Iran: Behörden vermelden Erfolg im Kampf gegen Christen

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UN-Experten äußern Sorge über „systematische Verfolgung“ von Christen

Die iranische Nachrichtenagentur FARS hat von Verhaftungen einiger Mitglieder eines „Netzwerkes“ von Christen in mehreren Provinzen des Landes berichtet. Die Verhafteten seien Urheber „moralischer Verirrungen“ und hätten sich der „Förderung religiöser Konversion“ schuldig gemacht. Ein Expertengremium der UN hat sich in einem Brief an die iranische Regierung besorgt über die „systematische Verfolgung von Christen“ in Iran geäußert.

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Von Open Doors

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Hauskirchen im Visier des Regimes

Der Bericht von den Verhaftungen wurde am vergangenen Samstag von der Agentur FARS veröffentlicht, die den iranischen Revolutionsgarden nahesteht. Darin heißt es, in einer koordinierten Aktion sei die „zionistische“ Gruppe „unschädlich gemacht“ worden. Die Meldung enthielt jedoch keinen Hinweis auf die Anzahl der verhafteten Christen oder auf die Orte, wo die Verhaftungen stattfanden. Wie es darin heißt, hätten „mit dem Christentum verbundene Netzwerke“ in den letzten zwei Jahren „umfangreiche“ Anstrengungen gegen die nationale Sicherheit Irans unternommen. Das Regime geht immer wieder mit gezielten Verhaftungswellen gegen Christen vor.

Derzeit befinden sich in Iran mindestens 15 Christen wegen angeblicher „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ im Gefängnis – wegen ihrer Mitgliedschaft in oder Leitung von Hauskirchen.

„Niemand wird aus religiösen Gründen verfolgt“

Bereits am 11. November hatte eine Gruppe von mehreren UN-Sonderberichterstattern einen ausführlichen Brief zur Lage der Christen in Iran an die dortige Regierung geschickt.

Darin werden 24 iranische Christen genannt, die entweder derzeit im Gefängnis sitzen oder auf ihre Vorladung warten; zu jedem Fall werden detaillierte Einzelheiten genannt. Die UN-Vertreter äußern sich besorgt über „die anhaltende systematische Verfolgung der Mitglieder dieser religiösen Minderheit“.

Nach Ablauf einer Frist von 60 Tagen ohne eine offizielle Reaktion der Teheraner Regierung veröffentlichte die UN den Brief. Daraufhin wies das Regime in einer Antwort die Vorwürfe zurück und erklärte, dass „niemand aus religiösen Gründen verfolgt“ werde. Man gehe lediglich gegen Mitglieder „feindlicher Gruppen“ und „privater Kirchen“ (Hauskirchen) vor, die zu einer „zionistischen christlichen Sekte“ mit „sicherheitsgefährdenden Absichten“ gehören würden.

Die meisten der ca. 800.000 Christen in Iran sind ehemalige Muslime, die durch ihre Abkehr vom Islam aus Sicht des Regimes ein todeswürdiges Verbrechen begangen haben. Sie können sich nur heimlich treffen und haben sich in zahlreichen Hauskirchen organisiert. Diese werden nicht anerkannt und tragen die Hauptlast der Verfolgung von Christen im Land. In Berichten regimetreuer Nachrichtensender oder offiziellen Verlautbarungen werden regelmäßig die Begriffe „zionistisch“ oder „Sekte“ im Blick auf die Hauskirchen verwendet – im Gegensatz zu den „christlichen Landsleuten“, als die traditionelle Christen armenischer und assyrischer Abstammung bezeichnet werden (sofern sie nicht evangelisieren).

 

–W E R Β U Ν G–

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