Die feudalen Strukturen im Staatsfunk

Screenshot youtube.com

Täglich arbeiten insgesamt über 4.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an unterschiedlichen Standorten in Nordrhein-Westfalen und der Welt daran, wegweisende Orientierung zu bieten.“ So lautet die Eigenbeschreibung des Staatsfunks. Die wahren Verhältnisse sehen aber ganz anders aus.

>>Der Tagesspiegel<<

„Die Vorwürfe betreffen einen Korrespondenten, der weiter für den WDR tätig ist. 2012 lud er die Praktikantin auf einer Dienstreise in sein Hotelzimmer, reichte Champagner und zeigte ihr auf seinem Laptop einen Pornofilm. Einer anderen Kollegin machte er in einem längeren E-Mail-Wechsel sexuelle Avancen. Der Korrespondent bezeichnete sich dabei als „Alpha-Tier“ und schrieb, er bekomme immer, was er wolle. … Die Praktikantin, die den Fall des Korrespondenten beim WDR gemeldet hatte, zeigte sich „stern“ und Correctiv gegenüber enttäuscht. Die Chefredakteurin Sonia Mikich habe ihr abschließend geschrieben, dass der WDR sexuelle Belästigung nicht toleriere. „Aber was“, fragt die ehemalige Praktikantin, „war die Konsequenz für diesen Typen, der mich immer noch anschaut im Fernsehen?“

 

>>Blogspan.net<<

„WDR-Intendant Tom Buhrow nimmt im Interview mit dem Medienmagazin journalist erstmals ausführlich Stellung zu den Vorwürfen von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im WDR und der Frage, wie sein Sender mit dem Thema in den vergangenen Wochen umgegangen ist. … Dazu zählt die Ermahnung des WDR-Korrespondenten Arnim Stauth, der 2010 Hinweise auf sexuelle Belästigung an Verantwortliche im Sender weitergegeben hatte und infolge dessen arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten musste. … Außerdem räumt Buhrow im Umgang mit dem Personalrat Fehler ein. Dessen Mitglieder hatten kritisiert, dass Hinweise und Einschätzungen des Gremiums übergangen worden seien. „Ich hätte die Arbeitnehmerseite noch näher an meine Seite holen müssen“, sagt Buhrow rückblickend. … Dennoch sieht Buhrow Handlungsbedarf, die Unternehmenskultur im WDR zu verbessern. „Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des WDR unzufrieden ist mit der Art und Weise, wie ihre Vorgesetzten oder der WDR als Ganzes mit Macht umgehen.“

>>Meedia<<

„Claudia Zimmermann meldete sich bei MEEDIA, nachdem sie die Berichte über die aktuelle Studie des Medienforschers Michael Haller gelesen hatte. Haller hat zusammen mit der Uni Leipzig und der Hamburg Media School eine groß angelegte Studie zur Medienberichterstattung während der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 erstellt und dafür tausende Zeitungsartikel ausgewertet. Zentrales Ergebnis der Studie: Die Medien, zumindest die Tageszeitungen, hätten in erster Linie die Perspektive der Politik eingenommen. Frau Zimmermann fühlte sich von der Studie in ihrer vor eineinhalb Jahren geäußerten Kritik vor allem an den öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland bestätigt. Sie habe sich damals zwar von ihrer Aussage distanziert, dass Journalisten direkte Anweisungen zur Berichterstattung erhalten, an der generellen Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, hält sie jedoch fest: „Vor allem die großen Fernsehsender ARD und ZDF werden immer als Staatsfernsehen kritisiert, und meiner Meinung nach stimmt das. Es wird zu wenig kritisch über die Regierung berichtet. Das liegt nicht daran, dass die Journalisten schlecht sind. Das System funktioniert von oben nach unten. Chefredaktionen oder Studioleitungen sorgen dafür, dass zu kritische Berichte gar nicht erst gesendet werden.“ … „Der WDR hat gesagt, ich sei nicht entlassen worden. Das ist richtig, ich wurde nicht entlassen. Ich habe seitdem aber auch keine Aufträge mehr bekommen. Ich bin seit 25 Jahren beim WDR und habe vorher von zehn Themenvorschlägen an den WDR ca. acht verkauft. Nach dieser Äußerung habe ich viele Themenvorschläge gemacht und kein einziger wurde eingekauft. Das hat dann dazu geführt, dass ich einen Burnout bekommen habe.“ Nach der umstrittenen Äußerung hätten sich innerhalb des WDR-Studios, für das sie arbeitet auch die Zuständigkeiten plötzlich geändert: „Normalerweise wurden die Themenvorschläge von einem Redakteur eingekauft. Nach meiner Äußerung vom Januar 2016 musste ich mich mit Themenvorschlägen immer an die Studioleitung wenden. Da wird dann niemand sagen, meine Themen werden wegen dieser Äußerung abgelehnt. Es findet sich immer ein Grund: zu kompliziert, zu überregional, so etwas Ähnliches haben wir schon gehabt etc.“ Der WDR bestreitet auf Anfrage von MEEDIA, dass Frau Zimmermann keine Aufträge mehr bekommen habe. … Claudia Zimmermann erklärte gegenüber MEEDIA, sie habe seit der Äußerung lediglich zwei kurze, so genannte „Off Mazzen“ machen dürfen, 30-Sekünder ohne Autoren-Nennung. Bis Ende 2016 habe sie wöchentlich Themen angeboten, von denen kein einziges eingekauft worden sei.“

 

>>Spiegel<<

„WDR-Intendant Tom Buhrow steht zu seinem Gehalt von 399.000 Euro pro Jahr. Wenn man immer geringere Bezahlung fordere, könnten sich am Ende nur noch Milliardäre leisten, eine öffentlich-rechtliche Anstalt zu leiten.“

Beim Staatsfunk herrschen regelrecht feudalistische Zustände: Kritik an der Sendeleitung führt zu einen Eintrag in die Personalakte oder noch schlimmer, die eigne Karriere nimmt ein abruptes Ende. Viele Mitarbeiter müssen sehen wie sie finanziell über die Runden kommen. Jedoch die Intendanten selbst, genehmigen sich sechsstellige Gehälter und führen als selbsternannte „Alpha-Tiere“ ein ausschweifenden Lebensstil.

 

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