In die Falle gelockt: Wie Geheimdienste mit Kritikern umgehen

Screenshot twitter.com

Nicht allzu viel Kritik gegenüber der herrschenden Macht zu äußern, war zu allen Zeiten ratsam. Kritiker der Regierung wurden zuweilen eingesperrt oder deren wirtschaftliche Existenz zerstört. Aber manchmal kam es noch schlimmer. Zwar gehören offene Morde durch Agenten, nicht unbedingt zum Standardprogramm, dennoch kommen sie vor. Die Wurzeln davon, reichen weit in die Vergangenheit zurück.

>>Die Kunst der Niederlage: Eine Geschichte der Kapitulation von Holger Afflerbach (Buch) <<

„Es handelte sich um die Folgen von kultureller Unterschiedlichkeit und ein daraus resultierendes Fehlen an Empathie, vor allem aber um Machtungleichgewichte, bei denen die «unsichtbare Hand des Krieges» nicht wirken konnte. Der Sieger glaubte, von Milde gegenüber dem Verlierer wenige Vorteile zu haben, und neigte deshalb zur Unbarmherzigkeit. Diese wirkte sich umso drastischer aus, da bei diesen «außersystemischen Kriegen» nicht zwischen Soldaten und Nichtkombattanten unterschieden wurde. Das galt nicht nur für die Kämpfe von Kolonialmächten gegen Nichteuropäer, sondern auch für die Peripheriekriege, bei denen Weiße gegen Weiße standen. Der Burenkrieg und die Kämpfe der Spanier auf Kuba – in beiden Fällen wurden Zehntausende in Konzentrationslagern festgesetzt, auf Kuba starben dort über 100.000 Personen – können als Beispiele dienen. Ein Grund für diese Grausamkeit war mitunter die schlichte Überforderung relativ kleiner Kolonialarmeen, die in großen Räumen operieren mussten und die, wenn sie ihren Gegner zu fassen bekamen, ihn nicht wieder laufen lassen wollten und ihre waffentechnische Überlegenheit gnadenlos ausnutzten. Hier spielte die Logik des Partisanenkrieges eine Rolle, Grausamkeiten beider Seiten schaukelten sich hoch. Oft war der Sieger unbarmherzig und wollte den Verlierer gar nicht gefangen nehmen, sondern ihn töten oder misshandeln.“

Den Burgenkrieg haben die Briten – unter hohen Verlusten – letztendlich für sich entschieden. Die Rolle der – Konzentrationslager – wird aber unzureichend wiedergegeben. In diese Lager wurden alle diejenigen eingesperrt, die entweder Kämpfer oder Unterstützer waren. Ganze Familien wurden darin interniert, um die Rückzugmöglichkeiten des Gegners zu minimieren. Dieses Prinzip hat später Adolf Hitler lediglich adaptiert. Zu Beginn der NS-Herrschaft, musste als erstes die Macht im Innern gefestigt werden. In den ersten provisorisch-errichteten Konzentrationslagern, landeten deswegen in erster Linie Diejenigen, die der NS-Apparat als gefährlich einstufte. Die heutige vielfach betriebene Verkürzung, Konzentrationslager seien ausschließlich rassistisch motiviert, ist schlichtweg falsch. Auch der militärisch-geheimdienstliche Charakter dieser Lager, wird meist einfach unterschlagen. Nicht nur die Deutschen, Spanier, Briten und die Sowjetunion betrieben derartige Internierungslager, sondern selbst die USA. Das grundlegende Prinzip war überall das Gleiche. Im Fokus standen Menschen, die der Herrschaft irgendwie gefährlich werden konnten. Wie treffsicher diese Einschätzungen im Einzelfall waren, steht hingegen auf einen anderen Blatt geschrieben. Auf jeden Fall mussten im Vorfeld bereits Daten über verschiedene Personen gesammelt werden. Eine falsche Äußerung, zu einen falschen Zeitpunkt und der Freifahrtschein auf eine Reise auf Nimmerwiedersehen war mitunter bereits gezogen. Selbst wenn sich die verschiedenen Herrschaftsideologien unterscheiden mögen, in der praktischen Anwendungen lief es häufig auf das Selbe hinaus. Das Konzentrationslager Buchenwald wurde zwar 1945 befreit, aber bis zum Jahr 1950 weitergenutzt. Auch die Abgrenzung zwischen Vernichtungslager, Internierungslager, Arbeitslager oder Konzentrationslager ist in vielfacher Hinsicht irreführend. Die Lebensbedingungen in allen Lagerformen waren schlecht, hier auf Details, wie Essensrationen oder körperlicher Arbeit herum zu reiten, ist eher irreführend. Nicht selten erschien daher ein gezielter Kopfschuss, mitunter schon als humane Tat. Aber nicht immer werden Kritiker von Regierungen interniert. Besonders im Zeitalter des Internets, produzieren Menschen hinter Stacheldraht, unschöne Bilder.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Der „Washington Post“-Kolumnist war am 2. Oktober in das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul gegangen, um ein Dokument abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Unter internationalem Druck und nach wochenlangen Dementis gab Saudi-Arabien schließlich die Tötung des 59-Jährigen zu, weist aber weiter Vorwürfe zurück, dass die Tat von der saudi-arabischen Führung um Kronprinz Mohammed angeordnet worden sei.“

 

>>n-tv<<

„Vorläufige Ergebnisse hätten gezeigt, dass es zwischen Khashoggi und mehreren Personen im Istanbuler Konsulat zum tödlichen Streit gekommen sei, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa. … Der im US-Exil lebende saudische Regierungskritiker Khashoggi hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Er ist seitdem verschwunden. … Saudi-Arabien hatte seine Gangart mit Kritikern in den vergangenen Jahren deutlich verschärft.“

Natürlich kann man über das Land Saudi-Arabien und dessen vorgehen die Nase rümpfen. Ungeachtet dessen, interessant ist die Haltung der Bundesrepublik Deutschland zu den Fall: „Regierungssprecher Steffen Seibert bestätigte am Montag, dass es „einen nachrichtendienstlichen Austausch“ zwischen Deutschland und der Türkei gegeben habe. Weitere Details wollte er allerdings nicht nennen. „Wie bei allen Fragen der operativen Tätigkeit der Nachrichtendienste geben wir dazu in der Öffentlichkeit keine Auskunft.“ Medienberichten zufolge sollen nun die letzten Worte Khashoggis bekannt geworden sein. „Ich ersticke! Nimm diese Tüte von meinem Kopf, ich habe Platzangst!“, soll Khashoggi laut Nazif Karaman, Reporter der türkischen Zeitung „Sabah“, gesagt haben.“ Die Arbeit für einen Geheimdienst kann schon ziemlich unappetitliche Züge annehmen. Jedoch der geheimdienstliche Modus Operandi ist eher typisch für die Vorgehensweise von Agenten. Unter einen Vorwand eine künstliche Situation geschaffen, die dann am Ende „bedauerlicherweise“ tödlich ausgeht. Eine „Verkettung“ unglücklicher Umstände eben oder wahlweise die Glaubhafte Abstreitbarkeit. Davon sind allerlei Abwandlung denkbar, eine Hausdurchsuchung, wo ein schwerbewaffneter Polizist eine Waffe gesehen haben will und sich verteidigen musste oder, oder … . Nur die Aufklärung solcher Fälle ist kaum möglich – denn: „Wie bei allen Fragen der operativen Tätigkeit der Nachrichtendienste geben wir dazu in der Öffentlichkeit keine Auskunft.“

 

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