Myanmar: Lebendige Kirche inmitten wachsender Unruhen

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Christen lehnen Gewalt ab, fasten und beten für den Frieden

Einen Monat nach der Machtergreifung durch das Militär in Myanmar fordern die Proteste gegen das Militärregime immer mehr Opfer. Allein am 3. März starben 38 Menschen. Für die Angehörigen der christlichen Minderheit ist das Ausleben ihres Glaubens in dieser Lage mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden.

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Von Open Doors

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Open Doors steht in regelmäßigem Kontakt mit lokalen Christen und hat einige Stimmen gesammelt.

Christen müssen sich inmitten von Protesten positionieren

Zu den größten Herausforderungen der Christen im stark vom Buddhismus geprägten Myanmar zählt die Wahrnehmung, sie würden sich als Nichtbuddhisten nicht um gesellschaftliche Belange kümmern. Das gilt besonders für ehemalige Buddhisten, die sich dem christlichen Glauben zugewandt haben. Vor diesem Hintergrund bergen die derzeitigen Proteste zusätzliche Brisanz. Min Naing*, ein Partner von Open Doors, berichtet: „Ich war am 19. Februar abends als Teil einer Bürgerwache auf der Straße. Ein Nachbar bat jeden, sich ihnen anzuschließen, um die Sicherheit der Nachbarschaft zu gewährleisten. Er weiß, dass ich Christ bin. Ich bin besorgt, dass die Leute denken könnten, dass Christen sich nicht um die aktuelle Situation in der Gesellschaft kümmern, also entschied ich mich schließlich, mitzumachen.“ Anders als der Rest der Gruppe habe er jedoch bewusst auf Stöcke oder Stangen zur Bewaffnung verzichtet.

Die Ausgangssperren und die zeitweilige Abschaltung des Internets bedeuten tiefe Einschnitte in das Gemeindeleben. Open Doors-Kontakt Daisy* berichtet: „Die Kirchen im Bundesstaat Kayah haben wegen der Ausgangssperre aufgehört, sich abends zu treffen. Seit dem Militärputsch hat die Kirche ihre Kindergruppen geschlossen, da die Kinder natürlich nicht nach draußen gehen dürfen.“

Herausforderung: Gottesdienst ohne Internetverbindung

„Eine Partnergemeinde in Kalay hat das Online-Streaming von Gottesdiensten und ihre digitalen gemeinschaftlichen Treffen eingestellt“, fährt Daisy fort. „Die Verbreitung von Informationen wird immer schwieriger, sodass die Pastoren Mühe haben, die Gemeindemitglieder zu informieren und zu erreichen. Jetzt, da die Gläubigen zu Hause bleiben, haben die Leute keine Arbeit, die Geschäftsleute sind auch zu Hause, sodass auch die Spenden in der Gemeinde zurückgehen.“

Für geistliche Leiter besteht die Herausforderung auch darin, den Überblick über die Lage der Gemeinden zu behalten. Gerade aus entlegenen Gebieten erhalten sie nur spärlich Informationen, da einige ihrer Kontaktpersonen die Kommunikation über das Telefon aus Furcht vor Abhörung ablehnen.

Pastor Thura* aus der Region Bago sagt: „Alle haben Angst. Ich habe nur mit ein paar Leuten Gottesdienst gefeiert, aber ich habe Angst, dass die Behörden kommen und den Gottesdienst stoppen könnten.“

„Nicht Böses mit Bösem vergelten“

Dennoch führen die Gemeinden ihre Arbeit fort. Daisy erklärt: „Wir führen ein Seminar für Pastoren in entlegenen Gebieten durch, bei dem wir uns einmal pro Woche online treffen. Die Verbindung ist nicht immer stabil, aber wir machen weiter.“

An vielen Orten beten Christen für eine friedliche Entwicklung, einige fasten zusätzlich. Pastor Philemon*, ebenfalls Partner von Open Doors, erklärt: „Während dieses Militärputsches und der Proteste im Land ermutige ich meine Gemeindemitglieder, dem zu folgen, was wir in den Seminaren zur Vorbereitung auf Verfolgung gelernt haben – nämlich nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondern denen, die uns verfolgen, Gutes zu tun.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht Myanmar an 18. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Die jüngsten Entwicklungen sind hierbei noch nicht berücksichtigt.

*Namen geändert

 

–W E R Β U Ν G–

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