„Ernteausfälle in der Größenordnung von mindestens 20 Prozent“

Screenshot vimeo.com

Hitzewelle: Trotz massiver Ernteausfälle, sperrt sich die hohe Politik Ausgleichszahlungen der betroffnen Landwirte unbürokratisch anzuweisen. Stattdessen spielt man auf Zeit, und vertröstet die Bauern auf den Sankt Nimmerleinstag.

>>Frankfurter Rundschau<<

„Eine Milliarde Euro hat der Bauernverband als Entschädigung für die Landwirte gefordert, die Teile ihrer diesjährigen Ernte wegen Dürre und Hitze einbüßen. Am Dienstag schob Verbandspräsident Joachim Rukwied nach, dass die Ausfälle die geforderte Summe wohl „um ein Mehrfaches“ überschreiten werden: Allein beim Getreide rechne man mit einem Minus von rund 1,4 Milliarden Euro, sagte Rukwied der „Passauer Neuen Presse“. Er drängte die Bundesregierung, die bis zum Erntebericht Ende August mit einer Entscheidung warten will, außerdem zur Eile: „Wir brauchen schnell Unterstützung für die Betriebe“, sagte er dem Düsseldorfer „Handelsblatt“.

 

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Agrarministerin Julia Klöckner will trotz der Rufe des Bauernverbandes über Dürrehilfen erst in einigen Wochen entscheiden. Zunächst müsse der komplette Erntebericht Ende August abgewartet werden, sagte eine Sprecherin am Montag. Dagegen forderte der Deutsche Bauernverband, den Notstand auszurufen und so die rechtlichen Voraussetzungen für staatliche Unterstützung zu schaffen. Meteorologen zufolge ist vorerst kein Ende der Trockenheit in Kombination mit hochsommerlichen Temperaturen in Teilen Nord- und Ostdeutschlands in Sicht. Klöckners Sprecherin sagte, am Dienstag werde es eine erste Bestandsaufnahme über die Lage in der Landwirtschaft bei einem Arbeitstreffen von Vertretern von Bund und Ländern geben. Vor allem erst nach dem Erntebericht „sind wir aussagefähig“, erklärte sie mit Blick auf den Bauernverband. Klöckner will am Mittwoch ihre Kollegen im Bundeskabinett über die Lage in den Dürregebieten unterrichten. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte in einem Interview von Reuters TV: „Wir befürchten Ernteausfälle in der Größenordnung von mindestens 20 Prozent.“ Allein beim Getreide werde die Ernte sieben bis acht Millionen Tonnen geringer ausfallen als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Es sei mit Ertragseinbußen im Umfang von 1,4 Milliarden Euro zu rechnen. Er forderte staatliche Hilfen im Umfang von einer Milliarde Euro.“

 

>>Deutscher Bauernverband<<

„Der Deutsche Bauernverband (DBV) korrigiert seine Ernteprognose noch einmal deutlich nach unten. Statt der zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide rechnet der DBV nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen. Die neuen Zahlen aus der zweiten Erntemeldung beziehen nun in großem Umfang die tatsächlichen Erntemengen mit ein und bestätigen die pessimistischen Einschätzungen aus den zurückliegenden Tagen. Angesichts dieser Entwicklung fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Bundesländer zum zügigen Handeln auf, der Bund müsse dann folgen. „Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung. Die aus unserer Sicht eindeutigen Zahlen lassen eine grundsätzliche Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt zu. Nach den uns vorliegenden Meldungen aus den Landesbauernverbänden sind die Voraussetzungen für Finanzhilfen durch die Länder in den besonders betroffenen Regionen klar erfüllt.“ Die Getreide- und Rapsernte ist in den vergangenen Wochen zügig vorangeschritten. „Selbst in den norddeutschen Regionen ist die Ernte ungewöhnlich weit und zeigt das katastrophale Ausmaß der Dürreschäden. Die Erntemengen bleiben deutlich hinter unseren ohnehin geringen Erwartungen zurück“, betont Rukwied anlässlich des zweiten Ernteberichtes des DBV. „Die geringen Ertragserwartungen und die Sorge um eine ausreichende Futterversorgung hat einige Betriebe veranlasst, ihre Getreidebestände vorzeitig zu häckseln. Die Maisbestände bilden wegen der anhaltenden Trockenheit keine Kolben aus. Das wird die Körnermaisernte erheblich schmälern und hat auch bei der Verwendung als Silomais Auswirkungen auf die Qualität des Futters“ erklärt Rukwied mit Blick auf die Futterversorgung. Die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart ist Winterweizen mit einer Anbaufläche von 2,96 Millionen Hektar. Die Weizenernte steht in den überwiegenden Regionen kurz vor dem Abschluss. Noch zu erntende Flächen finden sich in Höhenlagen und im Norden Deutschlands. Die Druschergebnisse lassen im Bundesdurchschnitt auf einen Ertrag von 6 Tonnen pro Hektar schließen. Damit liegt der Ertrag dieser für das gesamte Ernteergebnis so wichtigen Getreideart 20 Prozent unterhalb des Vorjahresertrages in Höhe von 7,7 Tonnen pro Hektar. Der Durchschnittsertrag der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 8 Tonnen pro Hektar wird sogar um 25 Prozent verfehlt. Folglich ergibt sich eine Winterweizenernte in Höhe von knapp 18 Millionen Tonnen (Vorjahr: 24,1 Millionen Tonnen). Eine für den von der Trockenheit besonders betroffenen Norden und Osten Deutschlands wichtige Getreideart ist Winterroggen. Hier stehen 448.000 Hektar der insgesamt zur Ernte 2018 angebauten 532.000 Hektar. Auch Roggen wird in Kürze vollständig eingebracht sein. Die Erträge fallen mit nur 3,7 Tonnen pro Hektar deutlich hinter den Vorjahreswert von 5,1 Tonnen pro Hektar zurück (minus 28 Prozent) und auch der Durchschnittsertrag der letzten fünf Jahre von 5,7 Tonnen pro Hektar wird um 35 Prozent unterschritten. Insgesamt ist in diesem Jahr von einer Roggenernte von knapp 2 Millionen Tonnen auszugehen (2017: 2,7 Millionen Tonnen). Die Ernte von Winterraps, der wichtigsten Ölpflanze im deutschen Ackerbau, ist bis auf Restflächen abgeschlossen. Im Bundesdurchschnitt wird ein Ertrag von nur knapp 2,6 Tonnen pro Hektar erzielt. Das ist gegenüber dem Vorjahresertrag ein Rückgang um 21 Prozent; der Fünf-Jahresdurchschnitt wird sogar um 32 Prozent verfehlt. Unter Berücksichtigung der Anbaufläche von 1,26 Millionen Hektar beläuft sich die diesjährige Rapsernte auf knapp 3,3 Millionen Tonnen. Gegenüber der Vorjahresernte entspricht dies einem Rückgang von etwa 1 Million Tonnen Raps bzw. einem Minus von 24 Prozent. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre ernteten die deutschen Bauern noch 5,2 Millionen Tonnen. Dieser Erntebericht beruht auf Meldungen aus den 18 Landesbauernverbänden über die tatsächlich geernteten Flächen und erzielten Erträge.“

 

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