Die Auswirkungen des Strukturwandels in der Lausitz

Screenshot stummezone.wordpress.com

Die Stilllegung von Kraftwerken und Braunkohletagebaue dürfte einen langen Schatten werfen: Viele Arbeitsplätze auch in anderen Sektoren sind damit ebenso in Gefahr. Dieses Thema wird – wenn überhaupt – nur am Rande gestreift. Dabei arbeiten dort die meisten Beschäftigten – die unter den politisch-beschlossen Strukturwandel zu leiden haben.

>>Lausitzer Rundschau<<

„Am ersten Oktober geht der jüngste von sechs 500 MW-Blöcken im Kraftwerk Jänschwalde des Energiekonzerns Leag in eine bundesweite Sicherheitsbereitschaft. Ein Jahr später folgt ein zweiter 500-MW-Block des Kraftwerkes. … Im Kraftwerk und Tagebaubetrieb fielen durch die Sicherheitsreserve 600 Jobs weg, die über vorgezogene Renteneintritte abgebaut werden. „Wir benötigen dann aber auch weniger Instandhaltungsleistungen“, so Rendez. Dadurch würden bei Zulieferern und Servicefirmen etwa eintausend weitere Jobs verloren gehen.“

 

>>ifo Institut (PDF-Datei) <<

„Um einen Eindruck über die Betroffenheit der Unternehmen durch den Braunkohleausstieg zu erhalten, wurden die Unternehmen nach ihrer Abhängigkeit von Vattenfall gefragt. Zwei der befragten Unternehmen gaben eine extreme Umsatzabhängigkeit an (mehr als 90 % der Umsätze aus Geschäft mit Vattenfall). Sieben Unternehmen weisen eine hohe Umsatzabhängigkeit von über 50 % aber unter 90 % auf. Acht Unternehmen haben eine mittlere Abhängigkeit zwischen 21 % bis zu 50 %; zwei der befragten Unternehmen machen weniger als 20 % ihres Umsatzes mit Vattenfall. Auch wenn das Bild zur Umsatzabhängigkeit der Zulieferer sehr heterogen ist, waren die Aussagen zu den Erwartungen der zukünftigen Umsatzentwicklung aus Geschäften mit der Vattenfall/LEAG einheitlich negativ. Die Mehrzahl der Geschäftsführer erwartet kurzfristig keine gravierenden Änderungen, geht aber in der mittleren Frist von einem deutlichen Umsatzrückgang aus. Setzt man diese Angaben zur Umsatzabhängigkeit in Relation zum Gesamtumsatz der befragten Unternehmen, stellt sich die Abhängigkeit der Mitarbeiter wie folgt dar. Von den Gesamtbelegschaften der befragten Unternehmen sind insgesamt circa 2 400 Mitarbeiter direkt in von Vattenfall/LEAG abhängigen Aufträgen gebunden. Davon entfallen 149 Mitarbeiter auf Unternehmen mit extremer Abhängigkeit, 1 540 Mitarbeiter mit hoher, 668 Mitarbeiter mit mittlerer und 70 Mitarbeiter mit geringer Abhängigkeit. Etwas mehr als 450 Mill. Euro des Umsatzes wer – den mit der Braunkohle in der Lausitz getätigt. Festzuhalten bleibt, dass ein nicht unerheblicher Anteil des Geschäftes der Zulieferer mit Vattenfall/LEAG erfolgt.“

 

>>Holger Kelch – Oberbürgermeister von Cottbus<<

„Ihre Hilfe bereichert unsere Stadt und die gesamte Region. Der Hauptgrund, warum wir Ihrer Firma in Dankbarkeit verbunden sind, ist aber die Tatsache, dass Sie Tausenden Lausitzern Lohn und Brot geben. Über 7.000 Beschäftigte, Hunderte Auszubildende und viele Arbeitsplätze in Zuliefererbetrieben haben den radikalen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte abgefedert. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie es in den Städten und Dörfern der Lausitz aussähe, wenn 1990 die Energiewirtschaft das Schicksal der Textilindustrie geteilt hätte. Denn hier erlebten die Menschen nach der politischen Wende einen beispiellosen Strukturwandel, einen Paradigmenwechsel, der ohne Vergleich ist. … Das Bergbauunternehmen ist auch ein großer Auftraggeber, circa eine Milliarde Euro werden im Jahr an Dienstleistungsaufträgen in die Region reingegeben, davon sind wieder 21.000 Arbeitsplätze abhängig von vielen Zulieferern, ob in Görlitz bis hier nach Cottbus hoch. Und insofern ist das schon eine Wirtschaftsmacht hier vor Ort und leider auch nur eine und nicht auf breiten Schultern verteilt. … Man muss ja auch wissen: Bis 1990 waren ca. 60.000 Menschen in der Braunkohlenindustrie, also zu DDR-Zeiten, hier beschäftigt. Und da gab es dann schon mal einen Schlag, als reihenweise die Tagebaue hier dichtgemacht worden sind in der Lausitz. Sicherlich sind viele schöne Seen jetzt entstanden, aber diese Arbeitsplätze, die sind an keiner Stelle wiedergekehrt und darunter hat die Lausitz bis heute zu leiden.“

Völlig außer Acht fällt in den Zusammenhang die Rolle der Unternehmen, welchen direkt oder indirekt von Unternehmen Leag abhängig sind. In der Vergangenheit wurden die meisten anfallenden Arbeiten zentral ausgeführt, nach der Wiedervereinigung übernahmen diese Aufgaben immer mehr externe Firmen. Allerdings, die Arbeitsstellen die im Zuge der Deutschen Einheit weggefallen sind, blieben endgültig verloren und die meisten haben die Region aus verständlichen Gründen verlassen. Ein ähnliches Schicksal steht auch heutzutage unmittelbar bevor und die ersten Auswirkungen sind schon Sichtbar: Denn die Arbeitsplätz beim Kraftwerk Jänschwalde dürften endgültig verloren sein.

 

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