Ärztemangel in der Lausitz: “Entweder nimmt man lange Wartezeiten in Kauf, oder man macht eine halbe Weltreise.“

Screenshot youtube.com

In weiten Teilen der Lausitz besteht ein akuter Ärztemangel. Die Probleme sind seit Jahren bekannt, doch zum besseren gewendet hat sich kaum etwas. Dabei wird die Versorgungslage von Jahr zu Jahr immer prekärer, denn immer mehr – vor allen – Hausärzte gehen altersbedingt in Rente und finden keinen Nachfolger mehr. Allerdings ließen sich die strukturellen Probleme verhältnismäßig einfach beseitigen.

>>Lausitzer Rundschau<<

Henriette Wettin aus Cottbus bestätigt die Probleme. „Es wird immer schlimmer. Da wundert man sich, wenn viele gleich in die Rettungsstelle gehen. Wenn man Probleme mit dem Bewegungsapparat hat, braucht man sofort einen Orthopäden-Termin und nicht erst in einem halben Jahr!“

Das sieht auch Angelique Wandtke aus Cottbus so: „Das stimmt, und das ist unerhört! Wenn man wirklich ernsthaft erkrankt ist, möchte man nicht monatelang auf einen Termin warten!“

Jan Hufenbach schreibt uns: …und so entsteht ein ganz grauenhafter, zunehmender Druck und Fahrt gewinnender Kreislauf von genervten Patienten, die auf genervte Ärzte treffen, die genervte Patienten haben…usw. Nebenbei werden die Menschen immer älter und kränker, die Alten- und Pflegeplätze und Heime im Verhältnis aber weniger, das Pflegepersonal ebenso.

Denise Wolff ergänzt: „Und hat man endlich mal einen Termin, wird man abgespeist und teilweise von oben herab und unter aller Würde behandelt. Sofern sich überhaupt die Zeit genommen wird“, so Wolff.

Erika Schmidt kritisiert die zunehmenden Kosten im Gesundheitswesen. „Die Kassenbeiträge steigen und steigen. Überall fehlen Ärzte und nichts passiert.“

Marina Kieschke empfindet das Problem des Ärztemangels und langer Wartezeiten auch überregional. „Die Probleme gibt es nicht nur in der Lausitz. Entweder nimmt man lange Wartezeiten in Kauf, oder man macht eine halbe Weltreise.“ Seit acht Monaten wartet sie auf einen Termin für ihren Sohn für eine spezielle Ergotherapie.

Carola Meinereiner sagt: „Auch die Allgemeinmediziner oder Hausärzte verweigern selbst bei einem Notfall die Patienten. In Luckau leider am eigenen Leib mehrfach erlebt. So viel zur freien Arztwahl.“

 

>>Welt<<

Das Gefühl vieler Kassenpatienten, erheblich länger auf Facharzttermine warten zu müssen als Privatversicherte, trügt sie nicht: „Die Diskrepanz der Wartezeiten zwischen Patienten der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (PKV) ist nach wie vor hoch“, sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg Günter Wältermann der „Welt“. Es gebe eine klare Benachteiligung von GKV-Patienten gegenüber PKV-Patienten, zum Beispiel in kardiologischen und augenärztlichen Praxen.”

 

>>Beamte – Was die Adeligen von heute wirklich verdienen von Torsten Ermel (Buch) <<

“Beamte sind nicht verpflichtet, sich in einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Sie dürfen sich unabhängig von Einkommensgrenzen privat versichern. Sie dürfen sich aber auch gesetzlich versichern, wenn sie es denn wollen. Tatsächlich sind Beamte jedoch praktisch alle privat versichert. Das Wahlrecht, sich auch gesetzlich versichern zu dürfen, nimmt kaum jemand in Anspruch, denn die Beiträge in der privaten Versicherung sind durchweg günstiger und die Leistungen besser als in der gesetzlichen Versicherung. 50 % bis 80 % der Krankheitskosten von Beamten werden jedoch von der Beihilfe gezahlt, also vom Steuerzahler. Der Beamte muss nur noch das Restrisiko in Höhe von 20 % bis 50 % selbst absichern. Wenn der Beihilfesatz 50 % beträgt, entspricht das theoretisch dem Arbeitgeberanteil, den Arbeitnehmer zu ihrer Krankenversicherung bekommen. Allerdings beträgt der Beihilfesatz eben häufig gar nicht 50 %, sondern bis zu 80 %, bei der Heilfürsorge sogar 100 %. Und andererseits beträgt der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung des Arbeitnehmers seit einiger Zeit tatsächlich nicht mehr 50 %, sondern nur noch etwa 47 %, da der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkassen alleine von den Arbeitnehmern getragen wird. … Wenn dagegen auch Beamte, die weniger als die Beitragsbemessungsgrenze verdienen, pflichtversichert in den gesetzlichen Kassen wären, könnten deren Beiträge, aufgrund der dann günstigeren Mitgliederstruktur, gesenkt werden. Und zweitens knöpfen Ärzte Privatversicherten in der Regel das 2,3-fache dessen ab, was sie gesetzlich Versicherten berechnen. Die Behandlung Privatversicherter ist also teurer. Die Beihilfe jedoch, die 50 % bis 80 % der Krankheitskosten von Beamten übernimmt, wird aus Steuermitteln finanziert, und damit ganz überwiegend von den pflichtversicherten Arbeitnehmern. Arbeitnehmer werden hier im Vergleich zu Beamten also doppelt geschröpft. Wenn die ärztliche Behandlung eines Arbeitnehmers 100 € kostet, so kostet die gleiche Behandlung für den Beamten 230 €. Anders formuliert: Jedes Mal, wenn ein Beamter sich behandeln lässt, legt der Steuerzahler auf die Behandlungskosten noch einmal 130 % oben drauf. Nochmals andersherum gerechnet: Die Krankheitskosten für Beamte, für den Steuerzahler, würden um 57 % sinken, wenn es die Beihilfe nicht gäbe und Ärzte auch für Beamte nur den einfachen Gebührensatz abrechnen dürften. Wenn es erforderlich ist, Ärzte zu subventionieren, dann sollte das offen und transparent geschehen, durch direkte Einkommenszuschüsse, aber nicht klammheimlich über das Beihilferecht.”

Sofern ein politischer Wille vorhanden wäre, könnte binnen kurzer Zeit die Ärzteversorgung zum besseren gewendet werden.

 

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

Loading...
Scroll Up