Taktische Lebensmittel & Erbswurst: Zwischen ziviler Versorgungskrise und Blackout

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Taktische Lebensmittel – Diesem Begriff werden viele Menschen ausschließlich mit dem Militär verbinden. Doch gerade bei einer längeren Versorgungskrise könnte sich Meinung schnell ändern. Schon im 19. Jahrhundert hat man sich über das Problem dem Kopf zerbrochen und dabei ist die Erbswurst herausgekommen.

Taktische Lebensmittel: Wenn eine Versorgungskrise länger andauert

>>Südwest Presse<<

„1867 gelang dem Berliner Koch und Konservenfabrikanten Johann Heinrich Grüneberg das lang haltbare Gemisch. Er stopfte Erbsmehl, entfetteten Speck, Salz, Zwiebeln und Gewürze in Pergamentpapierpatronen. Weil auch Wursthüllen als Verpackungsmaterial dienten, setzte sich die Bezeichnung „Erbswurst“ durch. Ehe Preußens Armee die Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) damit verköstigte, mussten uniformierte Versuchskaninchen die habhafte Speise testen – sie durften sich sechs Wochen lang nur von Erbswurst und Kommissbrot ernähren. Die Kämpfer überlebten, der Krieg wurde gewonnen.“

Erbswurst: „Die Kämpfer überlebten, der Krieg wurde gewonnen“

Die Versorgung von Soldaten war in den vielen Jahrhunderten zuvor ein kompliziertes Thema gewesen. Die Haltbarmachung von Lebensmittel musste erst noch weitestgehend erfunden werden. Die „Versorgungskrise“ hat schließlich im Dreißigjährigen Krieg einem schrecklichen Höhepunkt erreicht. Das MottoDer Krieg ernährt den Krieg“ kann durchaus wörtlich genommen werden. Manche Heere zogen wie eine große Räuberbande über das Land und haben systematisch die umliegenden Gegenden geplündert. Daher sind die meisten Menschen nicht etwa in kriegerischen Kämpfen, sondern durch Plünderungen und darauf folgenden Hungersnöten ums Leben gekommen. Am Ende waren ganze Landstriche regelrecht entvölkert. Erst die recht unscheinbare Erbswurst hat eine grundlegende Wende eingeläutet.

Erbswurst: „Erbse enthält sogar zehn essenzielle Aminosäuren“

>>Warum macht die Nudel dumm? von Ulrich Strunz (Buch) <<

„Die Erbse enthält sogar zehn essenzielle Aminosäuren. Kein Wunder also, dass sie zu einem der ältesten industriell hergestellten Lebensmittel wurde: zur Erbswurst – keine Wurst im Wortessinne, sondern eine wurstförmige Stange aus getrockneter Erbsensuppe, die in der preußischen Armee als »eiserne Ration« Verwendung fand.“

Erbswurst: „In der preußischen Armee als »eiserne Ration« Verwendung fand“

Auf Basis dieser Erbswurst haben sich im Laufe der Zeit – vereinfacht – die wesentlich umfangreicheren Einmalpackungen entwickelt. Längst sind solche Lebensmittel nicht nur im Militär verbreitet. Die Verpflegung für Camping oder Abenteuerurlaub greift häufig auf die selben Lebensmittel zurück. Das allseits verwendete „Zaubermittel“ – anders als noch bei der klassischen Erbswurst – stellt die Gefriertrocknung dar.

„Zubereitung der Lebensmittel für die Outdoor-Verpflegung ist denkbar einfach“

>>ASMC<<

„Die Zubereitung der Lebensmittel für die Outdoor-Verpflegung ist denkbar einfach. Durch die Gefriertrocknung werden die einzelnen Bestandteile auf ein Minimum reduziert und als vollwertige Portion abgefüllt. Dadurch besitzt Trekkingnahrung ähnlich der Nahrung für Astronauten eine lange Haltbarkeit und nimmt nur wenig Platz und ein geringes Gewicht im Gepäck ein.“

„Trekkingnahrung ähnlich der Nahrung für Astronauten eine lange Haltbarkeit“

Das Angebot für solche Lebensmittel ist sehr breit aufgestellt. Der Begriff „taktische Lebensmittel“ kann durchaus wörtlich genommen werden: Denn prinzipiell lassen sich beinahe alle Produkte theoretisch auch für militärische Zwecke einsetzen. Doch einige Produkte sind mindestens genauso dafür geeignet, obwohl sie recht unscheinbar daher kommen.

Gefriergetrocknete Lebensmittel: „Durch die Aufnahme von Wasser verdreifacht sich das Gewicht“

>>Derbholz.de<<

„Ein gutes Beispiel dafür ist Reis, dieser kann auf sehr viele unterschiedliche Weisen zubereiten werden. Ein kleines 500 g Paket kann eine Person für drei bis vier Tage auf den Beinen halten. Durch die Aufnahme von Wasser verdreifacht sich das Gewicht. Der 500 g Beutel bietet also 1,5 kg essbaren Reis. Auch getrocknete Bohnen, Linsen oder Erbsen eigenen sich gut als Basis zum kochen auf einer Tour.“

„Auch getrocknete Bohnen, Linsen oder Erbsen eigenen sich gut als Basis zum kochen auf einer Tour“

Nudeln, Reis, Bohnen, Linsen, Erbsen und alle Formen von Konserven lassen sich als „taktische Lebensmittel“  bezeichnen. Zumindest sollte jeder über einem taktischen Lebensmittelvorrat für unvorhersehbare Ereignisse nachdenken.

„Blackout“ – „Bleiben die Supermärkte und Tankstellen geschlossen“ 

>>Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung <<

„Denn bei einem „Blackout“ beziehungsweise großflächigen Stromausfall bleiben die Supermärkte und Tankstellen geschlossen. Auch Kühlschrank und Gefrierfach fallen aus und je nach regionalen Voraussetzungen kommt auch kein Trinkwasser mehr aus dem Wasserhahn. Hier hilft ein Lebensmittel- und Getränkevorrat, die Zeit zu überbrücken, bis die staatliche Hilfe anläuft.“

„Blackout“ – „Auch Kühlschrank und Gefrierfach fallen aus“ 

Die Türen von Supermärkte und Tankstellen geschlossen, weil auch diese Strom benötigen. Aber bei einen Blackout bleiben viele Läden aus anderen Gründen geschlossen. Die elektronischen Kassensysteme sind ohne Strom nutzlos, Licht und Kühlung sind ebenfalls außer Betrieb, aber vor allem kann kein Notruf abgesetzt werden. Der Gang zum nächsten Lebensmittelgeschäft ist nicht ganz ungefährlich, deshalb trifft der Begriff „taktische Lebensmittel“ durchaus zu.