Lausitz: Die öffentliche Wahrnehmung des Kohlearbeiters und Energiearbeiters

Screenshot vimeo.com

Die öffentliche Wertschätzung von klassischen Berufen ist massiv gesunken. Viele negative Presseberichte tragen massiv dazu bei. Auf dieser Weise werden individuelle Lebensleistungen enorm abgewertet. Gleichzeitig nimmt das technische und wissenschaftliche Verständnis in verhängnisvollen Maßstab ab.

>>Heiko Herrmann<<

„Als Blockleiter ist man für die Steuerung des ganzen Kraftwerks zuständig. Ich sag immer: Das ist meine Enterprise. Ich habe erlebt, wie das Kraftwerk hier entstanden ist, ich habe erlebt, wie Kohl 1994 zur Grundsteinlegung der Rauchgasentschwefelung kam. Da haben wir uns schon geehrt gefühlt, als der hier mit dem Hubschrauber kam und sich alles angeschaut hat. In den letzten Jahren ist aus der Wertschätzung ein gewisser Hass geworden, gerade in den Medien. Da frage ich mich manchmal: Was haben wir euch denn getan? Ich lese sehr viele verschiedene Medien und schaue, wie der Beruf des Kohle- und Energiearbeiters dargestellt und wahrgenommen wird. In der Lokalpresse ist schon mal von Dreckschleuder die Rede und vom „vorsintflutlichen Kraftwerk Jänschwalde“. Man darf doch bitte nicht vergessen, dass wir technisch immer auf dem neusten Stand gehalten werden und alle Gesetze einhalten. Wenn auf der Autobahn 100 erlaubt sind und Sie fahren 95, sind Sie dann ein Raser? Schott: Das fängt im Grunde schon in der Schule an. Mein Sohn sollte vor Jahren mal so eine Hausarbeit über die Energiewirtschaft schreiben, am Ende hat er eine schlechte Note bekommen, weil die Position des Lehrers war: Kohle ist Dreck. Zusammenhänge haben ihn nicht sonderlich interessiert. Das ist ja inzwischen der allgemeine Tenor: Wir machen Dreck, und nebenbei fällt ein bisschen Strom ab. Nein, wir erzeugen elektrische Energie. … Es ist in der Gesellschaft hip geworden, grün zu sein. Die Grünen sind ja nicht mehr die Partei der Pulloverstricker, es ist die Partei derer, die es geschafft haben. Dahinter steht auch ein riesengroßer Markt, und damit der schön grün bleibt, muss ich anderes madig machen. Es ist irgendwie in geworden, gegen die Braunkohle zu hetzen. Ich bin hier geboren, ich kenne das Erschließen von Tagebauen und auch deren Rekultivierung, ich kenne die Probleme. Die braune Spree zum Beispiel, das ist mit Sicherheit ein Problem, da müssen wir gegen vorgehen – aber da hilft keine Hetze und kein Meinungsimport.“

 

 

>>Pro Lausitzer Braunkohle<<

„Als Rohstoff zur Erzeugung von Strom steht die Braunkohle im Feuer hitziger Debatten. Manchen der Kritiker ist die Braunkohle „viel zu schade, um sie einfach zu verbrennen“. Tatsächlich lassen sich aus der Braunkohle viele Dinge herstellen, beispielsweise chemische Produkte. Die Bergakademie Freiberg würde das gern im großen Stil aufziehen. Erste Schritte dazu sind gegangen. Geht es nach Bernd Meyer, dann wird die ostdeutsche Braunkohle noch Jahrzehnte abgebaut. Der Professor der Bergakademie Freiberg hat ein Herz für den Bodenschatz: „Also, wir glauben daran, dass die Kohle der wertvollste Kohlenstoffträger ist, den wir in Deutschland haben. Nicht zur Verbrennung, sondern als Rohstoff für die chemische Industrie.“ Meyer steht neben einem Versuchsreaktor in Freiberg. Dort kommen zu gleichen Teilen Braunkohle und kohlenstoffhaltige Abfälle hinein, zum Beispiel Plastikmüll. Unter enormem Druck und Temperaturen von bis zu 2.000 °C wandle der Reaktor beides in Schlacke und ein Synthesegas um, erzählt Mitarbeiter Alexander Laugwitz: „Mit diesem Synthesegas steht uns ein riesengroßer Blumenstrauß an möglichen Produkten zur Verfügung. Da reden wir über synthetisches Erdgas, das erzeugt und ins Erdgasnetz eingespeist werden könnte. Viel interessanter für uns ist aber die Erzeugung von Methanol und Folgeprodukten, sprich wieder Kunststoffe.“ Die Wissenschaftler sind sicher: Aus ostdeutscher Kohle kann man ähnlich viele Chemieprodukte machen wie aus Erdöl, vom Joghurtbecher bis zum Schuhwachs. Sie wollen in Leuna eine Produktionsanlage bauen, zehn Mal größer als in Freiberg. Derzeit läuft die Planung mit der Fraunhofer Gesellschaft. Chemieparkmanager Christof Günther freut sich: „Das passt eigentlich sehr gut nach Leuna, weil wir die Voraussetzungen haben, um die Produkte, die dort erzeugt werden, aufzureinigen. Die Infrastrukturen, die man benötigt und das Knowhow sind hier am Standort vorhanden.“ Leuna hat Erfahrung mit Braunkohle. Schon vor knapp 100 Jahren machte man dort Benzin daraus, ähnlich wie in der Lausitz. Heute spielt die Kohlechemie weder in Mitteldeutschland noch in der Lausitz noch eine Rolle. Der Grund: Die Verarbeitung von Erdöl ist billiger. Professor Meyer rechnet vor, dass ein Fass Rohöl derzeit 66 Dollar kostet. Erst ab 80 Dollar wäre die Kohlechemie konkurrenzfähig. Deswegen benötigt die Pilotanlage für Leuna eine Förderung, deswegen wird zwei Jahre lang erst einmal gerechnet. Doch Meyer ist sicher: Erdöl wird wieder teurer. Dann hätten Kohle und Tagebaue wieder eine Zukunft: „Wir sprechen schon von einigen Millionen Tonnen Kohle. Vielleicht ein Zehntel der Menge, die heute verbrannt wird. Aber das sind beträchtliche Mengen, die als Kohlenstoffträger eingesetzt werden. Denn Deutschland importiert auch 20 Millionen Tonnen Erdöl, um chemische Produkte zu erzeugen. Und dieses Äquivalent müssen wir durch heimische Kohlenstoffträger ersetzen. Damit ist die Richtung in etwa gesteckt.“ Sein Chemiereaktor löst dabei noch ein zweites Problem. Wie erwähnt kommt auch Plastikmüll hinein, der darin quasi recycelt wird. Übrig bleibt am Ende nur eine glasig-schwarze Schlacke. Und die, sagt Meyer, könne man problemlos im Straßenbau verwenden.“

Die Umweltauflagen für Braunkohlekraftwerke und die angedachte Energiewende sprechen bereits Bände, über das technische-wissenschaftliche Verständnis: Es werden Auflagen für Kraftwerke gemacht, die einfach nur absurd sind und eine Energiewende gefordert, die technologisch nicht umsetzbar ist. Dabei gibt sehr wohl wichtige Fachkräfte und Ingenieure, aber die haben offenkundig zur Zeit wenig zu sagen.

 

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