Lausitz: Für das Werk in Görlitz muss es eine Zukunft geben

Screenshot siemens.com

Die Görlitzer Siemens-Werk stellen einen der wichtigsten Arbeitgeber in der Region da und genau diese Arbeitsplätze drohen nun durch die Schließung des Werkes wegzubrechen. Die Folgen dürften nicht nur für die Stadt, sondern für weite Teile der Lausitz katastrophal sein.

>>Martin Dulig<<

” Liebe Siemensvor­stände: Kommt in die Lausitz!

Im Grundgesetz steht in Artikel 14: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Ein schrankenloser Turbokapitalismus droht dieses Prinzip jedoch auszuhebeln. Wenn betriebliche Entscheidungen nicht mehr der Allgemeinheit dienen, sondern allein den Renditen von Aktienbesitzern und Anlegern, läuft etwas falsch in unserem Land. Es ist für mich daher ein gutes Zeichen, dass Siemens-Chef Joe Kaeser mittlerweile mehrfach – zuletzt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos – Hoffnungen geweckt hat, dass das Licht im Görlitzer Siemens-Werk doch nicht ausgehen soll.

Die Arbeitnehmer in Ostsachsen haben schon viel hingenommen

Denn vor allem für Ostsachsen ist die Erfahrung bitter. Dort hatten die Menschen in der Nachwendezeit einen radikalen Umbruch zu verkraften, als die Kohleindustrie zusammenbrach. Viele haben mühsam ihre Region wieder neu aufgebaut. Sie haben selten höhere Löhne oder ihre Rechte eingefordert. Sie arbeiten bis heute mehr Stunden bei geringerem Gehalt als vergleichbare Arbeitnehmer in Westdeutschland. Warum? Um ihren Job und das Unternehmen vor Ort nicht zu gefährden. Gerade in Görlitz – ganz im Osten – haben sich die Arbeiterinnen und Arbeiter sehr engagiert. Dort, wo lange Zeit mehr als jeder Fünfte ohne Arbeit war. Die Ankündigung von Siemens, das Werk zu schließen, war daher ein heftiger Schlag. Trotz voller Auftragsbücher und 6,2 Milliarden Euro Konzerngewinn. Das Unternehmen hat bei seiner Ansiedlung Millionen Euro Steuergelder erhalten und Milliardenumsätze mit Staatsaufträgen gemacht. Natürlich kann es betriebswirtschaftliche Gründe für eine solche Entscheidung geben. Unternehmen müssen sich anpassen, um im globalen Konkurrenzkampf zu bestehen. Die Nachfrage nach Gasturbinen ist eingebrochen. Aber in Görlitz werden Industriedampfturbinen gebaut, deren Nachfrage boomt. Wie soll man den Menschen das erklären?

In Görlitz steht die Zukunft ganzer Generationen auf dem Spiel

Betriebswirtschaft funktioniert nicht ohne einen gesamtgesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Blick. Es geht darum, was das Ganze im Land ist, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt funktioniert, was für eine Region sozial verträglich ist. Wenn man etwas Gutes im Schlechten sehen möchte, dann das: In Görlitz sind Tausende aufgestanden. Sie haben gesagt: „Das lassen wir uns nicht gefallen!“ Arbeiterinnen und Arbeiter sind auf die Straßen gegangen und riefen: „Uns interessiert auch, was in einem anderen Betrieb passiert!“ Die Lausitzer sind sich einig – sie wollen wissen, was in ihrer Stadt und in ihrer Region los ist. Sie sagen: Solidarität ist keine Einbahnstraße. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass unsere Region zusammensteht. Wir schaffen das nur gemeinsam. Auch wir als Staatsregierung sind in Gesprächen mit Siemens. Weil es uns nicht egal ist, was mit den Menschen, der Stadt Görlitz und der gesamten Lausitz geschieht. Weil es uns nicht egal sein darf. Ich sage: Liebe Vorstände von Siemens, kommt in diese Region. Redet mit den Menschen! Schaut in die Gesichter der Auszubildenden, denen ihr die Zukunft in der Lausitz raubt. Schaut in die Gesichter eurer Mitarbeiter, die als Eltern Angst haben, künftig nicht mehr für ihre Familien sorgen zu können. Schaut in die Gesichter der Angestellten hier in der Stadt, die sich davor sorgen, dass dann noch mehr gut qualifizierte Nachbarn weggehen werden. Die Görlitzer Siemens-Mitarbeiter wollen weiter für und in ihrer „Dampfturbine“ arbeiten. Sie wollen in Görlitz mit ihren Familien leben. Sie wollen eine gute Zukunft haben.”

 

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