Nitratbelastung im Grundwasser – Und wenn doch die Kläranlage und nicht der Landwirt die Schuld trägt?

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Ich habe das Gefühl, wenn irgendetwas schiefläuft, ist immer der Bauer schuld“ – An dieser durchaus subjektiven Feststellung ist durchaus etwas dran. An der vermeintlich hohen Nitratbelastung sollen nach öffentlicher Darstellung alleine die Landwirte schuld sein. Obwohl alle öffentliche Klärwerke ebenfalls Nitrat einleiten weisen sie jegliche Schuld weit von sich. Aber sind die scheinbar allgemein gültigen Behauptungen überhaupt richtig? Immerhin sollen Klärwerke – nach öffentlichen Beteuerungen – nur verschwindet geringe Mengen an Nitrat einleiten.

„Ich habe das Gefühl, wenn irgendetwas schiefläuft, ist immer der Bauer schuld“

>>Münstersche Zeitung<<

„… die chemischen Prozesse, die in den drei Becken, mit denen die Anlage seinerzeit nachgerüstet wurde, ablaufen. In ihnen werden verschiedene Stoffe wie etwa Phosphor aber auch Stickstoffverbindungen wie Nitrat, Nitrit und Ammonium mit Hilfe von Bakterien „geknackt“. Diese Bakterien sind sauerstoffliebend und machen sich – wenn dem Wasser in den Becken der Sauerstoff entzogen wird, über die chemischen Verbindungen her und zerlegen diese in ihre Bestandteile.“

Welche Reinigungsleistung kann wirklich eine öffentliche Kläranlage erbringen?

Die Erklärung mag sich für unbedarfte Laien scheinbar schlüssig anhören: Jedoch die Tücke ist im Detail verborgen. Zwar können durchaus Backarterien durchaus Stickstoffverbindungen abbauen, aber ihre „Fähigkeiten“ sind begrenzt. Bakterien müssen dafür die notwendigen Bedingungen zur Verfügung gestellt bekommen, bei Kälte fahren sie beispielsweise ihre Aktivität zurück und darauf müssten die Verantwortlichen adäquat reagieren. Außerdem können die Backarterien – selbst unter optimalen Bedingungen – nur begrenzte Mengen an Abwasser klären. Zu allen Überfluss: Faktisch alle Kläranlagen sind in öffentlicher Trägerschaft und für die Kontrollen sind ebenfalls öffentliche Amtsträger verantwortlich. Wie das in der Praxis aussieht: Das lässt sich heute beim Legionellen-Ausbruch in Warstein in der Retrospektive nachvollziehen.

„Legionellen-Ausbruch in Warstein“ – Woher die Krankheitserreger wirklich kamen?

>>DerWesten.de<<

„Drittes Todesopfer durch die längst eingedämmte Legionellen-Welle in Warstein. … Der Legionellen-Ausbruch in Warstein hat ein drittes Todesopfer gefordert. Das hat die Staatsanwaltschaft Arnsberg jetzt bekanntgegeben.“

„Legionellen-Ausbruch in Warstein“ – Und das angeblich saubere Wasser einer Kläranlage

Für den folgenschweren Legionellen-Ausbruch in Warstein wurde – ohne echte Beweise – zuerst die berühmte gleichnamige Brauerei verantwortlich gemacht. Die Rufschädigung dürfte sicherlich dort noch gut in Erinnerung sein. Tatsächlich war aber dafür die örtliche Kläranlage verantwortlich. Ein Rückkühlwerk hat in guten Glauben – angeblich – geklärtes Wasser aus einen Fluss entnommen und dies wurde beim Kühlvorgang in Wasserdampf verwandelt. Soweit so normal. Aber im eingeleiteten Abwasser des Klärwerks haben sich Legionellen befunden und diese wurden in Form von Wasserdampf von Anwohnern eingeatmet.

Dubiose Geflecht aus staatlichen Kontrollen und öffentlichen Kläranlagen

Resümee: Neben Schwerverletzten hat es auch Tote gegeben und alle Verantwortlichen kamen ohne Verurteilung davon. Die ganze Angelegenheit wurde wie eine schicksalhafte Naturkatastrophe behandelt und die amtlichen Meldungen zu dem Vorfall sind gelöscht und können heute nur noch über das Internet Archiv abgerufen werden. Das dubiose Geflecht aus staatlichen Kontrollen und öffentlichen Kläranlagen setzt sich auch in der Landwirtschaft nahtlos fort. Die umstrittene Düngelandesverordnung macht vielen Landwirten zu schaffen. Zur Ermittlungen der Nitratwerte wurden Messstellen eingerichtet und diese sind teilweise an kuriosen Standorten zu finden.

Düngelandesverordnung: „Rote Gebiete und fehlerhafte Messstellen“

>>Agrarheute.com<<

„Rote Gebiete und fehlerhafte Messstellen  – Die klagenden Landwirte hatten während des Verfahrens zahlreiche Kritikpunkte an der aktuellen Düngelandesverordnung und der Ausweisung roter Gebiete vorgetragen. Vertreter des Landwirtschaftsministeriums hatten den Argumenten widersprochen. … Sein Betrieb mit 2.900 Hektar liegt in einem Gebiet, in dem die Nitratwerte im Grundwasser zu hoch sein sollen, … . Basis für diese Annahme liefert eine Grundwassermessstelle direkt im Ort. Diese befindet sich allerdings neben einem Klärwerk und nicht auf einem Feld.“

„Grundwassermessstelle“ – „Diese befindet sich allerdings neben einem Klärwerk“

In unmittelbarer Nähe eines Klärwerks wird eine Messstelle eingerichtet und mit diesem „Messergebissen“ wird einseitig der Landwirt zur Verantwortung gezogen. Über die Dreistigkeit kann man nur staunen. Damit wäre immerhin auch der Beweis erbracht, dass das Grundwasser sehr wohl durch öffentliche Kläranlagen beeinträchtigt wird. Sicherlich nicht ganz zufällig sind die Nitratgrenzwerte im Trinkwasser recht weit oben angesiedelt: Damit man sich vermutlich teure Filteranlagen sparen kann.