Unter Böhmischer Königskrone: „Von der Lausitz bis ins Friaul“ – Přemysl Otakar II

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Im Schatten von König Wenzel I ist die Regierungszeit Přemysl Otakar II über der Lausitz weitestgehend in Vergessenheit geraten. Doch leitete er maßgebliche Reformen ein und besonders beim Recht drückte er seinem Stempel auf: Das teilweise noch in die heutige Zeit hinein reicht.

Die Lausitz als Teil von Böhmen

>>Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150-1550 von Eberhard Isenmann (Buch) <<

„In der 1243 unter König Wenzel I. gegründeten Prager Altstadt (Größere Stadt) mit vorwiegend deutscher Bevölkerung galt süddeutsches Stadtrecht, während die 1257 von Otakar II. Přemysl am linken Moldauufer unterhalb der Burg gegründete Stadt, die Kleinseite, Kleinstadt oder Neustadt hieß und in der wegen der Vertreibung der vorherigen Bewohner zunächst nur Deutsche lebten, Magdeburger Recht erhielt.“

Oberlausitzer Mundart: Überbleibsel von Fränksichen Siedlern

Bei Přemysl Ottokar II muss allerdings gesagt sein: Er war ein klassisches Kind seiner Zeit. Zu dieser Zeit war Böhmen und die Lausitz weitestgehend von Slawen besiedelt, die urbanen Städte zeichneten sich im Gegensatz gewissermaßen als Deutsche Enklaven aus. Zu dieser Zeit wurden gezielt Deutsche Siedler angesiedelt und mit besonderen Rechten ausgestattet. Die noch heute gesprochene Oberlausitzer Mundart erinnert daran: Diese hat sich vermutlich aus einen fränkischen Dialekt heraus entwickelt. Um die Herrschaft langfristig zu Sichern, wurde eine ganze Reihe von befestigten Burgen angelegt.

„Mittelalterliche Burgen in der Böhmischen Lausitz“

>>TourMedia<<

„Hrad Tolštejn (Burg Tollenstein) liegt zwei Kilometer südlich von Jiřetín pod Jedlovou (Sankt Georgenthal) und westlich befindet sich der Berg Jedlová (Tannenberg). Sie ist eine der bedeutsamsten mittelalterlichen Burgen in der Böhmischen Lausitz. Sie wurde nach der Regierungszeit von Přemysl Ottokar II. gebaut.“

Länder Böhmens: Kein Staat im modernen Sinne

Allerdings regierte Přemysl Ottokar II über keinen Staat im modernen Sinne: Denn das ist wohl mehr eine Erfindung der modernen Neuzeit. Zu dieser Zeit genoss die Lausitz noch eine erhebliche Autonomie und konnte beispielsweise noch selbst Recht sprechen.

Als die Lausitz noch ein erhebliches Maß an Autonomie hatte

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„Přemysl Otakar II. ist sehr ambitioniert. 1253 übernimmt er nach dem Tod seines Vaters die böhmische Königskrone. Sein Ziel ist aber, die Kaiserwürde im Heiligen Römischen Reich zu erlangen. Das wird ihm allerdings nicht gelingen. Doch sein Herrschaftsgebiet reicht zu gewissen Zeiten von der Lausitz bis ins Friaul. Allerdings dürfe man dabei nicht an einen einheitlichen Staat denken, sagt der Historiker Josef Žemlička:

„König Přemysl herrschte über ein Gebiet, das man am ehesten als Staatenbund bezeichnen könnte. Jedes der Länder hatte seine eigene Verwaltung und Rechtsgepflogenheit. Das heißt, in Böhmen wurde anders geurteilt als in Österreich, in der Steiermark oder in Kärnten, aber auch als in der Gegend um Cheb. Dieser Komplex an Ländern wurde nur durch den Herrscher zusammengehalten. Es gab, könnte man sagen, eine gemeinsame Außenpolitik, aber bei den Finanzen ist jeder Teil seine eigene Linie gefahren. Daraus entstanden im weiteren Lauf der Herrschaft unterschiedliche Konflikte, vor allem als sich Přemysl Otakar vom Adel entfremdete.“

Länder Böhmens: „von der Lausitz bis ins Friaul“

Auf Přemysl Ottokar II gehen über 50 Stadtgründungen oder Stadtrechtsverleihungen zurück. Damit einher ging eine einheitliche Rechtsprechung – was zu dieser Zeit alles andere als Selbstverständlich war. Zwar hatte jeder Teil der Böhmischen Königskrone seine eigene Gerichtsbarkeit und zugleich Gesetze, aber es wurden zum ersten Mal verbindliche Rechtsnormen festgelegt. Damit läutete Přemysl Ottokar II dem Beginn des modernen Rechtsstaates ein. Die große Stärke von Přemysl Otakar II war aber vor allem: Das er ein Meister im Interessenausgleich war. Im mittelalterlichen Ständegesellschaft verstand er es die Interessen der unterschiedlichen Stände erfolgreich auszugleichen und Schuf damit eine dauerhafte Verbindung zwischen Böhmen und Österreich, also dem Grundbaustein der späteren Habsburgermonarchie: Die bis zum Jahre 1918 bestehen sollte.

 

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