Rente: Warum Altersarmut nicht alle betrifft

Screenshot vimeo.com

Zahlreiche Rentenkürzungen wurden durch den sogenannten demographischen Wandel gerechtfertigt. Die Folge: Die meisten Rentner werden in Zukunft sich mit der  “Grundsicherung” begnügen müssen. In der Praxis bedeutet es, Rente auf Hartz IV Niveau. Aber an einigen Berufsgruppen ging der sagenumwobene “demographische Wandel” vorbei: Denn ihre Altersbezüge blieben gänzlich unangetastet.

>>Welt<<

“Enkel beschenken und golfen gehen: Etliche Rentner von heute können sich solche Ausgaben durchaus leisten. Aber üppige Betriebsrenten, wie sie viele über 70-Jährige aus der Nachkriegsgeneration noch genießen, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Bei Millionen Senioren, die künftig nur auf ihre gesetzliche Rente angewiesen sind, wird das anders aussehen. Wer den gewohnten Lebensstandard halten will, braucht etwa 80 Prozent seines letzten Nettogehalts. Für immer mehr Rentner sei das unerreichbar, heißt es beim Sozialverband VdK. Für Millionen Ruheständler „ist der Pensionseintritt ein finanzieller Einbruch“, sagt Gerd Wenzel, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Bremen. … Wer mit seiner Minirente nicht über die Runden kommt, hat Anspruch auf Grundsicherung. Unterstützung vom Sozialamt können ab dem regulären Rentenalter beantragt werden, derzeit ab 65 Jahren und fünf Monaten.”

Richtigerweise ist es kein Pensionseintritt, sondern ein Renteneintritt: Pensionen erhalten Beamte, welche sich im Ruhestand befinden.

>>Neues Deutschland<<

“»Ich finde es ungeheuerlich, wie das Sozialamt vorgeht«, sagt Thomas Knauf-Lapatzki. Der 67-jährige Rentner ist empört über ein Schreiben des Sozialamtes Tempelhof-Schöneberg, das er vor ein paar Tagen in seinem Briefkasten fand. Er wird dazu aufgefordert, Reisen, die länger als vier Wochen dauern, künftig anzumelden. In dem Schreiben werden Menschen, die Grundsicherung im Alter oder bei voller Erwerbsminderung erhalten, Sanktionen angedroht, sofern sie ihre Reisen nicht bei dem für sie zuständigen Amt für Soziales anmelden. Auch die Schauspielerin Elga Sorbas hat den Brief bekommen und ärgert sich: »Das beschneidet Menschen im Alter in ihrer Freizügigkeit«. Die 72-Jährige wohnt seit einigen Jahren in Schöneberg und hat früher zeitweise im Ausland gelebt. Sie klagt an: »Wenn Künstlern im Alter die Möglichkeit gegeben wird, sich noch einmal an einer Filmproduktion im Ausland zu beteiligen, können sie dieses Angebot künftig nicht annehmen, da solche Produktionen oftmals länger als vier Wochen dauern und man trotzdem nicht viel dabei verdient«. … Der neue Paragraf 41a (SGB XII) legt fest, dass Empfängern von Grundsicherung bei einem länger als vierwöchigen Auslandsaufenthalt die Leistungen gestrichen werden. Das Amt muss diese erst wieder zahlen, wenn die Empfänger nachweisen, wieder zurück in Deutschland zu sein.”

 

>>Beamte – Was die Adeligen von heute wirklich verdienen von Torsten Ermel (Buch) <<

“Die tatsächlich ausgezahlten Renten liegen jedoch in der Regel weit unter den 1.314 € des Eckrentners, denn kaum jemand hat tatsächlich 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt. In den sogenannten Ausfallzeiten, das sind z. B. Zeiten der Arbeitslosigkeit, der (Hoch)Schulausbildung oder Kindererziehungszeiten, werden dem Beitragskonto keine oder nur geringe pauschale Beiträge gutgeschrieben. Und wer eine längere Familienpause gemacht hat, meistens sind dies die Frauen, bekommt diese nicht einmal als Ausfallzeit angerechnet. Tatsächlich hat ein durchschnittlicher Altersrentner deshalb nicht 45 Jahre lang eingezahlt, sondern nur gute 26 Jahre lang (Männer in den alten Ländern rd. 35 Jahre, Frauen rd. 20 Jahre). Dementsprechend beträgt die heute im Durchschnitt tatsächlich ausgezahlte monatliche Bruttorente (vor Abzug des Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrags) deshalb deutlich weniger, nämlich nur 771 €. Bei Männern in Westdeutschland sind es immerhin noch durchschnittlich 1.020 €, bei Frauen dagegen nur 566 €. … Der durchschnittliche Beamte arbeitet somit im gehobenen Dienst und ist damit am Ende seiner Laufbahn in Besoldungsstufe A12 angelangt. Sein letztes aktives Einkommen beträgt dann inklusive ruhegehaltsfähiger Zulagen und Ehegattenzuschlag gut 4.800 €. Daraus errechnet sich eine Pension in Höhe von 3.600 €. Angaben des statistischen Bundesamtes führen zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: Danach bekamen die Beamten, Richter und Soldaten des Bundes im Januar 2014 ein durchschnittliches Altersruhegeld in Höhe von 2.840 €. Zuzüglich der Erhöhungen in den Jahren 2014 und 2015 in Höhe von 2,8 % und 2,2 % ergibt sich für 2015 eine durchschnittliche ausgezahlte monatliche Pension in Höhe von rd. 3.000 €. … Nach dem Bundessonderzahlungsgesetz erhalten Pensionäre einmal im Jahr noch zusätzlich eine dreizehnte Zahlung, die für Bundesbeamte jeweils 60 % einer Monatspension beträgt.”

 

>>Stern<<

“Eigentlich sollten die Abgeordneten des Landtags seit 2008 privat für ihr Alter vorsorgen, so wie andere Bürger auch. Dafür wurden ihre Bezüge damals extra großzügig erhöht. Jetzt haben sie beschlossen: Die private Rentenvorsorge lohnt sich nicht, die Abgeordneten sollen wieder die lukrative Staatspension bekommen. … Die meisten Deutschen können nur davon träumen, mit monatlichen Einkommen von über 9000 Euro für ihr Alter vorzusorgen, doch den Abgeordneten reicht das offenbar nicht. “Es geht nicht um Selbstbedienung, sondern um eine angemessene finanzielle Ausstattung”, erklärte Nicole Razavi von der CDU. Die Abgeordneten wollen anstelle der normalen Rente also lieber wieder auf eine staatliche Pension zurückgreifen, denn: Ein Abgeordneter sitzt durchschnittlich 13 Jahre im Parlament. Würde er 13 Jahre lang den Höchstsatz in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, erwirbt er einen Rentenanspruch in Höhe von 813 Euro. Die neue staatliche Pension soll nach 13 Jahren 2475 Euro betragen. An den monatlichen Diäten soll selbstverständlich nicht gerüttelt werden.”

Abgeordnete und Beamte haben es sich mit ihren üppigen Pensionen und Zulagen – im Gegensatz zur übrigen Bevölkerung – offensichtlich gut eingerichtet.

 

 

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