Rinderdiebstahl in der Lausitz: Wenn die Organisierte Kriminalität zuschlägt

Screenshot vimeo.com

Professionelle Viehdiebe treiben in der Lausitz ihr Unwesen. Der Diebstahl von wertvollen Rindern ist für viele Landwirte existenzbedrohend. Die Täter sind von Fach und gut organisiert, während die Polizei als Zaungast den Geschehen völlig hilflos zusieht.

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„Vor allem in Ostdeutschland werden immer häufiger Rinder aus Ställen gestohlen. Zuletzt traf es eine Agrargenossenschaft im brandenburgischen Neißemünde, wo die Diebe vier wertvolle Zuchtbullen mitnahmen, berichtet Spiegel-Online. So seien offenbar professioneller Rinderdiebe am Werk. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern würden seit einigen Monaten regelmäßig Zuchtbullen, Kälber, Mutterkühe verschwinden; mal einzelne Tiere, mal komplette Herden. Die Betroffenen seien frustriert und die Polizei hilflos, heißt es. Die Unbekannten schlagen demnach spätabends zu, wenn in ländlichen Regionen kaum noch Menschen unterwegs sind. Dass es ihnen sogar gelingt, Muttertiere von ihren Kälbern zu trennen, zeigt, dass die Täter vom Fach sind. … Dass es Berufskollegen aus der Region, aus Polen und Tschechien sind, glaubt die Polizei aber nicht, Wahrscheinlicher sei, dass die Rinder nach Osteuropa gehen, wo die Ohrmarken nicht geprüft werden. Dort würden die Täter vermutlich mit den Tieren weiterzüchten. Dass die Diebe alle Rinder schlachten sei hingegen unwahrscheinlich – dagegen spreche etwa die gezielte Auswahl des lebendigen Diebesguts. Wie professionell die Kuhdiebe vorgehen, zeigt der jüngste Fall im Luckauer Ortsteil Terpt, ein 177-Einwohner-Dorf am Rande des Spreewalds: Die Täter suchten gezielt nur Muttertiere aus, trennten sie von den Jungkälbern und nahmen 32 Kühe mit – laut „Berliner Zeitung“ sind das exakt so viele, wie auf einen Standard-Viehtransport passen. Noch auf dem Hof rissen sie den Tieren die Ohrmarken aus und verschwanden in der Nacht. Bereits am Morgen dürften die Tiere weit entfernt gewesen sein, denn der Stall liegt direkt an der A13, eine Autostunde von der polnischen Grenze entfernt. Auffällig ist, dass die Täter ihren Aktionsradius womöglich weiter ausweiten.“

 

>>Der Tagesspiegel<<

„Immer mehr Tiere werden in Brandenburg von offensichtlich professionellen Viehdieben gestohlen. Für viele Betroffene ist das existenzgefährdend. Die Versicherungen kündigen, die Polizei ist überfordert. … Inzwischen sind immer mehr Bauern davon betroffen, teilweise verschwinden ganze Herden von den Weiden oder aus den Ställen. … „Für die Betroffenen ist das ein sehr großes Problem“, sagt Reinhard Jung, der Geschäftsführer vom Bauernbund Brandenburg: „Die starke Zunahme von Viehdiebstählen ist ein zusätzliches Argument gegen die Ausdünnung der Polizei im ländlichen Raum. Und vielleicht auch für verstärkte Grenzkontrollen, denn eigentlich kann man sich nicht vorstellen, dass diese Rinder in Deutschland verkauft oder geschlachtet werden.“ Das liege daran, dass alle Rinder in Deutschland und in der EU durch das sogenannte Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere zentral erfasst sind, erklärt Jung, der selbst Rinder hält: „Jedes Kalb bekommt spätestens sieben Tage nach der Geburt eine Ohrmarke und ohne diese Marke nimmt hier in Deutschland niemand, nicht einmal ein Schlachthof, ein Tier ab.“ … Doch Ohrmarken kann man offenbar genauso ändern wie einst die Brandzeichen im Wilden Westen. Jedenfalls wurden an Orten, wo Rinder gestohlen wurden, schon abgerissene und auch falsche Ohrmarken gefunden. Eine hatte beispielsweise das Länderkennzeichen von Litauen, was die Ermittler als Hinweis werten, dass die gestohlenen Tiere nach Osteuropa gebracht werden.“

 

>>Märkische Allgemeine<<

„Das Landeskriminalamt hatte im Frühjahr eine Sonderkommission „Koppel“ eingerichtet, die derzeit sechs Mitarbeiter hat. Zudem wurde eine Broschüre an Landwirte verteilt, die Tipps zum Schutz vor den Tätern enthält. Ermittler vermuten, dass Banden die Tiere stehlen und aus der EU herausbringen.“

Ob das Verteilen von Broschüren und das Bilden von Kommissionen wirklich hilfreich ist, darf getrost bezweifelt werden. Denn bis heute wurde kein einziger Fall von Viehdiebstahl in der Lausitz aufgeklärt. Die Rinder bleiben verschwunden und die Täter sind noch immer auf freien Fuß. Hingegen die Landwirte, bleiben auf ihren finanziellen Schaden sitzen und müssen zusehen, wie sie ihre Tiere vor weiteren Diebeszügen schützen.

 

–W E R Β U Ν G–

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