Zusammenstoß der Kulturen: Die Meuterei in Europa? (1)

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Wie sieht ein Zusammenstoß der Kulturen aus? Im 18. Jahrhundert haben europäische Mächte quasi die fast die damalige bekannte Welt unter ihre Kontrolle gebracht. Schon damals wurden die meisten fremden Kulturen als minderwertig eingestuft. Diese Reihe setzte gewissermaßen Samuel Huntington mit „Clash of Civilizations?“ gewissermaßen fort.

„Grüne fordern Anerkennung kolonialen Unrechts“

>>Deutscher Bundestag<<

„Grüne fordern Anerkennung kolonialen Unrechts – Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen setzt sich für die Anerkennung und Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus ein und hat dazu einen Antrag (19/24381) vorgelegt, … .“

„Anerkennung und Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus“

Diese Form des „kolonialen Unrechts“ ist hauptsächlich auf die Deutschen Kolonien während der Kaiserzeit beschränkt. Nach allgemeiner Lehrmeinung ist die „koloniale Phase“ abgeschlossen, weil Deutschland schon seit langer Zeit über keine Kolonien mehr verfügt. – Doch ist diese Sichtweise überhaupt richtig?

„Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“

Immerhin sollten einige Schlagworte aus der Politik zu denken geben: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ – Mit „Europa“ ist vermutlich in Wirklichkeit die Europäische Union gemeint. – Zumindest viel anders lässt sich die Aussage nicht deuten. Und genau diese Grenzen der Europäische Union sind weitestgehend unbekannt. Einige EU-Mitgliedstaaten haben – anders als Deutschland – ihr koloniales Erbe dorthin gleich mitintegriert. Oder anders: Die Europäische Union zu verteidigen bedeutet – vereinfacht – eben auch: Die kolonialen Gebiete im Übersee zu verteidigen und dass schließt die polynesische Inselwelt im fernen Pazifik mit ein.

„Im November 1843 erfolgte das französische Protektorat über das Königreich Tahiti“

>>Mortimer Reisemagazin<<

„Im November 1843 erfolgte das französische Protektorat über das Königreich Tahiti, in dessen Folge der gesamte Archipel an Frankreich el. 1880 wurden die Inseln schließlich o ziell zu einer Kolonie der französischen Republik. Pomaré V. war der letzte König von Tahiti, der 1891 verstarb. … Seit 1958 lautet der Name Französisch-Polynesien. 2004 schließlich wird Französisch-Polynesien zu einem „Pays d’outre-mer francais“, einem französischen Überseeland, und ist damit der EU angegliedert.“

„Französisch-Polynesien“ – „Einem französischen Überseeland, und ist damit der EU angegliedert“

Nicht jeder in Polynesien sieht die französische Herrschaft als Gewinn an und die dortigen Rufe nach Unabhängigkeit dürften auch im fernen Paris angekommen sein. Natürlich stoßen bei der polynesischen und europäischen Lebensart sehr unterschiedliche Welten aufeinander. Noch heute wird die pazifische Inselwelt – aus europäische Sichtweise – quasi als Inbegriff des Paradieses angesehen.

„Das Paradies im Kopf: Weißer Sandstrand, Frauen im Baströckchen und süße Früchte“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Das Paradies im Kopf: Weißer Sandstrand, Frauen im Baströckchen und süße Früchte. … Mit James Cook fing alles an. Der britische Seefahrer brachte im 18. Jahrhundert Artefakte und Berichte aus den unbekannten Weiten des Pazifischen Ozeans mit, die seitdem die Phantasie der Menschen erhitzen. … Den Mythos der Südsee aber transportierten vor allem die europäischen und amerikanischen Künstler. Paul Gauguin malte, liebte und starb auf den Inseln Französisch-Polynesiens. Marlon Brando spielte den Ober-Meuterer auf der Bounty.“

„Mythos der Südsee“ – „Paul Gauguin malte, liebte und starb auf den Inseln Französisch-Polynesiens“

Allerdings muss man sagen: Die Südsee erfüllt tatsächlich viele vermeintliche Klischees und die Einheimischen geben sich auch allerhand Mühe dieses Bild – vorwiegend für die Touristen – gerecht zu werden. Aber lässt sich der „Mythos der Südsee“ jenseits von so manch eingefahrener Ansicht auch ganz anders verstehen? Immerhin haben die Polynesier weite Teile der pazifischen Inselwelt – lange vor jeden europäischenEntdecker“ – besiedelt. Außerdem hat die polynesische Lebensart auch so manchen Europäer an seiner eigenen Kultur zweifeln lassen. Anders lässt sich die weltberühmte Meuterei auf der Bounty kaum erklären.

Meuterei auf der Bounty: „Mit acht Meuterern und zwölf tahitianischen Frauen die abgelegenen Pitcairninseln“

>>Um die Welt mit einem Lächeln von Cees de Reus (Buch) <<

„Nach einer langen Irrfahrt hatte auch Christian Fletcher 1790 mit acht Meuterern und zwölf tahitianischen Frauen die abgelegenen Pitcairninseln gefunden. Vorher waren Kapitän Bligh und die restliche Besatzung der BOUNTY von ihnen in ein Ruderboot gesetzt worden. Die Meuterer brauchten eine unbewohnte Insel, um sich niederzulassen. Diese Insel sollte für die englische Justiz möglichst unauffindbar sein. So warf die BOUNTY in der Bucht Anker, die heute Bounty Bay heißt. An Land gab es Süßwasser, einen Überfluss an Früchten, kleine essbare Tiere und im Meer jede Menge Fische. Nachdem alle Habseligkeiten an Land gebracht worden waren, wurde die BOUNTY angezündet und versank in der Ozeandünung.“

Meuterer ohne Rückkehr zu Europa: Das Schiff hinter sich brennen sehen

Die Meuterer haben sich ihre Tat nicht auf die leichte Schulter genommen und das Risiko muss ihnen sicher bewusst gewesen sein. Immerhin hätte die Meuterei scheitern oder die britische Justiz hätte sie aufspüren können. Wozu haben also die Seeleute dieses beträchtliche Risiko auf sich genommen? Ein wesentlicher Faktor muss sicherlich die leichte unbeschwerte polynesische Lebensart gewesen sein. Der Kontrast zu Europa hätte wohl kaum gravierender sein können. Der Zusammenstoß der Kulturen ist also nicht bloß eine reine Theorie.

„Clash of Civilizations?“ – „Samuel Huntington im Jahr 1993 seinen Aufsatz“

>>Hochschule für Philosophie München<<

„Als Samuel Huntington im Jahr 1993 seinen Aufsatz „Clash of Civilizations?“ in der Zeitschrift Foreign Affairs publizierte, löste er mit seiner Analyse ein gewaltiges Echo aus. – „Wer bist du?“, lautete seine Kernthese, die er durch seine Beschreibung der Kulturalisierung sozialer und politischer Prozesse, durch seine Theorie von „Kulturkreisen“ und „Bruchlinienkonflikten“ sowie durch seine Prognose identitätspolitischer Zugriffe auf soziale Prozesse und interkulturelle Beziehungen konkretisierte.“

„Wer bist du?“ – „Lautete seine Kernthese“

Gerade die Meuterei auf der Bounty wirft beim „Zusammenstoß der Kulturen“ ganz andere Fragen auf: Trotz der vermeintlich fortschrittlicheren Zivilisation und Technologie waren die Europäer den Polynesiern unterlegen. Ähnlich wie im 18. Jahrhundert stuft auch Huntington einige Kulturen als eher geringwertig ein. Aber dann hätte es zu keiner Meuterei kommen dürfen. Die Einstufung verschiedener Kulturen erfolgt – heute wie damals – aus der Sichtweise einer europäischen Elite heraus. Auch auf der Bounty haben vorwiegend die einfachen Matrosen und weniger die Offiziere gemeutert. Im 2. Teil wird es um den direkten Vergleich zwischen Europa und China gehen.