Normalfall: „Lehrer ohne pädagogische Ausbildung“

Screenshot youtube.com

Immer häufiger unterrichten Lehrer an Schulen die über keine pädagogische Ausbildung verfügen. Quereinsteiger lautet dann die beschönigend Begründung. Als Grund wird ein steter Lehrermangel angeführt: Allerdings diesen gibt es in Wahrheit gar nicht, sondern die Ursachen liegen ganz woanders. Aber diesen versteckten Missstand dürfen die Eltern nicht erfahren.

>Sächsische Zeitung<<

„Die Personalprobleme an Sachsens Schulen sind in den Landkreises Bautzen und Görlitz mit Abstand am größten. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Statistik des Landesamts für Schule und Bildung (Lasub) hervor. … Zum Vergleich: In der Landeshauptstadt beträgt der Anteil der neu eingestellten Lehrer ohne pädagogische Ausbildung 60 Prozent. … Die meisten unbesetzten Stellen gibt es an den Grundschulen.“

 

>>Rheinische Post<<

„Paula Meier (Name von der Redaktion geändert) geht die Geduld langsam aus. Ihr Referendariat hat die 28-Jährige an einem Düsseldorfer Gymnasium gemacht, Abschlussnote: 2,2. Trotzdem ist sie heute arbeitslos. Den Weg zur Agentur für Arbeit beschreibt sie als einen der schwersten ihres Lebens. Um über die Runden zu kommen, muss sie Hartz IV beantragen. „Das ist einfach degradierend. Da studiert man sechseinhalb Jahre und bekommt doch keine Anstellung“, sagt sie. Man habe ihr vorgeschlagen, in Sprachinstituten auf selbstständiger Basis zu arbeiten oder Integrationskurse zu betreuen. „Aber dafür habe ich nicht so lange studiert.“ Vorerst ist die junge Frau wieder zu ihren Eltern in ihr altes Kinderzimmer gezogen. „Die Miete für meine kleine Wohnung konnte ich nicht zahlen“, sagt sie. Meier hat in Bochum Deutsch, Spanisch und Deutsch als Fremdsprache für Gymnasien und Gesamtschulen studiert. „Lehrerin zu sein ist einfach meine Berufung“, sagt die Düsseldorferin. Doch ihrem Beruf kann Meier nicht nachgehen. 24 Bewerbungen habe sie bereits geschrieben, an Gymnasien wurde sie nicht einmal zu einem Gespräch eingeladen. Und das, obwohl in NRW Lehrer händeringend gesucht werden. Die scheidende Schulministerin Sylvia Löhrmann holte sogar pensionierte Pädagogen zurück in den Dienst. Man habe sprichwörtlich jeden Stein umgedreht, um mögliche Einstellungshindernisse aus dem Weg zu räumen, sagte sie noch im Februar. Lehrermangel und der Unterrichtsausfall waren große Themen im NRW-Wahlkampf. … Diese Erfahrung hat auch Meier gemacht. „An einer Schule wurde mir eine Vertretungsstelle als Erdkunde- und Technik-Lehrerin angeboten“, sagt sie. „Das ist doch verrückt, da habe ich fachlich doch gar keine Ahnung von.“ Solche fachfremden Vertretungen sind laut Ministerium möglich. Die Schulen schreiben diese Vertretungsstellen in eigener Verantwortung aus und entscheiden dann selbst, welche Bewerber und Bewerberinnen sie einstellen, heißt es. Vertretungsunterricht sei eine Übergangslösung und eine Möglichkeit, Unterrichtsausfall zu vermeiden.“

 

>>Jetzt<<

„Bianca, 32, ist Lehrerin für Englisch und Erdkunde und wurde im vergangenen Sommer arbeitslos. Trotz ihres sehr guten Abschlusses in einem Berufsfeld, das doch eigentlich als „sicher” gilt. Sie hat lange überlegt, ob es einen Punkt gab, an dem sie falsch abgebogen ist. „Ich habe sehr mit mir und meinen Entscheidungen gehadert und alles in Frage gestellt. Ich hatte so viel in mein Studium und in Zusatzqualifikationen investiert und im Referendariat regelmäßig Nächte und Wochenenden durchgearbeitet. Ich bereue es nicht, ich liebe meinen Job, aber ich möchte fair behandelt werden.” Im Februar 2016 beendete Bianca ihr Referendariat und erhielt daraufhin eine bis zum Schuljahresende befristete Anstellung an einem Münchner Gymnasium. Nach diesen fünf Monaten wurde klar, dass der Vertrag nicht verlängert würde. Auf einmal lag ein unklarer Sommer vor ihr. „Es war völlig egal, wie sehr ich mich reingehängt hatte, mein Vertrag wurde nicht verlängert. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte, ich habe schlecht geschlafen, war aggressiv und schnippisch.“ Das schlimmste war für sie die Ungewissheit: Wie würde es weitergehen? Wie lange würde sie ohne Gehalt überbrücken müssen? „Wochenlang habe ich Bewerbungen geschrieben und mich an verschiedenen Schulen vorgestellt”, sagt Bianca. Ausgang ungewiss.“

Einen Lehrermangel per se gibt es nicht. Aber einen Mangel an Lehrern, die bereit sind unter katastrophalen Bedingungen für einen Hungerlohn zu arbeiten. Die Folgen: Fachfremde Pädagogen unterrichten in Fächern, wo sie nur Laien sind und viele Quereinsteiger haben bestenfalls nur eine rudimentäre Ausbildung. Das alles dient unter anderen dazu, um den regulären Unterrichtsausfall zu kaschieren.

 

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