Indonesien: Fünf Christen ermordet

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Im indonesischen Westneuguinea sind innerhalb weniger Tage vier Mitglieder einer christlichen Gemeinde getötet worden – zwei Monate nach dem gewaltsamen Tod ihres Pastors. Die Taten wurden mutmaßlich von Soldaten der indonesischen Armee (TNI) verübt und stehen in Zusammenhang mit dem Kampf der Regierung gegen bewaffnete Rebellengruppen.

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Von Open Doors

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Gemeinde seit Jahren von Gewalt beeinträchtigt

Atanius Murib (18) und Manus Murib (18), zwei Schüler der Ilaga High School, wurden am 20. November 2020 im Dschungel erschossen. Atanius starb am Tatort, während Manus überlebte, weil er sich totgestellt hatte. Manus suchte daraufhin Hilfe bei den Bewohnern des Dorfes Jakimaki, die ihn zur medizinischen Behandlung in das Gesundheitszentrum von Ilaga brachten. Einige Tage später wurden am gleichen Ort drei weitere Leichen gefunden. Akis Alom (34), Wenius Wenda (13) und Gopenus Tabuni (19) hatten ihr Haus am selben Tag verlassen, an dem Atanius und Manus angegriffen wurden. Sie wollten zur Weihnachtszeit nach Hause fahren und waren auf dem Weg in ihr Dorf. Ihre Leichen wiesen Schussverletzungen an Hals und Brust auf.

Die Familien der Getöteten wandten sich in einer Bittschrift an den Polizeichef und Militärkommandanten von Westneuguinea und an die Vertretung der indonesischen Nationalen Menschenrechtskommission in Provinzhauptstadt Jayapura. In einer Erklärung betonen sie, die Opfer seien in keinerlei Aktivitäten krimineller Gruppen verwickelt gewesen. Die indonesische Armee habe willkürlich auf sie geschossen, ohne nach ihrer Identität zu fragen.

Nach Angaben von Pastor Daniel Ronda, dem Vorsitzenden der Alliance Church of Indonesia (GKII), gehörten die fünf Opfer der Angriffe zu der GKII-Gemeinde Ilaga Papua. Die Gemeinde hat im Zuge militärischer Operationen der TNI bereits zahlreiche Verluste zu beklagen.

Pastor war „überhaupt nicht in die Politik involviert“

Bereits am 19. September war Pastor Yeremia von der GKII schwer verletzt aufgefunden worden und kurz darauf gestorben. Die Nationale Menschenrechtskommission veröffentlichte Anfang November einen Bericht, wonach ein Soldat der TNI den Geistlichen zunächst gefoltert und dann aus nächster Nähe mit Schüssen schwer verletzt haben soll. Dabei soll es um Informationen entweder über eine vermisste Waffe oder um den Aufenthaltsort von Kämpfern einer Rebellengruppe gegangen sein.

Neben seiner Tätigkeit als Pastor war Yeremia als Dozent am Bibelseminar seiner Kirche sowie als Bibelübersetzer in die lokale Moni-Sprache tätig. Pastor Daniel Ronda beklagte seine Ermordung und stellte heraus: „Wir sind nicht gegen TNI, aber wir müssen solche Dinge kritisch betrachten. Pastor Yeremia war überhaupt nicht in die Politik involviert. Er geriet ins Visier der Armee, weil er sie immer wieder nach seinen beiden vermissten Neffen fragte, die zuvor von der Armee verhaftet worden waren. Es gab überhaupt keine Nachricht, und er wollte wissen, ob sie noch am Leben sind oder nicht“, sagte er.

In Westneuguinea, dem indonesischen Teil der Insel Neuguinea, sind seit Jahrzehnten Rebellengruppen aktiv und kämpfen für die Unabhängigkeit von Indonesien. Christen geraten dabei immer wieder zwischen die Fronten.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Indonesien an 49. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

–W E R Β U Ν G–

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