Moderne digitale Technik versus alter Analogfunk: Was in einer Krisensituation wirklich funktioniert

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Die Digitalisierung hat gewiss viele Aspekte des Lebens angenehmer gemacht. Doch gerade in einer Krisensituation kann die digitale Technik schnell an ihre Grenzen kommen und genau da tun sich die eklatanten Schwachstellen auf. Besonders die analoge Funktechnik hat in einer Krisensituation ihre Feuerprobe längst bestanden.

„Weltweiten Funkverkehr mit anderen Funkamateuren durchzuführen“

>>Bundesnetzagentur<<

„Der Amateurfunkdienst bietet Funkamateuren die Möglichkeit, weltweiten Funkverkehr mit anderen Funkamateuren durchzuführen. Für die Teilnahme am Amateurfunkdienst gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher technischer Möglichkeiten. Auch selbst gebaute oder technisch veränderte Funkgeräte dürfen unter Beachtung der rechtlichen Vorschriften verwendet werden.“

„Auch selbst gebaute oder technisch veränderte Funkgeräte dürfen unter Beachtung der rechtlichen Vorschriften verwendet werden“

Im Zeiten von Internet und digitalen Medien muten heutzutage die Amateurfunker etwas aus der Zeit gefallen an. Schließlich sind Festnetzverbindungen nicht mehr wegzudenken und Mobilfunk ist sogar mitten Wald möglich. Aber diese trügerische Sicherheit kann sehr schnell – im wahrsten Sinne des Wortes – weggespült werden.

„Kabel für Festnetzverbindungen und Mobilfunktürme werden einfach weggespült“

>>Golem<<

„Kabel für Festnetzverbindungen und Mobilfunktürme werden einfach weggespült. Auch die Stromversorgung bricht teils komplett zusammen. Mit moderner Technik und kleinen energiesparenden Smartphones in jeder Hosentasche müsste sich das Problem eigentlich schnell überwinden lassen. Praktisch umsetzbar ist das bisher aber kaum. … Denn all die theoretischen technischen Möglichkeiten scheitern schnell an realen Gegebenheiten.“

„All die theoretischen technischen Möglichkeiten scheitern schnell an realen Gegebenheiten“

Es muss also kein apokalyptisches Szenario stattfinden: Ein Hochwasser oder größerer Stromausfall kann schon ausreichen. Ohne Strom sind die Festnetzverbindungen alle samt tot. Bei den Mobilfunktürmen sieht es kaum anders aus. Zudem kommen selbst funktionierende Mobilfunkmasten – aufgrund der starken Nachfrage – genauso an ihre Belastungsgrenzen heran und fallen ebenso aus. Oder sinnbildlich übertragen: Plötzlich kann man nur noch laut aus dem Fenster nach Hilfe rufen. Allerdings sieht es beim digitale Behördenfunknetz kaum anders aus.

Moderne Technik versagt im Ernstfall: Und plötzlich muss man mit kräftiger Stimme laut aus dem Fenster rufen

>>Wirtschaftswoche<<

„Und ausgerechnet, als das Wasser steigt, Bewohner und Helfer in Lebensgefahr geraten, versagt nach dem Telefon- und dem Mobilfunknetz in weiten Teilen des Landkreises, der die Stadt Bonn umschließt, auch noch das digitale Behördenfunknetz. Dabei sollten sich Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste gerade über dieses besonders gesicherte Netz auch dann noch zuverlässig austauschen können, wenn sonst nichts mehr funktioniert.“

BOSnet – Das teure und anfällige Behörden-Mobilfunknetz

Die gesamte Kommunikation soll – in der Theorie – über funktionierende Basisstationen laufen: Aber diese sind genauso Witterungseinflüssen ausgesetzt und auf eine sichere Stromversorgung angewiesen. Zudem tauchen offenkundig Kapazitätsengpässe auf: Ein eigenes „Mobilfunknetz“ zu betreiben ist nun mal teuer und entsprechend dünn sind die Sendemasten augenscheinlich in der Landschaft verteilt.

„Der gar nicht ausfallsichere und auch nicht hochverfügbare digitale Behördenfunk“

>>Kritische Infrastrukturen<<

„Der gar nicht ausfallsichere und auch nicht hochverfügbare digitale Behördenfunk – Das BOSnet ist technisch ähnlich aufgebaut wie ein Mobilfunknetz der 1990er Jahre. Es ermöglicht seinen registrierten Teilnehmern Sprachkommunikation und den Austausch von kurzen Textnachrichten. In der Fläche ist es ausreichend gut ausgebaut, in Gebäuden ist unter Umständen keine Kommunikation möglich. Das Netz besteht aus Basisstationen, die wiederum an eigenen Vermittlungsstellen angeschlossen sind.“

„Das Netz besteht aus Basisstationen, die wiederum an eigenen Vermittlungsstellen angeschlossen sind“

Die Liste an technischen Unzulänglichkeiten ist lang und ganz allgemein müsste die Frage nach der Sinnhaftigkeit des gesamten Projektes gestellt werden. All die teuren Basisstationen müssen nicht nur gebaut, sondern auch langfristig unterhalten werden. Es sind also erhebliche finanzielle Ressourcen – dauerhaft – gebunden. Zum Vergleich: Ein analoges Funkgerät – beispielsweise im Lastkraftwaagen einer Feuerwehr – ist preisgünstig, nahezu unverwüstlich und mit ihn lässt sich problemlos eine direkte Funkstrecke herstellen: Eine teure Basisstation ist somit überflüssig. Vergleichbare Schlussfolgerungen muss offensichtlich die Bundeswehr gezogen haben.

„Bundeswehr lässt Funkgeräte von 1982 nachbauen“

>>Golem<<

„Bundeswehr lässt Funkgeräte von 1982 nachbauen – Weil sich die Beschaffung neuer, digitaler Geräte immer wieder verzögerte, wollen die Militärs nun die alten erst einmal nachbauen lassen, bei denen die Datenübertragungsrate 16 KBit/s beträgt. Das SEM 80/90 arbeitet im Frequenzbereich 30,000 bis 79,975 MHz.“

Warum die Bundeswehr wirklich auf alte Technik setzt?

Die Digitalisierung bringt eben auch einige Schattenseiten mit. Besonders der Digitalfunk ist prinzipiell dauerhaft im Betrieb und damit auch lokalisierbar, selbst wenn er gerade nicht gebraucht wird. Dadurch wird die eigene Position verraten. Offensichtlich wurde für dieses Grunddilemma noch keine praktikable Lösung gefunden.