Gold, Kryptowährungen und Regionalgeld: Der Wettbewerb beim Zahlungsmittel

Screenshot coinnews.net

Das gesetzliche Zahlungsmittel ist hierzulande staatlich festgeschrieben. Wenngleich auch alternative Formen von Zahlungsmittel existieren. Von Regionalwährungen, über Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin, bis hin zu Kryptowährungen gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit „Geld“ zu bezahlen.

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„Für den folgenden Gastbeitrag bedanken wir uns ganz herzlich bei Christian Gelleri, einem der Mitgründer der erfolgreichsten deutschen Regionalwährung, dem »Chiemgauer«. In wohlhabenden Ländern wie Deutschland oder Regionen wie dem Chiemgau kommen Komplementärwährungen hauptsächlich zum Einsatz, um die regionale Wirtschaft zu stärken und um die kulturellen Aufgaben zu fördern. Diese sogenannten Regionalwährungen sind 2002 in Bremen und im Chiemgau entstanden und fanden nicht nur zahlreiche Nachahmer in ganz Deutschland, sondern auch in Frankreich, England, USA und anderen Regionen. Anstatt auf zentrale Problemlösungen zu warten, setzen die Macher von Regionalwährungen auf das eigenverantwortliche Tun in den Regionen. Wenn Chiemgauer, Sterntaler, Berkshares oder Brixton Pound statt Euro, Dollar oder Pfund ausgegeben werden, dann soll damit ein Zeichen für die regionale Identität, für kurze Transportwege und gegen einen spekulativen Umgang mit Geld gesetzt werden. Wie das funktioniert, soll am Beispiel der größten deutschen Regionalwährung, dem Chiemgauer, demonstriert werden. Chiemgauer werden 1 zu 1 bei einer Ausgabestelle getauscht. Für 20 Euro erhält man 20 Chiemgauer. In den Geschäften zahlt man wie mit Euro-Bargeld. Wo Chiemgauer akzeptiert werden, erfährt man über das Akzeptanzstellenverzeichnis, das über 600 Einträge enthält. Wechselgeld geben die Unternehmer in Chiemgauer heraus. Cent-Beträge werden in Euro-Cent bezahlt. Der Unternehmer bzw. Händler überlegt sich nun, was er mit den Chiemgauer-Einnahmen macht. Gibt es betriebliche Ausgaben, die mit dem Chiemgauer getätigt werden können? Auch Privatentnahmen und sogar die Bezahlung von Mitarbeitern ist möglich. So entsteht ein regionaler Wirtschaftskreislauf, bei dem jeder zuerst seine Chiemgauer ausgibt, bevor er Euro verwendet. Regionale Lieferanten werden bevorzugt, zum Beispiel regionaler Apfelsaft, Bier und Mineralwasser aus der Region. Wenn ein Unternehmen mehr Chiemgauer einnimmt, als es ausgeben kann, kann es diese in Euro zurückwechseln. Dabei entsteht eine Wechselgebühr in Höhe von 5 Prozent. Für 20 Chiemgauer erhält der Unternehmer also 19 Euro. Der verbleibende Euro fließt an den Betreiber der Regionalwährung, der wiederum 40 Cent für die Betriebskosten des Systems verwendet – und 60 Cent an Vereine in der Region abgibt. Die Vereine erhalten den Betrag in Chiemgauer, damit sie diese wieder in der Region ausgeben. Wie viel ein Verein erhält, dürfen die Verbraucher bereits beim Tauschen in Chiemgauer bestimmen. Dadurch erhöht sich die Motivation, möglichst viele Euro in Chiemgauer zu tauschen. Es gibt Verbraucher, die pro Jahr 10 000 Euro tauschen und dadurch eine Begünstigung von 300 Chiemgauer auslösen. Wenn sich mehrere Verbraucher für ein Projekt zusammentun, kommen schon mal mehrere Tausend Chiemgauer zusammen, ohne dass der Verein einen großen Aufwand damit hat. Besonders interessant für Vereine ist, dass es sich nicht um einen Einmaleffekt handelt, sondern die Chiemgauer-Spenden kontinuierlich Jahr für Jahr fließen. Der Chiemgauer wurde 2003 eingeführt. Anfangs machten nur 30 Verbraucher und 30 Akzeptanzstellen mit. Jahr für Jahr ist der Chiemgauer gewachsen und hat nun über 3 700 Mitglieder, davon über 600 Akzeptanzstellen, die 2013 über 7 Millionen Chiemgauer umgesetzt haben. Über eine halbe Million Chiemgauer sind im Umlauf. Es gibt Regionalwährungen, die den Verbrauchern einen Bonus beim Tausch auszahlen. Beim Berkshare bekommt man für 100 Dollar 105 Berkshares. Die Berkshare-Unternehmer sparen sich dadurch individuelle Rabattsysteme, die oft sehr aufwendig sind und wenig Wirkung haben. Beim Chiemgauer wird komplett auf das Thema Rabatt verzichtet und das Thema Schenkgeld für regionale Vereine in den Vordergrund gestellt. So entwickelt jede Region ihre eigenen Besonderheiten. Wichtig ist dabei die Professionalität im Betrieb. Viele Tauschringe und Regionalwährungen sind wieder eingegangen, bevor sie die kritische Masse erreicht haben. Wichtig für den Erfolg waren Entwicklungen wie das elektronische Bezahlen. So werden heute bereits zwei Drittel der Chiemgauer-Umsätze bargeldlos abgewickelt. Einen zusätzlichen Schub brachte die Vernetzung mit anderen Sozialtechniken wie den Mikrokrediten. So gibt es beim Chiemgauer zinsfreie Kredite in Regionalgeld, die Kleinunternehmern Investitionen von bis zu 20 000 Euro ermöglichen. Das Chiemgauer-Netzwerk hat sogar eine Art »Sparkasse« – die Rechenzentrale des Chiemgauer bei der Sozialgenossenschaft REGIOS. Doch unsere Regionalwährung kann man nur zinsfrei sparen. An sich wird die Hortung von Chiemgauern nämlich »bestraft«. Wer Chiemgauer aufbewahrt, zahlt pro Quartal 2 Prozent Negativzinsen. Das heißt: 10 Chiemgauer haben nach drei Monaten nur noch einen Gegenwert von 9,80 Euro. Dieses Kernelement namens »Schwundgeld« sorgt dafür, dass der Chiemgauer permanent in der Region zirkuliert – und dadurch die lokale Wirtschaft in Schwung hält. Statistisch läuft ein Chiemgauer tatsächlich mehr als dreimal so schnell um wie ein Euro. Und auch Spekulieren ist mit ihm nicht möglich – es gibt schlicht keine »Chiemgauer-Hedgefonds« und auch keine »Chiemgauer-Börse«. Daher bleibt nur: ausgeben, investieren, zinsfrei sparen oder verschenken für einen guten Zweck. Damit erfüllt das Chiemgauer-Geld genau die Funktionen, die für die Gemeinschaft sinnvoll und notwendig sind.“

 

>>Focus<<

„Im US-Bundesstaat Wyoming hat es Anfang des Jahres eine bedeutende Gesetzesänderung gegeben: Im März 2018 wurde der „Wyoming Legal Tender Act“ verabschiedet („House Bill 103“). Danach sind Gold- und Silbermünzen, die von der US-Regierung oder von einer Regierung im Ausland begeben wurden, als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt. Es gibt allerdings ausdrücklich keinen Annahmezwang für Gold und Silber, wie es beim gesetzlichen Zahlungsmittel US-Dollar der Fall ist. (Vermutlich will der Bundesstaat Wyoming aus praktischen Erwägungen (derzeit noch) nicht, dass die Steuern in physischem Gold und Silber bezahlt werden können). Nicht weniger bedeutsam ist, dass Gold und Silber jetzt steuerlich dem US-Dollar gleichgestellt sind: Gold und Silber unterliegen nicht mehr der Umsatzsteuer und Gewinne oder Verluste aus Transaktionen, die mit Gold und Silber abgewickelt werden, sind nicht mehr der Kapitalertragssteuer unterworfen. Die neue Gesetzgebung hat damit Gold und Silber in Wyoming zu echten alternativen Zahlungsmitteln zum US-Dollar gemacht. … Zudem sind die Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium von der Mehrwertbesteuerung ausgenommen. Und sie unterliegen auch nicht mehr der Kapitalertragssteuer. Es macht steuerlich für die Vertragsparteien folglich keinen Unterschied mehr, ob sie Transaktionen in US-Dollar oder in Gold-, Silber-, Platin- oder Palladiummünzen abwickeln. Die Annahme von Edelmetallen für schuldbefreiende Zahlungen in Arizona ist, wie in Wyoming auch, freiwillig.“

 

>>Informationen von Kryptowährung<<

„Im Rahmen ihres laufenden Blockchain-Integrationsprogramms Project Ubin hat sich die Finanzbehörde Singapurs (MAS) mit der Singapore Exchange (SGX) sowie mit Anquan, Deloitte und Nasdaq zusammengeschlossen, um die Verbesserungen zu einzuführen. Gemeinsam wollen die Partner „Lieferung versus Zahlung (DvP)-Möglichkeiten zur Abrechnung von tokenisierten Vermögenswerten über verschiedene Blockchain-Plattformen hinweg“ schaffen. Dabei fungieren die drei letztgenannten als technische Partner. „Diese Initiative wird Blockchain-Technologie einsetzen, um den Geldtransfer und Wertpapiertransfer effizient zu verbinden und damit das Risiko für Käufer und Verkäufer im DvP-Prozess zu eliminieren“, erklärte Tinku Gupta, die Leiterin der Technologieabteilung bei SGX und Leiterin des Projekts.“

 

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