Bedrohliche Orte für Frauen: Risikozone Öffentlicher Nahverkehr

Screenshot twitter.com

Das Maritim-Hotel hat eine Fluglinie als Kunden verloren. Grund: Die hier logierenden Stewardessen fühlten sich im Bahnhofsviertel zu unsicher. Verlust: mehrere hunderttausend Euro.“ So die Meldung der Münchner Tageszeitung. Dabei sinkt die Sicherheit im Öffentlichen Nahverkehr im Allgemeinen. Insbesondere Frauen gehören häufig zu den Geschädigten und leiden besonders stark unter der gegenwärtigen Entwicklung. Viele weichen bereits – sofern sie es können – auf Taxis oder den eignen PKW aus.

>>Zeit<<

„Laut einer Umfrage haben die Deutschen keine Angst, wenn sie auf Plätzen und Straßen, in Bus und Bahn unterwegs sind. Jede dritte Frau indes fühlt sich zusehends bedroht. … Allerdings haben viele Frauen nach eigenen Angaben ihr eigenes Verhalten in den vergangenen beiden Jahren verändert. So vermeiden 62 Prozent aller Frauen abends grundsätzlich bestimmte Straßen, Parks oder Plätze – ein reichliches Drittel gibt an, dies seit zwei Jahren häufiger zu tun. Öffentliche Verkehrsmittel am Abend vermeidet fast jede dritte befragte Frau. Annähernd die Hälfte von ihnen tut dies häufiger als vor zwei Jahren. Ein gesteigertes Bedrohungsgefühl zeigt sich vor allem daran, dass 13 Prozent aller befragten Frauen Reizgas bei sich tragen.“

 

>>Welt<<

„Ist U-Bahn-Fahren gefährlich? Ja. In den vergangenen Tagen haben mehrere Fälle von Jugendgewalt bundesweit für Aufsehen gesorgt. In München prügelten am 20. Dezember ein 20-jähriger Türke und ein 17 Jahre alter Grieche einen Rentner in München fast zu Tode; am 30. Dezember verletzten auch in München drei Jugendliche zwei Männer mit Tritten am Kopf. Zwei Tage zuvor gab es in Gelsenkirchen eine ähnliche Attacke. In Berlin schlugen an Silvester ein 17- und ein 19-Jähriger einen 51-Jährigen, nachdem dieser sie gebeten hatte, keine Knallkörper mehr auf den Bahnsteig zu werfen.“

 

>>Berliner Tageszeitung<<

„Wie si­cher sind Frau­en noch in Bus­sen und Bah­nen? Die Berliner Polizei nahm im vergangenen Jahr 295 Strafanzeigen wegen sexueller Übergriffe auf – fast doppelt so viel wie in 2016. Die Zahl se­xu­el­ler Über­grif­fe in öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln hat nach B.Z.-Informationen zu­ge­nom­men. Allein im Bereich der BVG haben sich im vergangenen Jahr die Strafanzeigen fast verdoppelt. Al­lein in den ers­ten zwei Wo­chen die­sen Jah­res gab es be­reits elf Se­xu­al­de­lik­te bei der BVG, dar­un­ter sie­ben Be­läs­ti­gun­gen und ein tät­li­cher Über­griff. Auch bei der Bun­des­po­li­zei, die zu­stän­dig für die Bahn ist, gab es seit Jah­res­be­ginn eine ungewöhnliche Häufung.“

Das subjektive Unsicherheitsgefühl von Frauen lässt sich durchaus mit harten Zahlen belegen. Hinzu kommt: Nicht jede Straftat wird zu Anzeige gebracht, weil nur in den seltensten Fällen ein Täter ermittelt werden kann.

>>Spiegel<<

„Die Tat geschah scheinbar aus dem Nichts heraus: Es war der 27. Oktober, kurz nach Mitternacht, als eine zierliche Studentin die Treppen zum Berliner U-Bahnsteig Hermannstraße herunterging. Ihre S-Bahn war gerade weggefahren, ihr war kalt, sie wollte die Wartezeit auf dem weniger zugigen U-Bahnsteig verbringen. Sie befand sich mitten auf der Treppe, als ihr Swetoslaw S. wuchtig in den Rücken trat. Täter und Opfer kannten sich nicht. „Es war ein heimtückischer Angriff, unvermittelt, an einem öffentlichen Ort“, so beschrieb es Staatsanwältin Sabine Eppert in ihrem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht. … Nun zeigte das Video aber einen Täter, der ohne Wanken und Schwanken seinem Opfer nachgeeilt war, der auf einem Bein gestanden hatte, während er mit dem anderen zum Tritt ausgeholt hatte.“

Das besagte Video wurde allerdings mehr oder weniger auf illegalen Wege der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Erst danach wurde der Täter öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben, ansonsten wäre jener Fall mit hinreichender Wahrscheinlichkeit in den Akten verschwunden und es bliebe fraglich: Ob er je in der offiziellen Statistik aufgetaucht wäre.

 

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