Indien: Zahlen belegen Zunahme von Gewalt gegen Christen

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Weniger gemeldete Vorfälle, aber mehr Christen ermordet und tätlich angegriffen

Christen in Indien sind wegen ihres Glaubens zunehmend mit Gewalt konfrontiert. Das belegen aktuelle Zahlen, die Open Doors mit Hilfe lokaler Partner erhoben hat.

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Von Open Doors

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Diese Entwicklung ist besonders darum bemerkenswert, weil insgesamt weniger Meldungen von Übergriffen gegen Christen eingingen, als unter normalen Umständen erwartbar gewesen wäre.

Angriffe zunehmend brutaler / hohe Dunkelziffer

Die Reisebeschränkungen aufgrund der Pandemie sorgten dafür, dass lokale Partner von Open Doors im Jahr 2020 entgegen der allgemeinen Tendenz weniger Berichte über Verfolgungsvorfälle erhielten als noch im Vorjahr: Während im Jahr 2019 insgesamt 825 Übergriffe gegen Christen aufgrund ihres Glaubens gemeldet wurden, belief sich die Zahl im Jahr 2020 auf insgesamt 698 Vorfälle.

Dass die Gewalt gegen Christen trotz der gesunkenen Zahl gemeldeter Vorfälle deutlich zugenommen hat, die Angriffe also zunehmend brutaler werden, belegen die folgenden Zahlen. So wurden 2019 die Morde an acht Christen gemeldet, im Jahr 2020 waren es 18. 2019 wurden laut vorliegenden Meldungen 1.676 Christen körperlich misshandelt; im Jahr 2020 stieg diese Zahl auf 1.893. Im Bereich der mutwilligen Beschädigung von Häusern oder Grundstücken, die Christen gehören, gingen 2019 insgesamt 51 Berichte ein, während diese Zahl sich im Jahr 2020 mit 201 fast vervierfachte.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um Fälle schwerer Verfolgung, zu denen lokalen Partnern von Open Doors Meldungen aus erster Hand vorliegen. Sie stellen daher nur die Spitze des Eisbergs dar, wenn man die Verfolgung von Christen in Indien quantifizieren will. Laut Schätzungen von Open Doors leben ungefähr 67 Millionen Christen in Indien, von denen die meisten irgendeine Form von Verfolgung erleben. Das Spektrum umfasst zahlreiche Fälle von Diskriminierung bis hin zu Folter und in extremen Fällen Mord. Da viele Christen sehr isoliert leben, geht Open Doors von einer hohen Dunkelziffer aus. Zahlreiche weitere Vorfälle dürften Gläubige betreffen, die keinen Kontakt zu den lokalen Partnern von Open Doors haben. Weniger schwerwiegende Fälle von Diskriminierung und Missbrauch werden in der Regel nicht gemeldet, weil sie für viele Christen ein ganz normaler Teil des Lebens sind.

Regierung und Behörden dulden Übergriffe

Einige der Gründe für die zunehmend gewalttätige Verfolgung von Christen in Indien werden in einer aktuellen Forschungsanalyse der London School of Economics and Political Science erläutert, die Open Doors in Auftrag gegeben hat. Darin wird die Situation religiöser Minderheiten in Indien insgesamt untersucht. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass staatliche Akteure – einschließlich der Landes- und Regionalregierung, der Polizei und der Medien – Angriffe auf religiöse Minderheiten ignorieren und sogar dulden, um sich die Gunst von Indiens mächtigen Hindutva-Organisationen zu sichern.In der LSE-Analyse heißt es unter anderem: „Es kommt mittlerweile häufig vor, dass gewalttätige Gruppen oder lokale Mobs von Hindutva-Anhängern in die Häuser und Gebetsstätten dieser Gemeinschaften eindringen und versuchen, Gewalt zu provozieren und die christlichen und muslimischen Gemeinschaften als Anstifter oder Täter darzustellen. Dahinter stehen in viele Fällen Verbindungen zu lokalen und nationalen Politikern oder das Bemühen, von lokalen oder nationalen Politikern wahrgenommen und anerkannt zu werden.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht Indien an 10. Stelle der Länder, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

–W E R Β U Ν G–

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