EU-Wanderarbeiter: „Großflächig reguläre Vollzeitjobs durch irreguläre Beschäftigungsverhältnisse zu ersetzen“ 

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Ein riesige Heer an Wanderarbeitern zieht umher und nimmt jede Art von Arbeit an? – Was zunächst wie Zustände aus einen Entwicklungsland sich anhören mag: Das spiegelt teilweise den real-existierenden Niedriglohnsektor wider. Arbeitsaufnahme um jeden Preis und die gezahlten Löhne spielen kaum noch eine Rolle mehr. Der angedachte Kohleausstieg wird diesem Prozess noch weiter beschleunigen. Tatsächlich wird bereits laut über Wegzugsprämien nachgedacht.

„Lausitzer Beschäftigte nach dem Kohleausstieg Wegzugsprämien erhalten“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Forscher schlagen vor, dass Lausitzer Beschäftigte nach dem Kohleausstieg Wegzugsprämien erhalten.“

Sollen Lausitzer schon mal ihre Koffer packen?

Eigentlich gibt es keine „Wegzugsprämien“ mehr. Die sind mittlerweile Unnötig geworden. Die sogenannten „Hartz-IV-Regeln“ lassen ohnehin keinen Spielraum zu. Für gewöhnlich müssen Arbeitslose sich im gesamten Bundesgebiet – besser noch in der Europäischen Union – bewerben. Von „Freiwilligkeit“ kann also keine Rede sein und für den angeordneten „Zwangsumzug“ gibt es ebenfalls keine Prämien mehr. Deshalb sind solche Umfrageergebnisse auch wenig verwunderlich.

„Jeder zweite junge Mensch im Alter zwischen 18 und 29 Jahren“ – „Plant aus der Lausitz innerhalb der nächsten 2 Jahre wegzuziehen“

>>Lausitz Monitor<<

„Insgesamt ist es für jeden zehnten Lausitzer (10 Prozent) wahrscheinlich, innerhalb der nächsten 2 Jahre aus der Region wegzuziehen. Die Wegzugsbereitschaft ist vor allem in der jungen Generation hoch. Fast jeder zweite junge Mensch im Alter zwischen 18 und 29 Jahren (45 Prozent) plant aus der Lausitz innerhalb der nächsten 2 Jahre wegzuziehen.“

„Jeden zehnten Lausitzer“ – „Wahrscheinlich, innerhalb der nächsten 2 Jahre aus der Region wegzuziehen“

Durch den angedachten Kohleausstieg fallen nicht viele gut bezahlte Arbeitsplätze im Lausitzer Revier weg, sondern auch viele Zulieferfirmen sind davon betroffen. Darüber liegen nicht mal konkrete Zahlen – nur Schätzungen – vor. Letztendlich wird der Niedriglohnsektor noch weiter wachsen. Der politische Startschuss wurde bereits im Jahr 2005 gegeben.

Bundeskanzler: „Wir haben einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut“ 

>>Geld, Gesellschaft und Gewalt von Eugen Drewermann (Buch) <<

„Schon 2005 lobte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sich und seine rot-grüne Regierung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: ›Wir haben einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut.‹ – Dabei ist die Schattenwirtschaft, etwa all jene Menschen, die unangemeldet in Haushalten putzen oder Senioren pflegen, noch gar nicht mitgerechnet … Selbständige mit Gewerbeschein unterliegen keinem Tarifvertrag und sind – zynisch gesagt – so frei, dass sie ihre Arbeit auch für Stundenlöhne unter fünf Euro anbieten können.“

Niedriglohnsektor: „Selbständige mit Gewerbeschein unterliegen keinem Tarifvertrag“ 

Der Niedriglohnsektor macht eben nicht nur vor Hartz-IV-Empfänger oder abhängig Beschäftigten halt. Auch Selbständige mit Gewerbeschein sind genauso davon betroffen.

„Durchschnittliche Wochenarbeitszeit steige seit Jahren in allen Branchen, während parallel die Löhne sänken“

>>Proleten, Pöbel, Parasiten von Christian Baron (Buch) <<

„Der Niedriglohnsektor sei in den vergangenen zehn Jahren nirgends so rapide gewachsen wie in Deutschland, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit steige seit Jahren in allen Branchen, während parallel die Löhne sänken – und die einst in den Chefetagen als »angriffslustige Rottweiler« gefürchteten Gewerkschaften seien kaum mehr als »Chihuahuas mit kupiertem Schwänzchen«, die »nur noch aus Geltungsdrang kläffen«.

„Gewerkschaften seien kaum mehr als »Chihuahuas mit kupiertem Schwänzchen«, die »nur noch aus Geltungsdrang kläffen“

Aus rein praktischer Sichtweise gesehen: Der sogenannte „Sozialstaat“ macht sich nur noch in Form von Abgaben und Gebühren bemerkbar. Selbst Geringverdiener müssen Sozialabgaben bezahlen, obwohl ihnen meistens keine echten Ansprüche daraus erwachsen. Die Rundfunkgebühren werden in voller Höhe fällig, aber ihre Lebenswirklichkeit findet dort faktisch nicht statt. Aber vor allem wurden viele Schutzrechte von Beschäftigten abgebaut.

„Der deutsche Niedriglohnsektor einer der größten in ganz Europa“

>>Die Selbstgerechten von Sahra Wagenknecht (Buch) <<

„Immerhin ist der deutsche Niedriglohnsektor einer der größten in ganz Europa. Jeder fünfte Beschäftigte arbeitet heute in diesem Bereich. Seine Existenz geht zum einen auf die Arbeitsmarktreformen in der Zeit der SPD-Grünen-Koalition unter Gerhard Schröder zurück, die viele Schutzrechte von Beschäftigten aufgehoben und den Unternehmen die Möglichkeit gegeben hatte, großflächig reguläre Vollzeitjobs durch irreguläre Beschäftigungsverhältnisse zu ersetzen. Seither boomen Minijobs, Leiharbeit, Werkverträge oder Befristungen mit entsprechenden Auswirkungen auf das Lohnniveau.“

„Großflächig reguläre Vollzeitjobs durch irreguläre Beschäftigungsverhältnisse zu ersetzen“ 

Da es keine echten einklagbaren Arbeitsrechte mehr gibt: So manches Arbeitsgericht ist – mangels Verfahren – bereits von der Schließung bedroht. Doch damit längst nicht genug: Die sozialen Schieflage taucht im offiziellen Armutsbericht nicht mehr auf und das geht auf nachvollziehbare Gründe zurück.

Arbeitsmarktreformen: „Viele Schutzrechte von Beschäftigten aufgehoben“

>>Kampf um die Armut von Ulrich Schneider (Buch) <<

„Die soziale Schieflage in Deutschland sorgte dafür, dass die mit dem Median berechneten Armutsquoten in aller Regel deutlich niedriger ausfielen als die nach dem Durchschnittseinkommen. So auch im ersten Armutsbericht der Bundesregierung von 2001: Das mit dem arithmetischen Mittelwert berechnete Durchschnittseinkommen lag 1998 bei 2 788 DM und die 50-Prozent-Armutssschwelle entsprechend bei 1 394 DM. Bei Nutzung des Medians sank das mittlere Einkommen jedoch auf 2 440 DM und die Armutsgrenze auf 1 220 DM. Auch die Armutsquote schrumpfte von 10,2 (Durchschnitt) auf 6,2 Prozent (Median). Das muss vielen im Ministerium sehr gefallen haben. Ab dem zweiten Armutsbericht der Bundesregierung 2005 wurde die mit dem arithmetischen Mittel errechnete, höhere Quote gar nicht mehr ausgewiesen.“

„Berechneten Armutsquoten in aller Regel deutlich niedriger ausfielen als die nach dem Durchschnittseinkommen“

Vereinfacht: Je weiter die Realeinkommen sinken, desto schneller geht – auf dem Papier – die Armut zurück. Zu allen Überfluss: Nahezu mit jeden neuen Armutsbericht werden diese Werte neu angepasst. Demzufolge lassen sich die einzelnen Armutsberichte untereinander auch nicht vergleichen.

 

–W E R Β U Ν G–

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