Sudan: Positive Entwicklung für Christen scheint vorüber

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Konvertiten erleiden massive Verfolgung, verstärkter Druck auf Kirchen

Im Sudan wird die Glaubensfreiheit für Christen zunehmend eingeschränkt. Besonders christliche Konvertiten werden durch ihr Umfeld und mittlerweile auch wieder verstärkt von staatlicher Seite unter Druck gesetzt, wie mehrere aktuelle Beispiele zeigen. Dazu gehört auch die staatliche Kontrolle von Kirchen durch eigens eingesetzte „Kirchenkomitees“, die zwischenzeitlich unterbunden worden war.

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Von Open Doors

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Geistliche wegen „Verletzung der öffentlichen Ordnung“ angeklagt

Am 14. Juni wurden ein Pastor und ein weiterer Kirchenleiter während einer Bibelstunde in Omdurman verhaftet, die dort in einem Zentrum der Unabhängigen Baptistenkirche stattfand. Pastor Kabashi Idris und Yacoub Ishakh müssen sich wegen „Verletzung der öffentlichen Ordnung“ verantworten, wie ihr Anwalt Sinbago Awad gegenüber Morning Star News (MSN) erklärte. Sie wurden noch am selben Tag gegen Kaution freigelassen und könnten in einigen Wochen vor Gericht gestellt werden.

Christlichem Ehepaar drohen 100 Peitschenhiebe

Nada Hamad Koko und ihr Ehemann Hamouda Teya Kaffi leben im Bundesstaat al-Dschazira. Bei ihrer Hochzeit im Jahr 2016 waren beide Muslime. Als Hamouda zwei Jahre später zum christlichen Glauben konvertierte, zwang Nadas Familie sie, die Ehe von einem Scharia-Gericht annullieren zu lassen. Das damals geltende Recht sah für Apostasie (Abfall vom Islam) die Todesstrafe vor; außerdem war einer muslimischen Frau untersagt, einen nichtmuslimischen Mann zu heiraten. Aufgrund des enormen Drucks ließ Nada sich scheiden und kehrte mit den beiden Kindern des Paares zu ihrer Familie zurück. Nachdem die Apostasie 2020 entkriminalisiert wurde, kam das Paar 2021 wieder zusammen und Nada gab bekannt, dass auch sie Christin geworden war.

Ihre Familie zeigte Nada und Hamouda daraufhin bei den Behörden an. Sie wurden unter dem Vorwurf des Ehebruchs verhaftet, weil das Scharia-Gericht sie für geschieden erklärt hatte und der Staatsanwalt Nadas Konversion als ungültig einstufte. Im Fall einer Verurteilung drohen dem Paar 100 Peitschenhiebe und ein Jahr Verbannung innerhalb des Sudans. Der Fall weckt Erinnerungen an den Prozess gegen Meriam Ibrahim im Jahr 2014.

Fortschritte bei der Glaubensfreiheit drohen verloren zu gehen

Seit dem Sturz der sudanesischen Übergangsregierung im Oktober 2021 hat die Bedrohung von Kirchen durch staatliche Stellen wieder spürbar zugenommen. Dies geschieht unter anderem durch vom Staat eingesetzte Kirchenkomitees, die in Konkurrenz zu den regulären Kirchenleitungen stehen und versuchen, die Verwaltung von Kirchengebäuden an sich zu reißen. Diese Praxis wurde zwischenzeitlich von der Übergangsregierung beendet, doch seit dem Putsch hat das Militär Schlüsselpositionen in der Verwaltung wieder mit Parteikadern des früheren Präsidenten Omar al-Bashir besetzt und einige Reformbemühungen zurückgenommen. Als Folge davon hat in mindestens einem Fall ein Gericht den Teilabriss einer Kirche angeordnet.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2022 belegt der Sudan den 13. Platz unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.