Die finsteren Geschäfte der staatlichen Bildungsindustrie

Screenshot vimeo.com

Auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit stehen fast drei Millionen Bildungsangebote für Arbeitslose ausgeschrieben. Allerdings sind diese Angebote eher von fragwürdiger Qualität und dienen lediglich dazu, die Arbeitslosenstatistik zu schönen. Aber in erster Linie sind sie ein lukratives Geschäft: Unter den zahlreiche Profiteure des Systems befinden sich auch parteinahe Organisationen.

>>Der Tagesspiegel<<

“Kursangebot der Jobcenter Das Milliardengeschäft mit den Arbeitslosen Kursanbieter und Jobcenter-Angestellte haben ein System etabliert, das die Arbeitslosen-Statistiken schönt und der eigenen Karriere dient. … Hinter einer davon befinden sich die Schulungsräume von Mikro Partner, ein privates Unternehmen, das Kurse für Arbeitslose im Auftrag der Jobcenter durchführt. In der Sprache der Jobcenter werden solche Kurse MAT (Maßnahmen bei einem Träger) genannt. Den Mitarbeitern der Jobcenter liegt viel dran, dass diese Kurse stets gut besucht sind. Welches Kalkül dahinter steckt, zeigen interne Dokumente und E-Mails sowie Berichte aktiver und ehemaliger Beschäftigter. In einem internen Protokoll einer Teamleiter-Versammlung der Hamburger Jobcenter wurden die Mitarbeiter etwa angewiesen, „mindestens 60 Prozent“ der für das Jahr 2016 reservierten Kursplätze „innerhalb der 1. Jahreshälfte“ zu belegen. In internen E-Mails eines Hamburger Jobcenters heißt es sogar: „Brandmail an alle Arbeitsvermittler!!! Für die oben genannte MAT sind erst 9 Zuweisungen erfolgt. Ich bitte weitere Zuweisungen vorzunehmen.“ Dass Hamburg kein Einzelfall ist, belegt das Integrationskonzept 2015 des Potsdamer Jobcenters. Hier sollten die Mitarbeiter MATs „monatlich zu 100 %“ belegen. Und auch in Berlin sollen die Kurse voll sein. „Das Jobcenter Berlin Pankow wird Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung für alle Kundinnen und Kunden einkaufen“, heißt es dort im Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017. An ihrer besonderen Wirksamkeit kann dieser Fokus auf Kurse nicht liegen. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) macht deutlich, dass Arbeitslose dadurch kaum nachhaltig in Arbeit gebracht werden.”

 

>>Tüv Süd (PDF-Datei) <<

“Derzeit planen wir weitere Termine in folgenden Städten, die genauen Daten und Orte geben wir Ihnen in den nächsten Wochen bekannt: Berlin, Chemnitz, Dresden, Essen, Mannheim, Regensburg und Stuttgart. Themenschwerpunkte:

• Maßnahmen der Arbeitsförderung nach der AZAV

• Maßnahmen der Aktivierung und beruflichen Eingliederung (§ 45 SGB III) / gefördert über einen AVGS

• FbW -Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung (§ 81 SGB III) / gefördert über einen Bildungsgutschein

• Zulassungsprozess bei der Maßnahmenbeant ragung und das Zulassungsverfahren.

• Besonderheiten: Systematikpositionen, Zielbereiche, Kalkulation der Maßnahme, Deutschunterricht, Änderungen im Zulassungsprozess, Durchführungsorte …. ”

 

>>Arbeiterwohlfahrt<<

“Berufsintegrationsbegleitung: Die sozialpädagogische Betreuung beim Träger ist vor allem auf die Stärkung von Kompetenzen der einzelnen Teilnehmer ausgerichtet, die helfen soll eine Wiedereingliederung in den regulären Arbeitsmarkt herzustellen. Daher wird bei der GAWO gGmbH dieser Bereich auch als Berufsintegrationsbegleitung bezeichnet.Die Berufsintegrationsbegleitung umfasst sowohl das Profiling als auch die sozialpädagogische Begleitung und Betreuung der TeilnehmerInnen.”

 

>>Spiegel<<

“Im vergangenen Jahr bekamen 289.000 Menschen, darunter Arbeitslose und Flüchtlinge, einen Bildungsgutschein ausgestellt, um eine Maßnahme zur beruflichen Weiterbildung zu besuchen. Fast 2,8 Milliarden Euro kostete das den Staat, inklusive Arbeitslosengeld in dieser Zeit.”

Die SPD hat das Hartz-System mit den sogenannten „Fördern und Fordern“ einst eingeführt: Gefördert wird in den Zusammenhang wohl mehr die SPD nahe Arbeiterwohlfahrt und weniger die Arbeitslosen. Ungeachtet dessen, gibt es darüber hinaus zahlreiche Institutionen, die am Geschäft der staatlichen Weiterbildung mitverdienen.

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

Loading...
Scroll Up