Glasfaser & schnelles Internet: Der verhinderte Vortschritt

Screenshot 7sixty.com

Der digitale Fortschritt geht in nur ganz kleinen Schritten vorwärts und die Quelle der Ursachen ist in einiger zeitlicher Entfernung zu verorten.

>>Netzpolitik<<

“Die Methode einer Digitalen Agenda sei riskant, aber erfolgreich gewesen, sagt Thomas de Maizière. Die Hausaufgaben seien „im wesentlichen gut gelöst“. Der Innenminister spricht viel von Sicherheit und Vertrauen. Die Bundesregierung wollte einmal Deutschland zum Verschlüsselungsstandort Nummer 1 machen, hieß es in der Digitalen Agenda. Davon ist heute keine Rede mehr. Stattdessen freut sich der Minister, dass er eine neue Behörde geschaffen habe, die es endlich ermögliche, technisch mit den Kryptokriminellen Schritt zu halten. Eine nette Umschreibung für die Entschlüsselungs- und Unsicherheitsbehörde Zitis, die an der Aushebelung von Verschlüsselung forscht, Hintertüren finden und die Umgehung von Verschlüsselungsmethoden auch praktisch umsetzen soll.  Beim Breitbandbausbau zeigt sich Alexander Dobrindt zuversichtlich, das gesteckte Ziel von 50 Mbits pro Sekunde für alle Haushalte noch im Jahr 2018 zu erreichen. Notfalls eben mit LTE und dementsprechenden Datenpaketen, bei denen Kunden Hoffnung haben müssen, dass die Nachbarn die Funkzelle nicht gleichzeitig nutzen. Ein zentraler Bestandteil der deutschen Breitbandstrategie ist neben Gigabit-fähigen Glasfaseranschlüssen schließlich immer noch der wenig zukunftsfähige Ausbau von Kupfer-basierten Vectoring-Anschlüssen. Dobrindt redet aber die ganze Zeit von Glasfaser. 210.000 Kilometer. 75 Prozent des „schnellen Internets“ für alle seien bereits geschafft. Andere Schätzungen gehen von deutlich weniger aus. Gerade einmal 7,1 Prozent der deutschen Haushalte haben heute Glasfaseranschluss.”

Die Gründe für diesem digitalen Rückstand kommen mitnichten von ungefähr.

>>n-tv<<

“Der Konzern darf nun – mit dem Segen der Regierung – das Internet in Deutschland schneller machen. Dafür setzt die Telekom auf die sogenannte Vectoring-Technik, mit der die Geschwindigkeit der Kupferleitungen auf der sogenannten “letzten Meile” – der Strecke zwischen den Hauptverteilern und den Wohnungen – auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde erhöht werden kann. Der Haken an der Sache: Nur ein Unternehmen kann die Leitungen nach der Aufrüstung betreiben, sonst drohen Störungen. Wo die Telekom Vectoring einsetzt, kann sie ihre Konkurrenten faktisch von den entscheidenden letzten Kabelmetern und dem direkten Zugang zu den Kunden ausschließen.”

Diese Entwicklung hatte freilich einem gewissen historischen Vorlauf.

>>Welt<<

“Sein Unternehmen werde Milliarden in den Breitbandausbau der ländlichen Räume investieren, wenn die Politik der Telekom im Gegenzug ein Monopol für die vom Steuerzahler über Jahrzehnte finanzierten Kupferkabel gewährt. Auch Kochs Kollegen in anderen Bundesländern sollen dieses Angebot bekommen haben. Unmoralisch, urteilten die Politiker – und lehnten ab. Heute hat Obermanns Nachfolger mehr Glück. Timotheus Höttges steht kurz davor, die Pläne seines Vorgängers zu vollenden. Das Angebot hat sich kaum verändert. Die Politik aber schon.”

Um eine Änderung der Politik herbei zu führen – bedarf es der Tätigkeit von geschickten Einflüstern bei dem jeweiligen Entscheidungsträgern in ihren herausragenden Positionen.

>>Wirtschafts Woche<<

“Kaum ein Unternehmen hat seine politische Einflussnahme so perfektioniert wie die Deutsche Telekom. Kritiker aus der Internet-Wirtschaft werfen dem einstigen Monopolisten vor, er behindere die Innovationskraft der Branche. … Mit einer Armee an Lobbyisten und einer besonderen Beziehung ins Bundesfinanzministerium setzen Telekom-Chef René Obermann und Top-Lobbyist Wolfgang Kopf ihre Wünsche durch. Vorschläge und Stellungnahmen von Abgeordneten tragen die Handschrift des Konzerns. Kurzfristig ändern Minister Gesetzentwürfe – zugunsten der Telekom. An die Öffentlichkeit dringt davon selten etwas.  Ein Interview lehnte ein Konzernsprecher mit der Begründung ab, man habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, wenn Lobbyisten ihre Arbeit erläutern.Die Einflüsterer der Telekom residieren standesgemäß. Die Rückseite ihres modernes Glaspalastes besteht aus dem früheren Berliner Generaltelegrafenamt. Sie sind eine schlagkräftige Truppe, die unter anderem aus gut vernetzten Ex-Journalisten, Juristen, Ex-Partei- und Staatsdienern sowie Telekom-Hausgewächsen besteht.”

Ohne Frage wäre es sinnvoller anstatt Energie darin zu verschwenden: Verschlüsselungen zu knacken – besser die Aufmerksamkeit auf dringlichere Probleme zu richten.

 

 

 

 

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