Innere Emigration & Ernährung – „Traf man sich im Freundeskreis, wo man sich frei fühlte“ 

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Niemand muss Hungern und in Lebensmittelgeschäften sind die Regale gut gefüllt. Jedoch bei genauen Hinsehen zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab. Verschiedene Produkte sind nicht zu jeder beliebigen Zeit erhältlich und auch die Preise können teilweise stark variieren. Und gerade die sozial Schwachen haben mit der gesunden Ernährung zu kämpfen.

„Reicht das Arbeitslosengeld II nicht, um Kinder gesund zu ernähren“

>>taz<<

„Laut einer neuen Studie reicht das Arbeitslosengeld II nicht, um Kinder gesund zu ernähren. Hamburgs Sozial-Staatsrat … widerspricht: Das sei keine Frage des Geldes, sondern der elterlichen Motivation und Kompetenz … Nur für die Vier- bis Sechsjährigen reicht das Geld gerade aus, wenn man bei Aldi oder Lidl kauft. … Je älter die Kinder werden und je mehr sie essen müssen, desto größer klafft die finanzielle Lücke.“

„Je älter die Kinder werden und je mehr sie essen müssen, desto größer klafft die finanzielle Lücke“

Diese besagte Studie ist keineswegs neu, aber das Grundproblem ist unverändert geblieben. Selbst mit „elterlichen Motivation und Kompetenz“ ist hier nicht viel auszurichten. Zeitgleich haben verschiedene Handelsunternehmen mit Lieferproblemen alle Hände zu voll tun und manchmal wird es an leeren Regalen sichtbar.

„Wieder leere Regale in Berliner Geschäften!“

>>Berliner Zeitung<<

„Wieder leere Regale in Berliner Geschäften! B.Z. erklärt das Phänomen – Verspätete Lieferungen, nicht verfügbare Produkte, leere Regale. Damit haben gerade etliche Berliner Händler zu kämpfen. Die Engpässe betreffen verschiedene Bereiche – darunter Elektromärkte, Fahrradgeschäfte, Drogerien. Viele Kunden sind genervt.“

„Verspätete Lieferungen, nicht verfügbare Produkte, leere Regale“

Die Engpässe sind auch bei Lebensmitteln zu beobachten. So kann ein beliebtes Produkt zumindest Zeitweise aus dem Laden verschwinden, was sich manchmal an genervten Kunden widerspiegelt.

„Lieferengpässe bei Lebensmitteln“

>>Stern<<

„Lieferengpässe bei Lebensmitteln: Erste Großhändler sprechen Warnung aus – Wie die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet, kämpft inzwischen auch der Lebensmittelhandel mit zunehmenden Engpässen. Betroffen ist nicht nur der Nonfood-Bereich, also die beliebten Aktionsartikel, die es jede Woche im Angebot gibt.“

„Der Lebensmittelhandel mit zunehmenden Engpässen“

Natürlich muss niemand hungern und wer genügend Geld hat: Derjenige kann sich halt alles kaufen. Allerdings ist die breite Bevölkerung damit zufrieden zu stellen? Irgendwo im Internet die Lieblingsmarke zu kaufen oder vielleicht auf deren nächste Lieferung im Fachgeschäft zu warten? Besonders eine abwechslungsreiche Ernährung mit frischen Obst und Gemüse kostet Geld und zur Abwechslung sollte es mal eine Besonderheit geben. Jenes Grundproblem ist keineswegs neu und das musste schon die DDR erkennen.

„Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik war ein fortwährendes Thema“

>>DDR Backbuch – Das Original (Buch) <<

„Die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war ein fortwährendes Thema für das Politbüro des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), dessen Mitglieder den inneren Zirkel der DDR-Führung darstellten. Es ging dabei um die Warenverteilung innerhalb des Staatsgebietes, um die Vermeidung devisenverschlingender Einfuhren, die Warenzuteilung an bestimmte bevorzugte Gruppen … „

„Warenzuteilung an bestimmte bevorzugte Gruppen“

Auch in der DDR musste niemand wirklich hungern, aber bestimmte Lebensmittel waren entweder nur unter großen Schwierigkeiten oder überhaupt nicht erhältlich. Die Bevorzugung bestimmter Gruppen bei Zuteilungen hat wenig zum sozialen Frieden beigetragen. Improvisieren – Das musste jeder Haushalt und Gaststätte können.

„Großes Problem in der ehemaligen DDR“ – „Daß nicht immer alle Zutaten verfügbar waren“

>>DDR-Rezepte.net<<

„Ein großes Problem in der ehemaligen DDR war, daß nicht immer alle Zutaten verfügbar waren. … Jede Gaststätte und jeder Haushalt in der DDR war gezwungen zu improvisieren, woraus einfache, eigenständige Speisen und Rezepte entstanden.“

„Improvisieren“ – „Jede Gaststätte und jeder Haushalt in der DDR war gezwungen“

Diese Eigenkreationen aus Rezepten wurden eifrig geteilt, wodurch eine Art von „Innere Emigration“ entstand. Währenddessen versuchte die DDR-Staatsführung immer tiefer ins Privatleben der Menschen einzudringen, aber gegen Koch- und Backrezepte konnte sie wenig ausrichten.

„Innere Emigration“ – „Als Gegenpol zu den Drangsalierungen im Alltag“

>>DDR Backbuch – Das Original (Buch) <<

„Je mehr die Staatsführung mit ihren Organen den Bürgern der DDR ihre Lebensweise vorschreiben wollte, umso mehr zogen sich diese in ihr Privatleben zurück. Als Gegenpol zu den Drangsalierungen im Alltag traf man sich im Freundeskreis, wo man sich frei fühlte – und da waren die gastgeberischen Fertigkeiten der Hausfrauen umso mehr gefragt. Gegen diese „Innere Emigration“ war die DDR-Führung machtlos. Und Kuchen haben sie nun einmal alle in der DDR gerne gegessen – im Übrigen auch die Funktionäre!“

„Innere Emigration“ – „Traf man sich im Freundeskreis, wo man sich frei fühlte“ 

Gerade diese „Innere Emigration“ spiegelte zwei völlig konträre Welten wider, die kaum Gegensätzlicher sein konnten. Zumal es die Lebensqualität merklich verbessern konnte.