Finstere Wege: Der Drogenhandel der Geheimdienste

Screenshot vimeo.com

Der Dorgenanbau in Afghanistan läuft auf Hochtouren. Zwar gibt es offizielle Programme von verschiedener Regierungen um den Opiumanbau zu bekämpfen, aber offensichtlich arbeiten die Geheimdienste nach anderen Parametern.

>> Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel von Alfred W McCoy  (Buch) <<

„Als Kompromiss stützte sich Washington auf Vertragsnehmer wie DynCorp, um afghanische Teams für den Kahlschlag per Hand auszubilden. Doch 2005 waren die Bemühungen der Regierung zu einem »ziemlichen Witz« verkommen, wie die New York Times schrieb. Zwei Jahre später, als sich der Aufstand der Taliban und die Opiumkulivierung offenbar sy­nergetisch ausbreiteten, drängte die US-Botschaft Kabul abermals darauf, eine Entlaubung aus der Luft wie in Kolumbien zu erlauben. Doch Präsident Hamid Karsai weigerte sich und ließ dieses entscheidende Problem ungelöst. In ihrem Opiumbericht – Afghanistan Opium Survey 2007 – belegte die UN dieses politische Scheitern mit Zahlen. Die Jahresernte war um 24 Prozent auf einen Rekord von 8 200 Tonnen gestiegen, was 53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 93 Prozent des illegalen Weltheroinangebots entsprach. Bezeichnenderweise stellte die UN fest, dass die Guerillakämpfer der Taliban »begonnen haben, aus der Drogenwirtschaft Ressourcen für Waffen, Logistik und Milizenbesoldung« zu ziehen. Eine Studie für das U.S. Institute of Peace fand heraus, dass die Taliban 2008 bei einer Ernte von 7 700 Tonnen Opium 425 Millionen Dollar Steuern einnahmen, was das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung bestätigte. Nach jeder Opiumernte nahmen die Taliban die Gelder für neue Truppen junger Kämpfer aus den Dörfern ein, denen sie 300 Dollar im Monat zahlten, weit mehr als die Landarbeiterlöhne.“

 

>>Augsburger Allgemeine<<

„Ein Grund für die explosionsartige Expansion des Schlafmohns ist der Konflikt mit den Taliban, der sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 in einen Krieg ausgewachsen hat. Die Taliban kontrollieren oder beeinflussen nach Angaben des US-Militärs heute wieder rund 13 Prozent des Landes. Etwa 30 Prozent sind umkämpft. Die UN sahen in einer Analyse aus dem Mai zu den sozio-ökonomischen Umständen des Opium-Booms die meisten Anbaugebiete in Gegenden, in denen es weniger Regierungsleistungen wie Bildung oder Gesundheitsversorgung gibt, weniger Sicherheit und damit weniger Zugang zu Märkten, um andere Produkte verkaufen zu können. Gleichzeitig sind vor einigen Jahren neue Pflanzensorten aufgetaucht, die mehrere Ernten pro Jahr möglich machen. Haschim Alokosai, ein Senator aus Helmand, bestätigt, «dass es in einigen Gegenden von Helmand mittlerweile drei Ernten pro Jahr gibt». Gleichzeitig werden mehr Drogen jetzt gleich im Land produziert und nicht mehr exportiert. Alokosai, aber auch Ermittler der Anti-Drogen-Polizei sagten der Deutschen Presse-Agentur, dass es vor allem im Süden und Westen mittlerweile große Heroinfabriken gebe. Der Hauptverdiener am Geschäft sind die Taliban, die die wachsenden Anbauflächen in ihren Gebieten besteuern und für den Schmuggel Schutzgelder nehmen. Das macht die afghanischen Aufständischen zu Narkofürsten mit mehr Mitteln für Waffen und Soldatengehälter. Nach Angaben des UN-Sicherheitsrats haben sie 2016 etwa die Hälfte ihres Einkommens aus den Drogen bezogen – bis zu 400 Millionen Dollar. Sie sollen zunehmend auch selber Drogen produzieren, zum Beispiel Heroin. Der neue Opiumrekord ist nicht nur ein Zeichen für den Ernst des neuen Krieges in Afghanistan. Er ist auch Zeichen eines teuren Fehlschlags internationaler und afghanischer Antidrogenmaßnahmen.“

 

>>The Huffington Post<<

„Auf der einen Seite bemühen sich die Entwicklungshelfer auch aus Deutschland vergeblich, den Bauern Alternativen zum Opiumanbau zu bieten. Auf der anderen Seite besteht der begründete Verdacht, dass der amerikanische Geheimdienst CIA an dem Geschäft mit dem Opium kräftig mitverdient. … Eine besonders dunkle Rolle im Zusammenhang mit dem illegalen Drogenhandel spielt seit vielen Jahrzehnten die CIA. Im Zusammenhang mit der Aufklärung der Iran-Contra-Affäre während der Amtszeit von US-Präsident Ronald Reagan kam ans Licht, dass die CIA den Schmuggel von Drogen in die USA bewusst zuließ. Mit ausdrücklicher Billigung der CIA wurden große Mengen Kokain vor allem in den Schwarzen-Ghettos von Los Angeles auf den Markt gebracht. Aus den Erlösen des Drogenverkaufs finanzierten die paramilitärischen Contra-Verbände ihren Kampf gegen die linksgerichtete Regierung der Sandinisten in Nicaragua. Es ist schwer vorstellbar, dass die CIA heute nicht in den Opiumschmuggel aus Afghanistan verwickelt ist. Den Grund dafür nannte der frühere US-Präsidentschaftskandidat und Kongressabgeordnete Ron Paul: „[Drogenschmuggel] ist eine Goldmine für Leute, die in der Untergrundregierung Geld aufbringen wollen, um Projekte zu finanzieren, wenn sie dies auf legale Weise nicht können.“ Die amerikanische Drug Enforcement Agency (DEA) hat Steuergelder in Höhe von 8 Milliarden Dollar erhalten, um den Opiumschmuggel aus Afghanistan zu bekämpfen. Das Ergebnis ist dasselbe wie das der deutschen Projekte gegen den Opiumanbau: Es war ein gigantischer Misserfolg. Der Opium-Schmuggel in Afghanistan blüht. Edward Follis war über Jahre DEA-Chef in Afghanistan. Dort musste er nicht nur gegen die Taliban kämpfen, sondern auch gegen CIA. In seinem Buch The Dark Art: My Undercover Life in Global Narco-terrorism aus dem Jahr 2014 schrieb der DEA-Veteran: Fast überall in der Welt, wo ich gearbeitet habe, hatte ich Reibungen mit der CIA. Wir arbeiten auf demselben Gebiet, aber mit verschiedenen rechtlichen und moralischen Parametern. […] Die existieren vollkommen im Dunklen.“

Die Kontrolle der Geheimdienste ist in den USA offenkundig genauso unzureichend wie hierzulande und eine Besserung ist in absehbarer Zeit wohl kaum zu erwarten.

 

 

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