Lausitzer Sorben: „Das Christkind geht mit seinen beiden Begleiterinnen um“

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Der Brauch des Sorbischen Christkind geht – anders als der Name vermutet – bis in die vorchristliche Zeit zurück. Jedoch wird es in der Sorbischen Lausitz häufig einfach nur Christkind genannt, obwohl auch diese Bezeichnung nicht ganz korrekt ist. Der richtige Sorbische Begriff (Schleifer Dialekt) lautet „Bože dźěćatko“  und das bedeutet: „das Kindchen„, worunter sich die allermeisten Nicht-Sorben vermutlich nicht viel vorstellen können. Jedenfalls gehört die Tradition fest zur Vorweihnachtszeit in vielen Orten der Lausitz dazu.

„Bräuche gehören bei den Sorben in der Lausitz zur Vorweihnachtszeit“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Bräuche gehören bei den Sorben in der Lausitz zur Vorweihnachtszeit … . Ein Brauch ist das Jänschwalder Christkind (Janšojski bog) – der Niederlausitzer Vorbote des Weihnachtsfestes.“

Sorbisches Christkind: „Vorbote des Weihnachtsfestes“

Dieser überlieferte Brauch wird aber nicht in der ganzen Sorbischen Lausitz gepflegt. Dennoch konnte er sich – allen Widrigkeiten zum Trotz – halten und besonders in der ländlichen Lausitz wird er in vielen kleinen Dörfern noch mit Leben gefüllt.

Überlieferte Brauch rührt vermutlich aus vorchristlicher Zeit her

>>Stadt Hoyerswerda<<

„Der überlieferte Brauch wird heute noch von den evangelischen Sorben in Dörfern und Städten der Niederlausitz und in der Gegend um Schleife und Hoyerswerda gepflegt.“

Es dürfte einer der schönsten Bräuche innerhalb der Sorbischen Kultur überhaupt sein

Es dürfte einer der schönsten Bräuche innerhalb der Sorbischen Kultur überhaupt sein. Hauptsächlich dreht sich alles um das Sorbischen Christkind herum. Es handelt sich dabei um ein unverheiratete junge Frau und diese wird mit aufwändigen Gewändern gekleidet.

„Die Tracht des „Janšojski bog“ wird aus den schönsten Teilen der Niedersorbischen Tracht zusammengestellt“

>>Stadt Cottbus<<

„Die Tracht des „Janšojski bog“ wird aus den schönsten Teilen der Niedersorbischen Tracht zusammengestellt. Besonders aufwendig ist der Kopfputz. Ihn zieren Hochzeitsgirlanden und Kränze von 3 Brautjungfern. Vor dem mit weißem Tüll verdeckten Gesicht hängen noch bunte Bänder und Ketten.“

Unerkannte Christkind: „Vor dem mit weißem Tüll verdeckten Gesicht hängen noch bunte Bänder und Ketten“

Das Gesicht soll niemand sehen können und die Auserwählte darf währenddessen auch nicht sprechen: Denn sie muss unerkannt bleiben, was – der Sage nach – großes Unglück bringen soll.

„Das Christkind geht mit seinen beiden Begleiterinnen um“

>>Kólesko<<

„Das Christkind geht mit seinen beiden Begleiterinnen um“, heißt es dann unter den Einheimischen. Tatsächlich schreitet das Christkind, dessen Gesicht stets verhüllt wird, in seinem Heimatdorf stumm von Gehöft zu Gehöft beziehungsweise von Mensch zu Mensch. Es streichelt die Wangen und berührt mit seinem Birken- oder Ginsterzweig, der Lebensrute, die Schulter seines Gegenübers. Auf diese Weise werden Glück und Segen gewünscht. Anschließend gibt es von den Begleiterinnen ein kleines Präsent.“

„In seinem Heimatdorf stumm von Gehöft zu Gehöft beziehungsweise von Mensch zu Mensch“

Anders als beim „Weihnachtsmann“ geht es weniger um materielle Dinge wie Geschenke, sondern vorwiegend um Glück und Segen. Auf diese Weise soll die Besinnlichkeit der Winterzeit unterstrichen werden.

Sorbisches Christkind: „Die gesamte Zeremonie läuft schweigend ab“

>>Spreewald<<

„Die gesamte Zeremonie läuft schweigend ab, damit einerseits das Mädchen nicht erkannt wird und andererseits die Besinnlichkeit der Weihnachtszeit bedacht wird.“

Sorbisches Christkind: „Die Besinnlichkeit der Weihnachtszeit“

Besonders in der ländlichen Lausitz wird der Brauch nicht nur gepflegt, sondern auch durch viele Lausitzer – auch Nicht-Sorben – geschätzt. Es ist ein bisschen das wohltuende Kontrastprogramm zur weitestgehend durchkommerzialisierten Weihnachtszeit.