkerung im Durchschnitt 4600 Euro Schulden haben”

Tatsächlich wird über Schulden wenig bis überhaupt nicht berichtet. Unterm Strich mag es ein reiches Land mit einer verhältnismäßig armen Bevölkerung sein. Auch wenn die hier genannten Zahlen nicht die Aktualität widerspiegeln, so geben sie dennoch ein recht übersichtliches Bild ab.