„Die sorbische Kultur ist fester Bestandteil der Lausitz“

Screenshot reiseland-brandenburg.de

Die sorbische Kultur wird durch viele Bräuche und Traditionen geprägt, die zum Teil in der ganzen Lausitz gepflegt werden. Viele Aspekte davon sind weltweit einzigartig.

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„Die sorbische Kultur ist fester Bestandteil der Lausitz. Viele, die an das kleinste slawische Volk Europas denken, haben sofort ein Bild vor Augen: wirbelnde Trachtenröcke, verzierte Spitzenhauben, kunstvoll bemalte Ostereier. Das sind die Vorstellungen, die einem durch den Kopf schießen. Aber wer würde zwischen Vogelhochzeit und Krabatsage etwas so Exotisches wie ein Internationales Dudelsackfestival vermuten? Dabei ist der große weiße Dudelsack, wie auch einige andere Instrumente, Teil der noch heute gelebten sorbischen Kultur.

Lebendige Folklore

Zur Vorbereitung und Umsetzung dieses länderübergreifenden Events gehört viel Arbeit, aber Kotissek hat Erfahrung und ist tief in die umfangreichen Festivalvorbereitungen involviert, welche der Domowina Regionalverband Jakub Lorenc-Zalěski (Verband zur Erhaltung und Förderung der sorbisch/wendischen Sprache und Kultur) leitet. Im Vorbereitungskomitee arbeiten auch die Gemeindeverwaltung Schleife und das Sorbische Folkloreensemble Schleife mit. Dieses Team muss von Anfragen der Künstler bis hin zu ihrer Unterbringung, dem Spielplan und dem Arrangieren des Geländes sowie den größtenteils einheimischen Ständen des Handwerker- und Bauernmarktes alles bedenken und gut planen. Bei einem Fest mit rund 200 Mitwirkenden ist dies keine leichte Aufgabe!

Kotissek hilft dabei gern – nicht nur organisatorisch und musisch – sondern vor allem unterrichtend. Schon seit Jahren gibt er sein musikalisches Handwerkszeug an seine Schüler weiter. Begeistert zeigt er mir die Instrumente, die er hier unterrichtet: den Dudelsack und die dreisaitige Geige. Vom sorbischen Dudelsack gibt es zwei traditionelle Typen, den großen (kozoł) und den kleinen (měchawa).

Die beiden Arten funktionieren ähnlich, unterscheiden sich aber äußerlich völlig voneinander. Für den großen Dudelsack wird das Fell einer ganzen Ziege benutzt und die Spielpfeife ziert ein mit Messingbeschlägen verzierter Ziegenbockkopf mit „Hörnern“ aus Wildschweinzähnen. Hingegen ist der Windsack des kleinen Dudelsacks gegerbt, schwarz gefärbt und die Pfeifen haben keine besonderen Schmuckformen. Die leichten großen und kleinen Geigen hingegen unterscheiden sich durch ihre Bauweise und in ihrem Klang.

Die Zukunft sorbischer Tradition in Händen

Die Instrumente werden den jungen Leuten im Verein zur Verfügung gestellt, die von Kotissek unterrichtet werden. Die zwölfjährige Greta zum Beispiel werde von ihren Eltern immer aus Forst zum Unterricht gebracht und das schon seit drei Jahren, erzählt er stolz.

Ich bin neugierig und frage, ob ich nicht einmal so ein Instrument testen könnte. Da der Musiklehrer die hier untergebrachten Instrumente pflegt und wartet, hat er auch schnell etwas Passendes zur Hand. Mit routinierten Handgriffen schnallt er mir nacheinander sowohl den großen, als auch den kleinen Dudelsack um und zeigt mir die richtige Haltung meiner Hände an den Instrumenten. Ich muss feixen, als ich nur ein paar gequetschte Töne zustande bringe, bevor mir Kotissek wieder aus der Konstruktion hilft. Ich könne ja dem Folkloreensemble beitreten, sagt er noch lachend, wird dann aber ernst, als er mir erklärt, dass Nachwuchs immer schwerer zu finden sei. „Viele der Jugendlichen, die ich unterrichtet habe, sind wegen der Arbeit oder einem Studium weggezogen oder legen längere Pausen ein. Deshalb versuche ich mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen und sie für dieses außergewöhnliche Hobby zu begeistern.“ Man spürt, dass dem Halbendorfer das Unterrichten einfach im Blut und am Herzen liegt und die sorbische Folklore ein wichtiger Teil von ihm ist.

Aus Zufall wird Passion

Den ursprünglich aus dem Spreewald stammenden Kotissek verschlug es 1975 nach Halbendorf. Zu diesem Zeitpunkt spielte er klassische Violine und hatte sogar schon in einem Kammerorchester mitgewirkt. Zuerst war der Musiker deshalb nicht begeistert, als sein Nachbar Siegfried Holz auf ihn zukam und ihn dazu überreden wollte, dem Folkloreensemble der Gegend beizutreten. Der damalige Organisationsleiter und Dudelsackspieler ließ jedoch nicht locker und schließlich stieß Kotissek im Herbst 1975 zu dem Ensemble, in dem er fortan die große und die kleine dreisaitige Geige spielte. Den Dudelsack beherrschte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was sich 1978 aber ändern sollte. Der Halbendorfer brachte sich innerhalb von nur einem Monat selbst das Spielen bei, um bei einer Tournee des Ensembles in Schottland teilnehmen zu können. Unterstützung fand er bei Karl Tillich, einem bekannten Dudelsackspieler und –bauer aus Hoyerswerda. Kotissek blieb aktiv dabei und es gelang ihm, die Brücke zur Gegenwart zu schlagen. Seit inzwischen 45 Jahren werden die Volksinstrumente durch das Sorbische Folkloreensemble Schleife gespielt. Das Kirchspiel Schleife ist zudem die einzige Region in Deutschland, in der das Spiel des sorbischen Dudelsacks seit Jahrhunderten ununterbrochen gepflegt wird. Kotissek bietet den Instrumentalisten dabei die Abwechslung zwischen traditionellen Musikstücken und frischen, jungen, teils sogar selbst geschriebenen Werken, welche die Künstler dann zusammen darbieten.“

 

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