„Zukunft ohne Panzer“ – Wie der neue Kampfpanzer MGCS verzweifelt um sein Überleben kämpft

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Das französische und deutsche Heer soll neue Kampfpanzer bekommen. Eine moderne neue Waffenplattform: Die allen militärischen Lagen haushoch Überlegen sein soll. Die Euphorie über das Projekt ist ungebrochen. Jede Menge an Geld steht auch schon bereit. Allerdings sind vorangegangene Projekte allesamt gescheitert. Zugleich stellen einige die Zukunftsfähigkeit von Panzern generell infrage. Doch die deutsche Politik setzt ihren Weg unbeirrbar fort.

„Deutschland und Frankreich wollen den Kampfpanzer der Zukunft bauen“

>>Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr<<

„Deutschland und Frankreich wollen den Kampfpanzer der Zukunft bauen. Dahinter steckt nicht nur ein einziges Fahrzeug, sondern ein vernetztes System. Die Anforderungen sind hoch. … Das Projekt trägt den wenig emotionalen Titel „Haupt-Landkampfsystem“, es wird nach seiner englischen Begrifflichkeit Main Ground Combat System kurz MGCS genannt.“

„Englischen Begrifflichkeit Main Ground Combat System kurz MGCS genannt“

Doch zu bedenken sollte bei diesen überschwänglichen Emotionen sein: Es ist nicht der erste gemeinsame Kampfpanzer. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurden ganz ähnliche Projekte verfolgt. Auch damals sollte ein neuer Kampfpanzer entstehen.

Gescheitert: „Mitte der 70er Jahre planten Deutschland und Frankreich auch einen gemeinsamen Kampfpanzer“

>>Der Tagesspiegel<<

„Mitte der 70er Jahre planten Deutschland und Frankreich auch einen gemeinsamen Kampfpanzer. Dieses Projekt scheiterte nach sechs Verhandlungsjahren. Und auch der „Eurofighter“, zur Zeit das fliegerische Rückgrat der Luftwaffe, wurde Ende der 1970er Jahre von der Bundesrepublik Deutschland zunächst zusammen mit Frankreich und Großbritannien geplant. Aber 1985 trat Frankreich wieder aus der „Eurofighter“-Familie aus und baute stattdessen in Eigenregie seine „Rafale“.

Französischer Eurofighter: „1985 trat Frankreich wieder aus der „Eurofighter“-Familie aus“

Trotz dieser negativen Erfahrungen wird das – damals gescheiterte – Projekt nochmal zum Leben erweckt. Mit viel Euphorie und noch mehr Emotionen wird der Panzer vorangetrieben.

„Jetzt geht es Schlag auf Schlag beim Main Ground Combat System“

>>Bundesministerium der Verteidigung<<

„Jetzt geht es Schlag auf Schlag beim Main Ground Combat System. Nach den durch die Verteidigungsministerinnen von Deutschland und Frankreich unterzeichneten Rahmen- und Durchführungsabkommen steht nun der Vertragsschluss mit den Industriepartnern der Arbeitsgemeinschaft (ARGE), bestehend aus den Unternehmen Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Nexter, im Fokus.“

„Deutschland und Frankreich unterzeichneten Rahmen- und Durchführungsabkommen“

Dennoch tauchen Fragen nach der Sinnhaftigkeit von Panzern überhaupt auf. Kampfpanzer waren schon immer recht teure Waffensysteme gewesen und nehmen große Teile des Verteidigungsbudget für sich in Anspruch. Zudem ist die effektive Nutzung immer weiter zurückgegangen. Im Gebirge können sie so gut wie gar nicht eingesetzt werden. Da der Treibstoffverbrauch dieser Fahrzeuge enorm ist, muss eine umfangreiche – und anfällige – Logistik bereit gestellt werden. Vereinfacht: Greife nicht den geschützten Panzer, sondern einfach den praktisch ungeschützten Tanklastzug – auf dem Weg zum Panzer – an: Ohne Treibstoff ist das Waffensystem praktisch schutzlos. Außerdem sind bei realen Kriegen die Anfälligkeiten offensichtlich geworden.

„Schutzlos vor Kampfdrohnen“ – „190 armenische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge vernichtet“

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Schutzlos vor Kampfdrohnen – durch den kurzen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan offensichtlich geworden. Während der Kämpfe hatten aserbaidschanische Drohnen aus israelischer und türkischer Produktion mehr als 190 armenische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge vernichtet.“

„Toyota-Krieg“ – Wie zivile Geländewagen mit Lenkraketen dem „Panzermythos“ zerstörten

Schon im sogenannten „Toyota-Krieg“ haben sich die Schwächen von Panzern klar gezeigt: Zwar hieß der Konflikt offiziell „Libysch-Tschadischer Grenzkrieg“ – aber „Toyota-Krieg“ hat es recht gut auf dem Punkt gebracht. Denn gewöhnlich – zivile – Toyota Geländewagen konnten mit ihren Lenkraketen eine ganze Reihe von modernen Panzern ausschalten. Zu allen Überfluss: Ein Toyota ist vielfach Billiger als ein Panzer zu haben. Oder anders: Man kann auch seine eigene Niederlage herbeirüsten. Offenbar hat britische Armee auf diese Entwicklung bereits reagiert.

„Die britische Armee plant eine Zukunft ohne Panzer“

>>Neue Zürcher Zeitung<<

„Die britische Armee plant eine Zukunft ohne Panzer – Grossbritannien will in neue Militärtechnologien investieren, weshalb es sich die Aufrüstung seiner veralteten Kampfpanzer kaum noch leisten kann. Nun prüft die Armee, künftig ganz auf Panzer zu verzichten – was freilich dem Selbstverständnis des Landes als Militärmacht zuwiderläuft.“

„Grossbritannien will in neue Militärtechnologien investieren“

Traditionell ist das Selbstverständnis von Großbritannien eher auf eine starke Marine und Luftwaffe gerichtet. Es geht auf die Insellage des Staates zurück. Aber auch in Frankreich haben viel schwere Kampfpanzer ein recht hohes Alter erreicht und es werden immer mehr davon ausgemustert. Stattdessen scheint die Zukunft dort bei leichten Radpanzern zu liegen. So wirklich scheint also Frankreich vom neuen „Superpanzer“ MGCS keineswegs überzeugt zu sein. Alle anderen EU-Staaten – inklusive Großbritannien – scheinen schon vorab abgewunken zu haben.

 

–W E R Β U Ν G–

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