Wirtschaftsblockaden: Die beständigen strategischen Fehler

Screenshot warfarehistorynetwork.com

Teilweise wird in heutiger Zeit die Historie um Napoléon Bonaparte vielfach verklärt und überzeichnet. Übersehen wird dabei gern, dass der geniale französische Stratege auch verhängnisvolle Fehler machte. Einer davon war die verhängte Wirtschaftsblockade gegen England.

>>Napoleon – Die Flucht von Jan Needle (Buch) <<

“Obwohl sie auf einem Berg standen, war es auf St. Helena nicht kalt, und außerdem spielten Temperaturen für Napoleon keine Rolle. Beim Rückzug aus Russland hatte er etwa hundertfünfzigtausend Soldaten verloren, und das nur wegen der Kälte und der schlechten Führung, aber er hatte – Nun ja, das war nicht die ganze Wahrheit. Napoleon hasste es zu verlieren, aber er wollte sich nicht selbst belügen. Der Winter war hart, seine Strategie war verfehlt, sehr wahr, aber was ihn wirklich besiegt hatte, war der russische Feldzugsplan. Er erhob den Blick von den schäumenden Wogenkämmen des Atlantiks und wandte sich dem zitternden Montholon zu. „Sie sind ein Weichei, mein Herr. Auf dem Rückmarsch von Moskau töteten meine Soldaten ihre Pferde und benutzten deren Häute als warme Mäntel, aber ich machte das nicht, ich marschierte die tausend Meilen auch so. Ich habe gute Lust, Ihnen zu befehlen, Ihren Mantel auszuziehen.“ Montholon antwortete kühn: „Aber bei Ihnen kann man ja nicht von ‚marschieren‘ sprechen, nicht wahr? Sie haben knapp ein Dutzend Pferde zu Tode geritten, und manchmal auch eine Kutsche genommen.“ „Sie sind nur ein Marquis, ich bin ein Kaiser.”

Der Hauptgrund, warum Napoléon Bonaparte gegen Russland zu Felde zog war: Das russische Kaiserreich weigerte sich die verhängte Wirtschaftsblockade gegen England – auch Kontinentalsperre genannt – zu vollziehen.

>>Staatsrundfunk “Deutschlandradio” <<

“Ende Oktober 1806, nach der preußischen Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, zog der französische Kaiser Napoleon Bonaparte in Berlin ein. Drei Wochen später, am 21. November, erließ er von hier aus ein Dekret, das eine totale Wirtschaftsblockade gegen England verhängte, die so genannte Kontinentalsperre. “Der Handel mit englischen Waren ist verboten. Jede aus England kommende oder aus seinen Fabriken und seinen Kolonien stammende Ware wird als Beute erklärt. (…) Kein direkt aus England oder aus den Kolonien kommendes Schiff wird in einem unserer Häfen aufgenommen.” Napoleon hoffte, auf diese Weise Englands Handel und Industrie so stark in Mitleidenschaft ziehen zu können, dass die erste Seemacht unter den Nationen sich gezwungen sehen würde, klein beizugeben. … “England muss zusehen, wie seine Waren von ganz Europa zurückgewiesen werden und seine mit nutzlosen Reichtümern beladenen Schiffe durch weite Meere irren, die sie zu beherrschen glauben; sie suchen zwischen dem Öresund und Hellespont vergeblich einen Hafen, der sie aufnimmt.” Doch der Eroberer triumphierte zu früh. Es gelang der englischen Wirtschaft, sich neue Märkte vor allem in Süd- und Nordamerika zu erschließen.”

Die Zeilen des Staatsrundfunk “Deutschlandradio” stammen aus dem Jahr 2006 und die aufgeführten Tatsachen entsprechen sogar der Richtigkeit: Rückblickend betrachtet war die Kontinentalsperre ein verhängnisvoller Fehler Seitens Bonaparte. Während es England schaffte sich aus den wirtschaftlichen Abhängigkeiten des europäischen Kontinents – auch langfristig – zu befreien, zeigten die errichtete Wirtschaftsblokade für die übrigen Länder Europas sehr wohl Wirkung: Die Folgen waren für viele Unternehmen existenzvernichtend. Im Jahr 2006 konnte der Staatsrundfunk noch über derartige Zusammenhänge berichten, heutzutage dürfte dieser Sachverhalte wohl unveröffentlicht im Giftschrank verschwinden.

>>Focus<<

“Die Europäische Union exportiert immer weniger nach Russland. Das hat Sinn, verfolgen die Sanktionen gegen Russland doch genau das Ziel, den Handel einzuschränken. Überraschend ist jedoch: Während Russland sich wieder erholt, verzeichnen die europäischen Staaten Einbußen. Allen voran Deutschland: Zwischen 2014 und 2016 fielen die Exporte nach Russland um 11,1 Milliarden Euro, wie das österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) im Auftrag des Europäischen Parlaments errechnet hat. Insgesamt brachen die EU-Exporte wegen der Sanktionen um 30 Milliarden Euro ein.”

Bei den Sanktionen gegen Russland handelt es nicht weniger um eine Neuauflage der Kontinentalsperre – mit abweichenden Protagonisten – aber mit dem selben Folgen. Auch wenn sich Geschichte prinzipiell nicht wiederholt, bestimmte historische Grundmuster erweisen sich – im größeren Kontext betrachtet – als äußerst hartnäckige Gegebenheiten.

 

 

 

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