Rundfunkgebühren: „Über die Menschen über die sie berichteten lustig machten“

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Wir haben den besten Journalismus aller Zeiten, nur leider auch die blödesten Leser, die nicht schätzen, wie toll wir für sie arbeiten und ihnen die richtige Haltung beibringen.“ Sicherlich etwas überspitzt, aber im Kern trifft diese „Haltung“ auf viele Journalisten zu: Insbesondere im Öffentlichen Rundfunk. Hintergrund: Immer mehr Zuschauer wenden sich von den staatlichen Rundfunk ab. Was viele nicht wissen: Hinter den Kulissen, denken viele Rundfunkfunktionäre regelrecht Abwertend über ihr eigenes Publikum.

„Erzielt die höchsten Einschaltquoten nur noch bei den über 49-Jährigen“

>>Staatsfunk „ZDF“ (PDF-Datei) <<

„Der ÖRR (Öffentlich-Rechtliche Rundfunk, Anmerkung der Redaktion) erzielt die höchsten Einschaltquoten nur noch bei den über 49-Jährigen. Die jüngeren Generationen, mit Ausnahme der Kinder, erreicht er kaum mehr. Dies führt zu der Frage, ob der ÖRR seiner verfassungsrechtlichen Aufgabe als Informationsmittler noch angemessen nachkommen kann.“

Staatsfunk: Der Generationsabriss wird ganz offiziell eingeräumt

Der Generationsabriss wird nun auch ganz offiziell eingeräumt. Um so erstaunlicher, folgende Aussage: „Es gibt da keinen Generationsabriss“ – Das Zitat stammt von keinen Geringeren, als den ARD-Vorsitzenden höchstpersönlich selbst. Vorher war er Regierungssprecher: Aber irgendwie ist das dort scheinbar das Gleiche. Der vermeintlich „Staatsferne Rundfunk“ ist so Staatsfern organisiert, das in den wichtigen Gremien, die selben Leute sitzen. Unweigerlich stellt sich daher die Frage: Ob es eigentlich möglich sei, noch weiter von der Realität entrückt zu sein?

Welchen Zwecke dieser Rundfunk eigentlich noch erfüllt?

Allerdings wirft das hauseigene ZDF-Gutachten eine wichtige Frage auf: Welchen Zwecke dieser „Rundfunk“ eigentlich noch erfüllt? Die ältere Generation stirbt vor den herkömmlichen Fernseher schlicht weg. Die Jüngeren konsumieren bestenfalls sporadisch den staatlichen Rundfunk im Internet. Nichtsdestotrotz, Abseits des Staatsfunks – im Print-Bereich – ist man da bereits weiter. Auch dort stellt sich die gleiche Legitimationskrise: Nur fallen die Auswirkungen anders aus.

„Hilferuf aus dem Pressehaus“ – „Wir müssen im Kernbereich massiv Kosten sparen“

>>KONTEXT:Wochenzeitung<<

„Hilferuf aus dem Pressehaus … Im Stuttgarter Pressehaus ist Feuer unterm Dach. … „Wir müssen im Kernbereich massiv Kosten sparen“, sprach er zum Konzernbetriebsrat, das gesparte Geld benötige er „für das Digitale“ … er Kernbereich war nichts anderes als der zuvor gepriesene gedruckte Qualitätsjournalismus. Da hat selbst Verdi-Sekretär Uwe Kreft, dem in der Branche wenig fremd ist, gestaunt. Dieses „offensichtliche Abschreiben von Print“, sagt der fürs Pressehaus zuständige Gewerkschafter, „ist ganz furchtbar“.

„Offensichtliche Abschreiben von Print“

Bei zahlreichen Pressehäusern stehen große Entlassungswellen an. Der Aufschrei der Gewerkschaften ist auf der einen Seite verständlich. Anderseits, löst er nur Kopfschütteln aus. Gerade die großen Gewerkschaften haben stets „Haltung“ im Pressewesen eingefordert: Nun ist der „Haltungsjournalismus“ voll gegen die wirtschaftliche Wand gefahren und es stehen Massenentlassungen an. Letztlich sind es genau die selben Probleme, mit denen auch der staatliche Rundfunk zu kämpfen hat: Mit den Unterschied: Das hier keine Rundfunkgebühren zur Verfügung stehen. Das sich Leser und Zuschauer, den etablierten Medien so zahlreich abwenden: Hat auch viel mit der „Haltung“ gegenüber den Bürgern zu tun.

„Über die Menschen über die sie berichteten lustig machten“ 

>>Die traut sich was!: Geschichten aus dem Leben einer Fernsehjournalistin von Katrin Huß (Buch) <<

„Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass viele unserer Redakteure von »Hier ab vier« bzw. «MDR um 4« das Programm selbst nicht sahen, für das sie arbeiteten, und sich über die Menschen, über die sie berichteten, lustig machten. In den Redaktionssitzungen fielen oft und gern zynische, abwertende Kommentare, auch über prominente Gäste. Unsere »Experten« und einige unserer Chefs vom Dienst kommentierten selbst noch mit.“

„In den Redaktionssitzungen fielen oft und gern zynische abwertende Kommentare“

Diese Haltung schwingt in der Berichterstattung immer unterschwellig mit. Indem man sich offen über die Bevölkerung lustig macht oder sie in ein schlechtes Licht rückt. Überall taucht subtil – der belehrende Zeigefinger auf – wo den Zuschauern erklärt wird: Was sie gefälligst zu denken haben. Eigentlich sind solche Zustände ein absolutes Unding. Insbesondere dann, wenn die „Chefs vom Dienst“ sich über ihr eigenes Publikum lustig machen. Respekt und Achtung, gegenüber den eigenen Publikum, muss eine Selbstverständlichkeit sein.

 

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