Westliche Wertegemeinschaft & des Kaisers neue Kleider: Alle reden darüber, aber niemand hat sie gesehen

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Die westliche Wertegemeinschaft sieht sich selbst als eine Art „Übervater“ des gesamten Planeten an. Hier soll die gesamte Moral vielleicht des gesamten Universums in komprimierter Form vorliegen. Zumindest wird bei der Selbstbeschreibung selten an Superlativen gespart. Gerade so mancher Außenstehender wird da vielleicht mit dem Augen rollen oder nur milde lächeln können.

Kultische Handlungen? – „Immer wieder die „Westliche Wertegemeinschaft“ beschworen“

>>Bundeszentrale für politische Bildung<<

„Westliche Wertegemeinschaft? – Wenn von transatlantischen Schwierigkeiten die Rede ist, wird immer wieder die „Westliche Wertegemeinschaft“ beschworen. Insbesondere nach dem Einmarsch der USA in den Irak äußerte sich in Europa heftige Kritik an dieser Politik. Umgehend wurde der Vorwurf des „Antiamerikanismus“ erhoben.“

„Einmarsch der USA in den Irak äußerte sich in Europa heftige Kritik an dieser Politik“

Je näher man sich die sogenannte „westlichen Wertegemeinschaft“ betrachtet, desto mehr löst sie sich in Luft auf. Alleine schon das angelsächsische Grundverständnisinklusive Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland – lässt sich kaum mit den übrigen Europa vereinbaren: Das allseits beliebte Totschlagargument „Antiamerikanismus“ greift hier ein bisschen kurz: Es sind häufig tiefe kulturelle Gräben, die auf beiden Seiten sehr viel an Unverständnis hervorrufen.

Westliche Wertegemeinschaft & Saudi Arabien: Sieht so das Musterland für Demokratie und Menschenrechte aus?

Hinzu kommt: Viele europäische Staaten sind Monarchien, widerum in Frankreich und Deutschland ist alles „Monarchische“ regelrecht verpönt oder sogar verboten. Doch die erzkonservative Monarchie Saudi Arabien dürfte das Bild wohl am deutlichsten abrunden und gerade dieses Land wird innerhalb der „westlichen Wertegemeinschaft“ als wichtigster Verbündete angesehen. Worin soll in all diesem Widersprüchen also der gemeinsamer Nenner liegen? Zwar hat die Bundeszentrale für politische Bildung hierzu einem langen Text ausgearbeitet, aber ebenso wenig keine echte Antwort geliefert. Umso mehr verblüfft dann folgende Feststellung: Ausgerechnet mit China soll angeblich eine „systemische Frage“ auftauchen.

Westliche Wertegemeinschaft & des Kaisers neue Kleider: Alle reden darüber, aber niemand hat sie gesehen

>>Deutscher Bundestag<<

„Und schließlich gibt es die systemische Frage, in der wir System-Rivalen sind, mit sehr unterschiedlichen Auffassungen von gesellschaftlichen Werten, von Rechtsstaatlichkeit und von Menschenrechten. Dieser Grundkonflikt mit China lässt sich nicht so einfach auflösen, sondern ist, wenn nicht eine Aufgabe für Generationen, so doch eine, die uns noch ein paar Jahre beschäftigen wird.“

Saudi Arabien als engster Verbündeter der westlichen Welt: Worin soll der Grundkonflikt mit China überhaupt liegen?

Verglichen mit den sonstigen bunten Haufen der „westlichen Wertegemeinschaft“ sticht China doch eher als fortschrittliches Land hervor. Zumal gerade in Deutschland beim Thema Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit rapide abwärts geht: Gerade der Fall Navina Heyden legt auf recht bizarre Weise die verzehrte Selbstreflektion offen.

„Navina Heyden: Ein mediales „deutsches Trauerspiel“ oder Signal einer McCarthy-Ära in Deutschland?“

>>China Internet Information Center<<

„Der Fall Navina Heyden: Ein mediales „deutsches Trauerspiel“ oder Signal einer McCarthy-Ära in Deutschland? – Die Geschichte aber, die nunmehr einer jungen Studentin mit Namen Navina Heyden passiert ist, ist geeignet, die Vorurteile gegen die Journalisten insgesamt zu befeuern. Frau Heyden liebt China und seine Kultur, hält sich oft dort auf, bezeichnet das Land als ihre „2. Heimat“ und hat auch einen chinesischen Partner.“

Liefern Medien ein Zerrbild ab? – „Vorurteile gegen die Journalisten insgesamt zu befeuern“

Die allgemeine Berichterstattung über China ist eher durch eine breite Hysterie gekennzeichnet. Teilweise kleine Ereignisse werden zu großen Skandalen aufgeblasen, während über die allgemeine Entwicklung im Land kaum ein Wort verloren wird. Die Frau Heyden hat wohl unbewusst hierzu einen Kontrapunkt gesetzt. Sie reist viel im Land umher und arbeitet mehr das alltägliche Leben für ein westliches Publikum auf. Sicherlich mögen es keine spektakulären Berichte sein, aber vermutlich dürfte darin auch das eigentliche Problem liegen. Schließlich sind viele etabliere Journalisten in einer Art von Filterblase gefangen und innerhalb dieser Grupperespektive Gruppenzwang – heizen sie sich gegenseitig an.

„Ausgewogene Berichterstattung? – 92 Prozent der ARD-Volontäre wählen grün-rot-rot“

>>Welt<<

„Ausgewogene Berichterstattung? – 92 Prozent der ARD-Volontäre wählen grün-rot-rot – Wenn die Präferenzen von Redakteuren so krass von jenen der Gebührenzahler abweichen, ist es praktisch unmöglich, den Sendeauftrag zu erfüllen.“

Filterblase: „Wenn die Präferenzen von Redakteuren so krass von jenen der Gebührenzahler abweichen“

Zumindest die ARD-Redaktionsstuben dürften kaum ein Querschnitt der Bevölkerung sein. So ist sicherlich die tendenziöse Berichterstattung zu erklären und warum sich bei einigen Ländern plötzlich „systemische Frage“ stellen, obwohl handfeste Gründe nicht mal genannt werden können. Zumal beim Fall Navina Heyden die freie Berichterstattung nicht in China, sondern innerhalb der westlichen Wertegemeinschaft eingeschränkt wird.