Wie die „Bertelsmannrepublik Deutschland“ regiert

Screenshot reddit.com

Wenn es einen Preis für die unscheinbarste Konzernzentrale der Welt gäbe, die Bertelsmann AG würde ihn mühelos gewinnen.“ So der Spiegel über den Bertelsmann-Verlag. In den Zusammenhang sprechen einige auch von „Bertelsmannrepublik Deutschland“ oder von einer „Nebenregierung“ .

Macht ohne Mandat: „Bertelsmannrepublik Deutschland“ oder „Nebenregierung

Allerdings die eigene dunkle NS-Geschichte, kommt beim Bertelsmannverlag recht selten zur Sprache: Obwohl der Verlag selbst, recht viel über die NS-Zeit publiziert. Nur seine eigene aktive Rolle zur NS-Zeit, fällt dabei für gewöhnlich unterm Tisch. Aber unter der neuzeitlichen Geschichtsklitterung, müssen auch andere Autoren leiden. Die „Macht ohne Mandat“ hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, ihre „Wahrheit“ der Geschichtsschreibung lieber selbst zu verkünden. Investigative Autoren, stehen bei diesen „edlen“ Ziel nur im Weg und werden gezielt diffamiert.

Kritik unerwünscht: Warum ein Leserbrief der Zensur zum Opfer fiel

>>Welt<<

„Bertelsmann war nicht Kriegsopfer, sondern -gewinnler und hatte als größter Produzent von Wehrmachtsliteratur gewaltige Gewinne eingefahren. Der damalige Verlagschef Heinrich Mohn war förderndes Mitglied der SS und hatte entsprechende Angaben nach dem Krieg zunächst unterlassen.“

„Bertelsmann war nicht Kriegsopfer, sondern Kriegsgewinnler“

>>Die Bertelsmann Methode von Jean-Marc Götter (Buch) <<

„Während der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft produzierte Bertelsmann – noch mehr als der Nazi-Stammverlag Eher in München – neben allgemeiner Belletristik und religiösen Schriften große Mengen nationalsozialistischer Kriegsliteratur. Zu diesem Ergebnis kommt die von Bertelsmann eingesetzte „Unabhängige Historische Kommession“ unter Leitung von Saul Friedländer, die am 17. Januar 2000 einen Zwischenbericht zur Rolle Bertelsmanns während der Nazi-Zeit vorlegte.“

Unter NS-Herrschaft: „Produzierte Bertelsmann – noch mehr als der Nazi-Stammverlag Eher“

Zwar wurde zur NS-Zeit der Verlag zeitweise geschlossen, aber das hatte wohl mehr mit weltlichen, als ideologischen Gründen zu tun. Der triviale Vorwurf: Zu Unrecht erworbenes Druck-Papier. Am Ende war es auch der leichte Zugang zum Rohstoff Papier, dessen Aufstieg von Verlag nach den Zweiten Weltkrieg maßgeblich mit begünstigte.

Aufstieg des Verlags: Das mysteriös auftauchende Druck-Papier nach der NS-Zeit

Über diese Zeit spricht der Verlag selbst nur ungern und strickt stattdessen lieber an seinen eignen Mythen und Legenden – Verkürzt formuliert: Der Verlag im Widerstand, welcher von den bösen NS-Machthabern verboten wurde. Heutzutage reicht das Firmengeflecht weit über die Herausgabe von Büchern hinaus. Von Zeitungen und Zeitschriften, über Online-Medien bis hin zu Fernsehsendern und Radiostationen. Im Medienbereich ist Bertelsmann gewissermaßen überall.

Medien heute: Bertelsmann ist überall

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Von einem Krake ist die Rede, von einer Nebenregierung, einer Macht ohne Mandat oder gar von der „Bertelsmannrepublik Deutschland“. So heißt ein Buch, das der Journalist Thomas Schuler 2010 veröffentlichte. Der Untertitel: „Eine Stiftung macht Politik“.

Wie die „Bertelsmannrepublik Deutschland“ regiert

Es ist sicher kein Geheimnis, dass die „Bertelsmannrepublik Deutschland“ recht gute diplomatische Beziehungen zur Bundesregierung Deutschland unterhält. Eine Kontinuität die sehr weit zurück reicht. Das wunderbare Zusammenleben zwischen Verlag und Regierung, stören offensichtlich einige Autoren: Die unbequeme Fakten aufzuzählen. So geschehen, in einen ihrer zahlreichen Publikationen, die sich um die NS-Geschichte drehen.

>>PM History<<

„Liebe Leserin, und Leser, 1939 – das ist mehr als eine Jahreszahl. Das ist auch eine Chiffre, die jeder versteht.“

Bertelsmann-Konzern verschweigt eigene Vergangenheit

Eine Ausgabe von PM History, dreht sich das Titelthema rund um die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges. Die Zeitschrift gehört aber über verschiedene Ecken, teilweise zum Bertelsmann-Konzern und über die eigene – doch eher unrühmliche – Verlagsgeschichte während der NS-Zeit, verlieren sie in den Heft keine Silbe. Auch ansonsten hat der Verlag, eine regelrechte Phobie gegen jegliche Kritik.

>>PM History<<

„Ein Krieg, der viele Väter hatte? Unbeachtet von der etablierten Wissenschaft hält sich seit 15 Jahren beharrlich ein versteckter Bestseller über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in den Buchläden. Zu empfehlen ist das Werk nicht“

Zu viel Kritik: Wenn Leserbriefe der Zensur zum Opfer fallen

Warum ist es nicht zu empfehlen? Der Autor bemängelt hauptsächlich die Quellen, macht sich selbst aber nicht die Mühe, auf eigene Recherche zu gehen. Als der Autor des Buches sich bei der PM History-Redaktion meldet, fällt der Leserbrief kurzerhand der Zensur zum Opfer: Offenkundig zu viel Kritik.

Zensur: Der Leserbrief der nicht erscheinen darf

Sehr geehrter Herr T. !

Sie beenden Ihr Editorial zum Heft „1939 Das Jahr zwischen Frieden und Krieg“ mit der Aufforderung „ Schreiben Sie uns gern, wenn Ihnen diese Ausgabe gefallen hat.“ Beifall ist wohlfeil. Drucken Sie auch Kritik ab?

Mir sind im Heft viele Fehler aufgefallen, die in der heutigen Geschichtsschreibung üblich sind.

Ihr Artikel „Ein Krieg, der viele Väter hatte?“, in dem Herr M. Hoffman das von mir geschriebene gleichnamige Buch kritisiert, vermittelt mir den selben Eindruck. Er schreibt, was ein „political correcter“ Autor heute so aus der zeitgemäßen Geschichtsliteratur abschreiben kann. Er bemängelt u. a. meine angeblich fehlende Quellenkenntnis. Ihm selbst fehlt aber offensichtlich jede Kenntnis ausländischer Quellen, besonders polnischer. Nicht umsonst zitiere ich in über 220 Quellen 97 ausländische, z. B. polnische, englische und Schweizer.

Auch versucht er mir antisemitische Quellen zur Last zu legen, z. B. bei der halben Million aus Polen geflohenen Juden. Ich habe hier u. a. ein Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte, München, 1958 zitiert[1]. Das hat er unterschlagen.

Zum Schluss bemüht Hoffmann – wie heute üblich- wieder das „rechts-Klischee“. Wie überzeugend!

 

Mit freundlichem Gruß

 

Ihr Leser Gerd Schultze-Rhonhof

 

Der Leserbrief bleibt zwar unveröffentlicht, aber der Autor des PM-History-Artikels schreibt immerhin eine Antwort. Inhalt: Neben allgemeinen anzweifeln von Quellen, gibt er offen zu: Selbst nicht recherchiert zu haben. Zitat: „… nicht vonnöten, jede Quelle im Original zu lesen … “ Aber speziell Quellen, die angezweifelt werden, wäre es – sehr wohl – nötig diese im Original oder als Kopie zu lesen Der dahinterstehende Verlag, hat gewiss dafür auch die finanziellen Mittel. Ansonsten macht man sich als Autor einfach nur lächerlich. Kurz um: Der Blinde der über Farben berichtet.

Geschichtsklitterung von PM-History: Der Blinde der über Farben schreibt

Auf die Unstimmigkeiten macht Schultze-Rhonhof nochmal extra aufmerksam. Die Zukunft wird zeigen: Wie Beratungsresistent Autor und Verlag sind.

1. Er schreibt gegen Ende seines Artikels: „Von den neu entdeckten Quellen, die Schultze-Rhonhofs Version der vielen Kriegsväter nicht stützen, erfahren Leser ohnehin nichts.“  Da meine, von Hoffmann so genannten „neu entdeckten Quellen“ überwiegend ausländische Quellen sind, habe ich ihm in meinem Leserbrief vorgeworfen, dass ihm offensichtlich jede Kenntnis ausländischer Quellen fehle. Dazu weiß er nur als Entgegnung „ Dazu ist es nicht vonnöten, jede Quelle im Original zu lesen, sondern Kenntnis jener Quellen zu haben, die Sie, ob beabsichtigt oder nicht, ausgelassen haben.“. Ganz nebenbei, 44% der von mir zitierten Quellen sind ausländische. Darunter hätte er bei etwas Sachkenntnis vor allem die finden können,  die er als „neu entdeckten Quellen“ vermisst hat.

 

2. Er versucht die Glaubwürdigkeit der von mir zitierten Autoren an ihrer politischen Vergangenheit zu bewerten. Er fragt nicht danach, was wahr ist sondern er fragt danach, was der Zitierte vor oder im Dritten Reich gewesen ist. Das zeigt sich zum Beispiel bei dem  von mir zitierten französischen Autor Benoist- Méchin, der während des Krieges Mitglied der französischen Vichy-Regierung gewesen ist  und dem Hoffmann deshalb als „Kollaborateur“ die Glaubwürdigkeit absprechen will.  Hoffmann versucht außerdem, B-M´s Glaubwürdigkeit mit dem rufschädigenden Satz zu erschüttern: „ nur Benoist-Méchin zitiert, dessen Glaubwürdigkeit das Papier seiner Schriften nicht aufwiegen kann.“ Ich habe einmal des Buch von B-M über den Anschluss Österreichs im Wiener Staatsarchiv überprüft und dazu mit Unterstützung des zuständigen Archivars alle relevanten Originalakten und Polizei- und Gerichtsakten zur anstehenden Periode durchgearbeitet. Ich habe dabei festgestellt, dass sich B-M in seinem besagten Buch pingelig genau an die Akten gehalten hat. Ich hatte in den Tagen der Arbeit im Archiv manchmal das Gefühl, B-M wäre eine Stunde vor mir im Archiv gewesen und hätte die selben Akten unmittelbar vor mir in der Hand gehabt. Woher Hoffmann sein Urteil über den Franzosen B-M nimmt , ist mir schleierhaft.

 

3. Zu einem Einzelpunkt möchte ich noch Stellung beziehen. Hoffmann zweifelt die Zahl der aus Polen im genannten Zeitraum geflohenen Polen an. Wenn er die im von mir zitierten Gutachten der Instituts für Zeitgeschichte angeführte Zahl der jährlich im Durchschnitt ausgewanderten und geflohenen Juden mit der Zahl der Fluchtjahre multipliziert hätte, würde er auf 500.000 bis 600.000 Personen gekommen sein. Was spricht dann dagegen, dass die vom Franzosen B-M genannte Zahl 557.000 stimmt? Dass ein früherer Nationalsozialist, den ich zu diesem Thema nicht gelesen habe, die selbe Zahl erwähnt hat, ist doch kein Gegenbeweis.

 

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