Gekaufte Wissenschaft: Wie die Urheberlobby mit erfunden Zahlen Politik macht

Screenshot youtube.com

Goldmedia erstellt ökonomische Analysen und Sachverständigengutachten. Die Basis bildet unsere langjährige Expertise zu medienökonomischen Prozessen.“ So die Eigenbeschreibung des Unternehmens >>Goldmedia<< auf seiner Webseite. Die Ergebnisse oder Schlussfolgerungen dieser Auftragsgutachten sind demnach keine Überraschung, sondern im Sinne des Auftragsgebers.

>>Presseportal.de<<

„Die Nutzung illegaler Live-TV-Signale ist ein Massenphänomen und gefährdet massiv die Medien- und Meinungsvielfalt in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt ein wissenschaftliches Gutachten der Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia, welches im Auftrag vom VAUNET – Verband Privater Medien durchgeführt wurde. Demnach nutzen 1,9 Millionen Personen in Deutschland regelmäßig illegale Live-TV-Signale und ersetzen dadurch in hohem Maße die Nutzung legaler Bewegtbildangebote. Zu den meistgenutzten illegalen linearen TV-Inhalten gehören insbesondere Sport, fiktionale Inhalte und Dokumentationen. Den Medienunternehmen entgehen damit Einnahmen von mehr als 430 Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt, also inklusive der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen, liegt der Umsatzschaden sogar bei rund 700 Millionen Euro. Damit verbunden sind Steuerausfälle von jährlich 170 Millionen Euro.“

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ Diese mittelalterliche Redewendung, hat scheinbar Bestandsgarantie bis zum Sankt Nimmerleinstag.

„Die Nutzung illegaler linearer TV – Streams verringert die Nachfrage auf vor – /nachgelagerten Märkten, z.B. Produktionsindustrie, Gastronomie (Sports – Bar).  Der umsatzbezogene Gesamtschaden beträgt rd. das 1,6 – Fache des direkten Schadens in der Bewegtbildindustrie*. Durch diese indirekten Effekte entsteht ein zusätzlicher wirtschaftlichen Schaden von rund 260 Mio. Euro. Der Gesamtschaden für Steuern und Sozialabgaben liegt bei rd. 170 Mio Euro“

Wie diese abenteuerlichen Zahlen zustande kommen: Verschweigt die Studie. Die angeführte Quelle führt zwar zu einer anderen Studievon selben Unternehmen. Dort ist aber lediglich die wirtschaftliche Bedeutung – der Branche – zusammengefasst. Die Kernaussage – die viele Medien ungeprüft übernommen haben – ist schlicht falsch. Bestenfalls könnten die rund 700 Millionen als ungeprüfte Schätzung durchgehen, aber selbst dabei: Wären die Zahlen eher kritisch zu hinterfragen. Immerhin: An das Finanzamt und die Sozialkassen haben die „Wissenschaftler“ gedacht: Damit die Politik das richtige Rüstzeug in die Hand bekommt. Wenngleich auch diese Zahlen, ebenfalls frei erfunden sind.

>>Tarnkappe.info<<

„Die bei der Befragung am häufigsten genannten Gründe für illegales Nutzerverhalten waren sowohl die Kostenfreiheit, als auch die Einfachheit bzw. Bequemlichkeit sowie die Schnelligkeit. Gemäß der Studie geben Online-Konsumenten von Musik und Bewegtbildinhalten in der Regel mehr als deutsche Durchschnittskonsumenten für ihre Interessensbereiche (inkl. physischer Käufe und Leihen, Fanartikel sowie Konzert- oder Kinobesuche) aus. Konsumenten mit gemischt legalem und illegalem Online-Nutzungsverhalten tätigen sogar die höchsten Gesamtausgaben. Dieses Verhalten deutet folglich auf eine gewisse Zahlungsbereitschaft hin, somit sind die angegebenen Kostensenkungsmotive nicht mit den getätigten Ausgaben in Einklang zu bringen.“

Davon steht natürlich nichts in der Fernsehpiraterie – Studie: Die irregulären Anbieter sind demnach eine große – kostenlose – Werbetafel für die Kreativwirtschaft. Die – genau andersherum – den Konsum in diesen Bereichen erst so richtig ankurbelt. Hinzu kommen hausgemachte Probleme.

>>Evelyn Ruttke<<

„Zunächst einmal laufen Filme mehrere Monate im Produktionsland, bevor sie auf deutschen Leinwänden zu sehen sind – ein solches Auseinanderfallen der Veröffentlichungszeitpunkte gibt es im Musikbereich regelmäßig nicht. Ein weiterer gravierender Unterschied liegt in der Verwertung: Die Filmbranche arbeitet mit einer sogenannten Fensterauswertung. Das heißt, ein Film kommt zunächst ins Kino, wird nach einer Zeit auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht und als Stream verfügbar gemacht. Die Musikbranche kennt diese Fensterauswertung nicht. Hier kann die Veröffentlichung gleichzeitig auf CD, Vinyl, als Stream und Download erfolgen. Musiktitel sind also häufig sofort nach Veröffentlichung im Internet und im Einzelhandel legal erhältlich – Kinofilme nicht.“

Dieser sogenannte „Fensterauswertung“ ist natürlich ein selbst verschuldetes Problem. In Zeiten des Internets, ist diese Vorgehensweise recht anachronistisch. Zu allen Überfluss: Das Urheberrecht wurde zum großen Teil von den entsprechenden Lobbyverbänden einfach selbst geschrieben – die sich nun bitterlich darüber beklagen: Das „ihre“ Gesetze nicht eingehalten werden.

 

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