EU-Sortenregister: Das Verbot von Saatgut

Screenshot twitter.com Screenshot twitter.com

Anbau alter Obst- und Gemüsesorten: Dafür könnten 25.000 Euro Strafe fällig werden – Oder wörtlich im Gesetz:  „Geldbuße bis zu fünfundzwanzigtausend Euro … geahndet“ Der Schritt in die Illegalität kann manchmal sehr Klein sein. Und damit das alles auch „leicht verständlich“ ist: Besteht allein der erste Satz des Gesetzes aus 3.148 Zeichen gespickt mit zahlreichen – oder zahllosen – Querverweisen. Würde man nur diesen einem Satz komplett ausschreiben, käme ein Kapitel eines Buches zusammen und das alles verfasst in – unverständlichen – Juristendeutsch. Die zusätzlichen – teilweise widersprüchlichen – Gerichtsurteile zum Thema, bleiben hier mal unberücksichtigt: Der Weg ins Gefängnis kann also sehr Kurz sein.

Anbau alter Obst- und Gemüsesorten: 25.000 Euro Strafe – Schneller Weg ins Gefängnis

>>Tomaten-Welt<<

„Das Saatgutverkehrsgesetzt schreibt vor, dass nur Saatgut von Tomatensorten in den Handel gebracht werden darf, die im Sortenregister registriert sind. Viele alte Sorten sind heute nicht mehr im Sortenregister und dürfen darum nicht mehr gehandelt werden.“

Saatgutverkehrsgesetzt: Viele Sorten sind heute verboten

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Nach der EU-Saatgutrichtlinie von 2002 dürfen eigentlich nur Sorten gehandelt werden, die in einem amtlichen Register eingetragen sind. Voraussetzung dafür ist unter anderem der kostspielige Nachweis, dass sich diese Sorten über mehrere Vermehrungszyklen hinweg als beständig erweisen und ihr Erscheinungsbild sich nicht verändert.“

„Nur Sorten gehandelt werden – die in einem amtlichen Register eingetragen sind“

>>Stern<<

„Schon heute darf innerhalb der EU nur Saatgut von zugelassenen Pflanzen vermarktet werden. Das Bundessortenamt lässt Sorten dann zu, wenn sie unterscheidbar, homogen und beständig sind. Alte, traditionelle Sorten, die nicht nach modernen Industriestandards gezüchtet werden, erfüllen diese Anforderungen oft nicht.“

„Darf innerhalb der EU nur Saatgut von zugelassenen Pflanzen vermarktet werden“

Jede einzelne Pflanzensorte muss dabei ein aufwendiges Zulassungsverfahren durchlaufen und für das so zugelassene „EU-Saatgut“ sind dann nochmal jährlich Gebühren fällig. Zwar gelten noch schwammig Ausnahmeregelungen und um die Gemüter nicht zu sehr aufzuregen: Finden keine oder nur lasche Kontrollen statt. Aber zahlreiche industrienahe EU-Lobbyorganisationen arbeiten daran: Das es bald nur noch einheitliches Saatgut gibt.

Novel Food Verordnung: Instrument um „Pflanzen oder Pflanzenprodukte verbieten“

>>Stevia – gesunde Süße selbst gemacht von Peter Klock – Thorsten A. Klock – Monika Klock (Buch) <<

„Die Novel Food Verordnung (NFV, eigentlich »Verordnung über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten«), ist ein Instrument, das u. a. »neuartige« Pflanzen oder Pflanzenprodukte verbieten kann, wenn sie kein aufwendiges, langwieriges und teures Zulassungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben. In diesem Zulassungsverfahren muss bewiesen werden, dass die Pflanze oder ihre Produkte für den Verzehr durch den Menschen absolut ungefährlich sind.“

Hintertür – Novel Food Verordnung: Patentierung von Saatgut

Quasi exemplarisch für die EU-Zulassungspraxis steht die Pflanze Stevia. Schon seit Jahrhunderten – oder vielleicht Jahrtausenden – ist die Pflanze den Ureinwohnern von Südamerika bekannt. Allerdings die Europäer kamen erst im Jahre 1887 mit den Honigkraut in Berührung. Und was danach geschah, spottet eigentlich jeder Beschreibung.

„Man kann Millionen mit den neuen patentierten Süßstoffen verdienen“

>>Spiegel<<

„Man gewinnt einen der Stevia-Süßstoffe, Rebaudiosid A, auf chemischem Weg und meldet auf diese Methode sowie auf die chemisch behandelten Substanzen eine Reihe von Patenten an. Die reine Pflanze bleibt als Lebensmittel verboten, der chemisch gewonnene Bestandteil hingegen wird zugelassen – und man kann Millionen mit den neuen patentierten Süßstoffen verdienen. Perfide, aber real.“

Stevia: „Die reine Pflanze bleibt als Lebensmittel verboten“

Stevia als Samen oder Pflanze ist zwar praktisch überall erhältlich: Aber als Lebensmittel immer „noch“ nicht zugelassen. Die Vermarktung erfolgt daher als „Badezusatz“ oder „Zierpflanze“ oder mit irgendwelchen anderen Tricks. Die betroffenen Händler befinden sich damit immer mit einem Bein im Gefängnis. Aussagen wie; „Ende 2011 wurde Stevia in der EU zugelassen.“ Diese sind entweder falsch oder unvollständig: Tatsächlich wurde nur der chemische Nachbau „Steviolglycosidezugelassen.

„Statten wir neue Sorten mit der Open-Source Lizenz aus“

>>OpenSourceSeeds<<

„OpenSourceSeeds will Saatgut wieder zu einem Gemeingut für Alle machen. Dazu statten wir neue Sorten mit der Open-Source Lizenz aus. Das ist ein einfacher Weg, Saatgut rechtlich vor Patenten und anderen Formen der Privatisierung zu schützen.“

 

Werbung

Loading...
Bild: nordvpn.com
Scroll Up