“Geld gab es nicht” – Verrat an Freunde & Familienmitglieder: Trinkgeld als Lohn für Spitzeltätigkeit

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In der Welt der Spionage und des Verrats gibt es eine dunkle Seite, die oft übersehen wird. Die inneren Kämpfe der Spione. Es ist wichtig zu erkennen, dass hinter jeder Spionagetätigkeit ein Mensch mit innerem Konflikt steckt Erstaunlich ist bisweilen auch eine andere Tatsache, mit welchen simplen Tricks die Anwerbung läuft.

“Jana D.” – “Geld gab es nicht” – “Möglichkeit, so weiter zu leben, wie bisher, mit ein paar Privilegien”

>>Welt<<

“Der Mann in dem schlecht sitzenden Anzug war freundlich, als er ihr sagte, dass seine Abteilung schon seit geraumer Zeit den Verdacht hätte, dass an der Bar Drogen umgeschlagen werden. „Es wäre schön“, sagte er, „wenn Sie jemanden installieren könnten, der das beobachtet und Bescheid gibt, falls etwas auffällig wäre.“ Und er sagte, dass es schön wäre, wenn sie diejenige sein könnte. … Sie wusste, dass es nicht nur um angebliche Drogengeschäfte ging, sondern darum, sie als Informelle Mitarbeiterin der Staatssicherheit anzuwerben, als Stasi-Spitzel zu gut deutsch. … Sie macht kein Geheimnis daraus, dass sie auch daran gedacht hat, was es bringen würde, wenn sie mitmacht. Geld gab es nicht. Aber die Möglichkeit, so weiter zu leben, wie bisher, mit ein paar Privilegien.”

“Wenn Sie jemanden installieren könnten, der das beobachtet und Bescheid gibt”

Unterm Strich wurden ein paar Privilegien zugestanden und das Trinkgeld durfte sie behalten. Dafür musste diese Agenten, die ihre Kollegen, Freunde und teilweise sogar ihre Liebsten ausspionieren, leben in ständiger Angst vor Entdeckung und Verrat. Im RomanStasiratte” wurde dieser innerer Konflikt thematisiert und kann als ein perfektes Beispiel für diese zwiespältige Existenz angesehen werden. Auch bei anderen Geheimdiensten sieht dieses innere Zerwürfnis kaum anders aus.

“Jan P.” – “Beteiligt sich an Antifa-Aktionen, dem Widerstand gegen Castor-Transporte und lebt in einer Szene-WG”

>>Neues Deutschland<<

“P. stößt bei einer Hausbesetzung 1989 zur autonomen Szene in Wuppertal. Gleichzeitig bietet er dem polizeilichen Staatsschutz seine Hilfe an und wird von ihm schnell an den Verfassungsschutz weitervermittelt. Bis 1999 bleibt Jan P. in der linken Szene aktiv, beteiligt sich an Antifa-Aktionen, dem Widerstand gegen Castor-Transporte und lebt in einer Szene-WG, in der er Treffen aufzeichnet und fotografiert.”

“Jan P.” -“Szene-WG” – “In der er Treffen aufzeichnet und fotografiert”

Der Verfassungsspitzel “Jan P.” – oder was auch immer sein richtiger Namen sei – hat mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen. Für die Betroffenen bedeutet dieser Verrat oft den Verlust von Freiheit und sozialer Sicherheit. Das soziale Gefüge ist am Ende häufig zerstört und die Person findet sich nicht selten in völliger Isolation wieder. Die Frage lautet, ob der  Preis des eigenen Handelns am Ende es wert sei? Letztendlich hat “Jan P.” augenscheinlich auch nur eine sehr überschaubare Summe für seine Tätigkeit erhalten. Dafür hat sein Führungsoffizier – oder eher Sozialarbeiter – ihn sprichwörtlich viel Honig um den Mund geschmiert. Es wurde bei diesem Gesprächen immer betont, wie wichtig seine Arbeit angeblich sein soll. – Die einfachsten psychologischen Hütchenspielchen sind die wirkungsvollsten. Praktisch hat er auch nur Trinkgeld als Lohn für seine Dienste als Spitzel erhalten. Ganz anders sieht es bei anderen Leuten aus.

“Jan B.” – “Gibt es das: einen lauten Knall inmitten vieler Menschen, den aber nur sehr wenige hören können?”

>>Die Ibiza-Affäre: Innenansichten eines Skandals von Bastian Obermayer & Frederik Obermaier (Buch) <<

“Gibt es das: einen lauten Knall inmitten vieler Menschen, den aber nur sehr wenige hören können? So würden wir beschreiben, was sich am Abend des 11. April 2019 in Wien ereignet. Dort erklärt der deutsche Satiriker Jan Böhmermann per Videobotschaft sein Fernbleiben bei der Verleihung der »Romy«, wo er einen Preis überreicht bekommen hätte. Er sagt, er hänge gerade »ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt« mit seinen »FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchenvilla auf Ibiza« fest – wo er darüber verhandele, »ob und wie ich die Kronen-Zeitung übernehmen kann und die Meinungsmacht in Österreich an mich reißen kann«. Das alles kommt uns, bis auf das Koks, ziemlich bekannt vor. Und wir fragen uns, was zur Hölle hier gerade passiert.”

“Jan B.” – “Das alles kommt uns, bis auf das Koks, ziemlich bekannt vor”

Der Vorfall läuft auf eine erklärungsbedürftige Fragestellung hinaus: Wie konnte ein angeblicher “Satiriker” über Informationen verfügen, welche – zu diesem Zeitpunkt – nur innerhalb von Geheimdienstkreisen bekannt waren? – Die Antwort auf diese Frage kann sich jeder denken. Auf alle Fälle dürfte “Jan B.” mittlerweile Multimillionär sein und er musste dafür offenbar weder Freunde, noch Familienmitglieder ausspionieren, sondern nur regelmäßig wenig humorvolle Witze reißen. Verrat, das dürfte also innerhalb der Geheimdienstwelt am besten bekannt sein.