Lausitz: Wenn die atemberaubenden Unternehmensansiedlungen ausbleiben

Screenshot stummezone.wordpress.com

3.000 neue Arbeitsplätze in der Oberlausitz“ So frohlockt kein geringer als der Chef der Bautzner Arbeitsagentur höchstpersönlich. Auf welche Daten er sich bezieht? Was das für Arbeitsplätze denn überhaupt seien? Darüber herrscht Schweigen im Walde. Von – atemberaubenden Unternehmensansiedlungen – oder dergleichen ist jedenfalls nichts bekannt. Schon heute gilt jeder, der in irgendeiner weltfremden „Maßnahme“ des Arbeitsamtes geparkt wurde oder mehr als 15 Stunden die Woche arbeitet – rein formal – nicht mehr als Arbeitslos.

Statistisch herbei gezaubert: Das Wunder der vermeintlich 3.000 neue Arbeitsplätze

Tricks die Statistik nach unten zu korrigieren sind jedenfalls reichlich vorhanden. Sicherlich lassen sich auf diese Weise die – 3.000 Arbeitsplätze irgendwie her zaubern –  doch mit der Realität, hat das alles freilich wenig zu tun: Denn diese sieht sehr Düster aus.

>>Sächsisch.de<<

„Allein in der Oberlausitz habe der Strukturwandel in den 1990er Jahren rund 100 000 Jobs gekostet, in der gesamten Lausitz mindestens 180 000. … Nach den Worten von Schiemann gab es allein in der Textilindustrie der Lausitz einen Abbau von 60 000 Arbeitsplätzen. Der Rest verteile sich auf Branchen wie Braunkohle, Maschinenbau, Landwirtschaft und die Verwaltung. „Harz IV hat sich als untauglich erwiesen und noch mehr Menschen aus dem Arbeitsleben ausgestoßen“, sagte der Politiker. Durch Abwanderung habe die Oberlausitz allein seit 2005 weitere 100 000 Menschen verloren. Das bedeute einen Kaufkraftverlust von 1,2 Milliarden Euro. Bereits in den 1990er Jahren habe es einen Aderlass durch Abwanderung in etwa der gleichen Höhe gegeben.“

Seit der Wiedervereinigung: Lausitz mindestens 180.000 Arbeitsplätze weggefallen

Tatsächlich fand seit der Wiedervereinigung eine wirtschaftliche Entwicklung statt, aber recht selten kommen dazu belegbare Zahlen auf den Tisch. Es handelt sich um eine – negative wirtschaftliche – Spirale: Durch den Wegfall von großen Industriezweigen, brechen auch viele Zulieferfirmen weg und alles endet – bildlich gesprochen – beim Bäcker um die Ecke, der damit eigentlich nicht viel zu tun hat: Aber plötzlich ohne Verschulden – ohne Kunden – dasteht. Eines der Hauptprobleme: Die Lausitzer Realität der vergangenen Jahrzehnte ist in Berlin nicht wirklich angekommen.

>>Bundesministerium für Bildung und Forschung<<

„Wenn hier von einer neuen Lausitz-Story die Rede ist, sollte sie nicht von den historischen Leistungen in der Region entkoppelt werden“, betont der Soziologe Manuel Rivera vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung. „Die Bevölkerung muss das Neue auch emotional annehmen, darum ist der Dialog von unten so wichtig.“

Wirtschaft oder moderne Zauberkunst: Wenn Soziologen von „transformativen Nachhaltigkeit“ reden

Ob ein Soziologe für „transformative Nachhaltigkeitsforschung“ wirklich so viel von Wirtschaft versteht, muss hier offen bleiben. „Die Bevölkerung muss das Neue auch emotional annehmen, … “ Die Bevölkerung Vorort zu fragen, ob sie das „Neue“ überhaupt will, ist wohl schon – zu viel – Demokratie. Ungeachtet dessen, gibt es genug Gründe, vor dem „Neuen“ berechtigte Angst zu haben.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen, wenn Solar- und Windkraftanlagen zu wenig Strom liefern. Dann müssen Industrieanlagen abgeschaltet werden. Die Netzschwankungen könnten aber noch schlimmer werden. … Der Stresspegel ist beachtlich gestiegen, seitdem die Netzbetreiber kurzfristig angekündigt haben, den Strom abzuschalten. Denn in Deutschland gibt es an diesem Mittag zu wenig Elektrizität. Später wird bei Netzbetreibern von einem „Prognosefehler bei den erneuerbaren Energien aufgrund einer seinerzeit komplexen Wetterlage“ die Rede sein. Die Sonne scheint nicht so intensiv, wie noch am Vortag geplant und erwartet war. Kurz nach 12.00 Uhr jedenfalls ist die „Minutenreserve“ der Pumpspeicherkraftwerke verbraucht, aus dem Ausland lässt sich auch nicht mehr Strom ziehen. Jetzt werden Großverbraucher wie Aluminiumhütten, Walzwerke und Gießereien abgeschaltet. Und zwar deutschlandweit – alle, die verfügbar sind. „In der Summe haben Aluminium und andere Industrieunternehmen 1025 Megawatt Leistung auf Anforderung der Netzbetreiber aus der Produktion genommen“, heißt es später bei Hydro Aluminium in Neuss.“

Stromabschaltungen bei der Industrie: Wie durch die Energiewende die Lichter ausgehen

Die ganze Situation ist heute schon derart bizarr: Selbst ein – durchgedrehter Romanautor – hätte es sich nicht ausdenken können. Ein paar selbsternannte Klima-Propheten wollen den „Weltuntergang“ vorhergesehen haben. Gleichzeitig stößt die reale Wissenschaft – sprich Meteorologie – an ihre Grenzen, wenn sie nur für ein – paar Stunden genaue Wetterprognosen – erstellen muss. Das energieintensive Unternehmen gezwungen sind, ihre – Produktion wegen Energiemangel abzuschalten – ist keineswegs neu: Aber die Dimensionen hiervon, nehmen immer dramatischere Ausmaße an. Auch Stromschwankungen im Netz gehören immer mehr zum Alltag dazu und können zu – Schäden an empfindlichen Geräten – führen. Nur Beweisen lässt sich soetwas natürlich selten. Folgen: Unter solchen Bedingungen wird es wohl kaum zu neuen Unternehmensansiedlungen kommen. Selbst die schon heute hohen und – ständig steigenden Strompreise – wirken sich eher abschreckend aus. Hinzu kommt: Die Länder Polen und Tschechien sind nah und tragen die Energiewende so nicht mit. In Tschechien kostet beispielsweise der Strom nur die Hälfte, aber dort setzt man konsequent auf konventionelle Kraftwerke.

 

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