Eingebetteter Journalismus: „Das Haltungannehmen in erster Linie eine Disziplinierungsmaßnahme“

Screenshot youtube.com

Von offizieller Seite weisen Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks jede Unterstellung Staatsfunk zu sein: Weit von sich. Dennoch finden aber sehr wohl – ganz offizielle – Absprachen statt. Es wird detailliert darüber debattiert: In welchen Umfang bestimmte Themen zu behandeln seien. Hohe Vertreter aus diesen Reihen, ziehen sogar Vergleiche mit den Militär heran.

>>Meedia<<

„In Zeiten von Populisten, die es mit Grenzüberschreitungen immer wieder in die Schlagzeilen schaffen, und Social-Media, deren Filterblasen eigene Schwerpunkte setzen, rückt diese Frage aber erneut in den Vordergrund der journalistischen Debatte. Zu Recht, wie der „Vocer Innovation Day“ in Hamburg am Samstagabend gezeigt hat. Hochkarätige Gäste waren geladen, um über das Thema “Was wirklich wichtig ist” zu sprechen: die Moderatorin Anja Reschke zum Beispiel („Panorama“, „ZAPP“). Sie hat jüngst ihr Buch „Haltung zeigen!“ veröffentlicht und damit eine Debatte über die gesellschaftliche Bedeutung von Haltung der Journalisten angestoßen. Auch der SPD-Politiker Martin Schulz ist gekommen.“

Zur Vollständigkeit: Es gibt eine ganze Reihe ähnlicher Veranstaltungen, wo hohe Vertreter aus der Politik und des staatlichen Rundfunks auf – Tuchfühlung – gehen. Diese Form des – eingebetteten Journalismus – wird derart als selbstverständlich hingenommen, dass es darüber keine Debatte gibt. Eine hohe Vertreterin des Staatsfunks, macht dies selbst sehr deutlich, indem sie Vergleiche zum Militär zieht.

>>Haltung zeigen! von Anja Reschke (Buch) <<

„Beim Militär ist das Haltungannehmen in erster Linie eine Disziplinierungsmaßnahme. Damit erweist man dem Vorgesetzten Respekt, der dann freundlicherweise sagen kann: «Stehen Sie bequem.» Wie man strammzustehen hat, ist in den jeweiligen Militärordnungen genauestens geregelt. Meistens heißt es: Füße im 60-Grad-Winkel, mit den Hacken aneinander, Gewicht auf beiden Füßen, Schultern zurück, Brustkorb vorgewölbt, Kopf aufrecht, Augen geradeaus. Daran hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel geändert. Es ist im Prinzip immer noch so, wie es schon in der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift vom 20. Dezember 1924 zu lesen war: «Der Mann soll gestreckt, stolz, selbstbewusst, soldatisch strammstehen. (…) Die 1919 erlassenen Direktiven für die Ausbildung in den Rekrutenschulen verlangen für die Grundstellung, entsprechend ihrem Wesen als Drillbewegung: augenblickliche, genaue und gleichmäßige Ausführung unter Anspannung aller Kräfte; ferner Straffheit der Ausführung, absolute Hingabe des Mannes mit seinen ganzen Willens- und Körperkräften.» Immer schon also geht es um Stärke, aber auch um Hingabe. Und es geht darum, eine bestimmte Position einzunehmen.“

Das ganze Buch ist – mehr oder minder – in dieser Machart gehalten. Das Selbstverständnis des staatliche Rundfunks: Wie beim Militär – Befehl und Gehorsam als oberste Maxime. In der – täglichen Berichterstattung – der Staatsmedien ist diese – militärische Haltung – unschwer zu erkennen: Neben zahllosen Sendungen, die sich an Trivialität gegenseitig zu überbieten versuchen, gibt es noch einen weiteren – scheinbar – wichtigen Bereich: Die hohe Politik. Jede noch so unbedeutende Ankündigung oder Überlegung eines Politikers, wird zu großen Staatsaffäre aufgeblasen.

>>Klaus Kleber<<

„Wir sind kein Staatsfunk … Ich arbeite seit Jahrzehnten an Sendungen, die jeden Tag ein Millionenpublikum haben. Wenn irgendeine Partei oder ein Bonze versuchen würde, darauf Einfluss zu nehmen, hätte der mich irgendwann mal anrufen müssen. Ist nie passiert. Ich kann mich an keine Diskussion in unserer Runde erinnern, wo jemand versucht hätte, einer Partei oder einem Politiker einen Gefallen zu tun. Das käme auch nicht weit.“

 

>>Meedia<<

„Schulz bemängelt zudem, dass Medien rechten Parteien und Vorkommnisse wie in Chemnitz zu viel Raum gegeben haben. “Wenn ein Mob durch Chemnitz läuft, ist das ein großes Thema. Die ‘Unteilbar’-Demo dagegen wenig”, so Schulz. Ein Vorwurf, den die Moderatorin Anja Reschke nicht auf sich sitzen lassen wollte: “Gerade bei Chemnitz sah ich sehr wohl beide Demontrationszüge”.

Fehlende Glaubwürdigkeit: Auf der einen Seite, weisen Vertreter des sogenannten öffentlich-rechtlichen Rundfunks, jedwede Unterstellung – Staatsfunk – zu sein, weit von sich und auf der anderen Seite, geben Politiker klare Anweisungen, wie zu berichten sei. Selbstverständlich ist der staatliche Rundfunk abhängig von der Politik. Die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge, wäre verhältnismäßig unkompliziert: Damit wären ARD und ZDF finanziell am Ende. Diese Drohkulisse ist vollkommen ausreichend.

>>Meedia<<

„In Zeiten von Populisten, die es mit Grenzüberschreitungen immer wieder in die Schlagzeilen schaffen, und Social-Media, deren Filterblasen eigene Schwerpunkte setzen, rückt diese Frage aber erneut in den Vordergrund der journalistischen Debatte. “

 

>>Motherboard<<

„Filterblasen gefährden die Demokratie“ urteilte die Tagesschau im Format „Kurz erklärt“. Es folgten Berichte darüber, wie man der mutmaßlich gefährlichen Filterblase wieder entkommen kann: „Raus aus der Filterblase“, hieß es bei Deutschlandfunk Kultur, “ … Jahre später sagte selbst Eli Pariser im Interview mit dem Magazin Wired, nach der Wahl von Donald Trump hätten einige Leute „es mit der Idee der Filterblase etwas zu weit getrieben“. Tatsächlich ist das Wort, das seit 2017 im Duden steht, extrem irreführend. Mittlerweile können Wissenschaftler und Datenjournalisten belegen: Die meisten Eigenschaften, die wir der Filterblase zugeschrieben haben, treffen gar nicht zu.“

Natürlich kann man über den Begriff „Filterblasen“ streiten. Jedoch Themen, die ausschließlich in Filterblasen stattfinden: Könnten gar keine Schlagzeilen generieren, weil die Reichweite zu gering ist. Solche Aussagen sind Stilblüten, einer völlig verzehrten Wahrnehmung der Realität. Die Welt des Staatsfunks: Die beziehen völlig utopische Gehälter, bewegen sich im Umfeld hoher Parteifunktionäre und haben den Bezug zur Bevölkerung schon lange verloren.

 

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