Geplanten Obsoleszenz: „Es besteht der begründete Verdacht, dass die Lebensdauer der Produkte häufig eine exakt kalkulierte ist“

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Von der geplanten Obsoleszenz zur elektronischen Deaktivierung von Geräten aus der Ferne? – Es hört sich alles ein wenig unglaubwürdig an? Immerhin soll – nach allgemeinen Verständnis – eine physische Sache nach einen Kauf auch wirklich zum Eigentum werden. Tatsächlich lässt sich die Geschichte der geplanten Obsoleszenz weit zurückverfolgen.

„In den USA ist Obsoleszenz als Marketingstrategie schon lange Thema“

>>Schluss mit der Ökomoral! von Michael Kopatz (Buch) <<

„In den USA ist Obsoleszenz als Marketingstrategie schon lange Thema, und zwar in der Automobilindustrie. Während Ford noch Langlebigkeit zum Ziel hatte, setzte General Motors ab 1923 erstmals auf geplante Obsoleszenz. Durch schnellen Modellwechsel sollte möglichst ein hohes Absatzvolumen erreicht werden. Die Haltbarkeit wurde künstlich verringert, die Abnutzung beschleunigt. Im sogenannten Phoebuskartell verständigten sich 1925 die weltweit führenden Glühlampenhersteller darauf, die Lebensdauer von Glühlampen unter Androhung von Sanktionen künstlich auf maximal 1.000 Stunden zu begrenzen.“

„Automobilindustrie“ – „Während Ford noch Langlebigkeit zum Ziel hatte“

Schon damals wurde die Lebensdauer von technischen Geräten künstlich herabgesetzt. Diese Praktiken haben sichwurden zwischenzeitlich über viele Produkte ausgeweitet.Das sogenannte Phoebuskartell dürfte allenthalben nur das Bekannteste sein.

„PHOEBUS-Glühbirnen-Kartell“ – „Das älteste bekannte Beispiel gezielter Qualitätsverschlechterung“

>>Reichtum ohne Gier von Sahra Wagenknecht (Buch) <<

„Das älteste bekannte Beispiel gezielter Qualitätsverschlechterung durch die Hersteller ist das PHOEBUS-Glühbirnen-Kartell aus dem Jahr 1924. Damals waren die großen internationalen Hersteller übereingekommen, die Brenndauer von Glühbirnen von technisch möglichen 2 500 auf 1 000 Stunden zu verkürzen, um ihre Verkaufszahlen zu erhöhen. Heute sind Tricks wie der bewusste Einbau minderwertiger, abnutzungsanfälliger Bauteile oder die Verwendung von Billigmaterialien mit geringer Haltbarkeit noch viel verbreiteter als im letzten Jahrhundert, vor allem dort, wo wenige Anbieter den Markt bestimmen. In einer lesenswerten Studie über »geplante Obsoleszenz« aus dem Jahr 2014 werden unzählige konkrete Beispiele für solche Praktiken aufgelistet.“

„Der bewusste Einbau minderwertiger, abnutzungsanfälliger Bauteile oder die Verwendung von Billigmaterialien mit geringer Haltbarkeit“

Allerdings ist der – eindeutige – technische Nachweis nur schwer zu erbringen. Denn besonders bei schnelllebigen elektronischen Geräten ist die Nutzbarkeit schon vom Beginn an eingeschränkt. Meist bleibt daher nur ein Verdacht übrig.

„Im Allgemeinen sind Details der Technik heutiger Produkte so kompliziert“

>>Die Kultur der Reparatur von Wolfgang M. Heckl (Buch) <<

„Im Allgemeinen sind Details der Technik heutiger Produkte so kompliziert, dass es schwierig ist, den Nachweis des Einbaus von gezielten Schwachstellen eindeutig zu erbringen. … Es besteht der begründete Verdacht, dass die Lebensdauer der Produkte häufig eine exakt kalkulierte ist. Geplante Obsoleszenz nennt man dies, vom Controller berechnet, vom Kunden manchmal sogar gewünscht (wie beim Handy, das man nur ein Jahr benutzen möchte), manchmal mit Verdruss in Kauf genommen.“

„Es besteht der begründete Verdacht, dass die Lebensdauer der Produkte häufig eine exakt kalkulierte ist“

Längst ist die geplanter Obsoleszenz einen Schritt weiter gegangen. Auch mittels Software kann eine geplante Obsoleszenz herbei geführt werden und einige Hersteller machen offenbar regen Gebrauch davon.

„Drucker verweigert den Dienst: Wie Epson seine Kunden ärgert“

>>Elektronikpraxis Vogel<<

„Drucker verweigert den Dienst: Wie Epson seine Kunden ärgert – Der Drucker druckte eben noch tadellos, verweigert aber aufgrund geplanter Obsoleszenz den Dienst: Ein Szenario, das immer wieder vorkommt. Auch Druckerhersteller Epson lässt verschiedene Modelle seiner Drucker künstlich altern: Angeblich sei ein Bauteil am Ende seiner Lebenszeit angekommen. … Dass sich die Software-Sperre so einfach wieder entfernen lässt, zeigt deutlich, dass es sich hier sehr wahrscheinlich nicht um einen normalen Verschleiß handelt, sondern um eine geplante Obsoleszenz.“

„Druckerhersteller Epson lässt verschiedene Modelle seiner Drucker künstlich altern“

Per Software-Sperre wird also der Drucker lahm gelegt. Längst ist aber noch viel mehr möglich und das haben Hersteller schon in Praxis vorgeführt.

„Maschinen sollen vom Hersteller John Deere“ – „Aus Ferne deaktiviert worden“

>>Golem<<

„Die erbeuteten Maschinen sollen vom Hersteller John Deere stammen und sind laut dem Bericht nun aber aus Ferne deaktiviert worden, so dass sich die Geräte im Gesamtwert von rund 5 Millionen US-Dollar nicht mehr verwenden lassen. Selbst ein Starten der Maschinen soll nicht mehr möglich sein. … Aufgrund der eingebauten GPS-Funktion lasse sich der Transportweg nachverfolgen.“

„Maschinen sollen vom Hersteller John Deere“ – „Selbst ein Starten der Maschinen soll nicht mehr möglich sein“

Sogar das komplette Unbrauchbarmachen aus der Ferne stellt kein Problem dar. Tatsächlich bleiben viele Geräte – nicht nur Traktoren  – mit dem Hersteller verbunden und dieser kann offenbar in die Funktionalität eingreifen.