„Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle“

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Immer mehr Rentner können kaum noch von ihrer Rente leben. Die Rentenbezüge sinken schon seit Jahrzehnten kontinuierlich: Bedingt durch eine Reihe von beschlossenen Maßnahmen. In naher Zukunft sind viele Rentenbezieher von akuter Armut bedroht. Aber dies gilt keineswegs für alle.

>>Beamte – Was die Adeligen von heute wirklich verdienen von Torsten Ermel (Buch) <<

„Bei Beamten gibt es keine Entgeltpunkte wie bei Arbeitnehmern, die man sich mühsam im Laufe des Arbeitslebens erarbeiten muss. Die Berechnungsgrundlagen für die Pension sind die »ruhegehaltsfähigen Dienstbezüge« und der »Ruhegehaltssatz«. Als ruhegehaltsfähige Dienstbezüge werden die Beträge zugrunde gelegt, die dem Beamten bei Vollzeittätigkeit zuletzt zustanden, inklusive Familienzuschlag und sonstiger Bezüge, die im Besoldungsrecht als ruhegehaltsfähig bezeichnet sind. Wer beispielsweise als Verheirateter am Ende seines Berufslebens in die Besoldungsgruppe A12 eingruppiert war (z. B. ein Polizeihauptkommissar) und 4.000 € brutto verdiente, der erhält (ohne Berücksichtigung des Dämpfungsfaktors) zurzeit grundsätzlich eine Pension in Höhe von 75 % dieses Betrages, also monatlich 3.000,00 €. … Der Rentner erhält seine Rente aufgrund seines Durchschnittsverdienstes während seines gesamten Arbeitslebens. Der Pensionär erhält seine Pension dagegen nicht nach seinem Durchschnittsverdienst über die Jahrzehnte hinweg, sondern nach seinem letzten Verdienst (dem »Höchstamt«). … Das Ziel des Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetzes war es, das Nettorentenniveau, das heute 49 % beträgt, bis 2030 auf 43 % zu senken (1985 betrug es noch 57 %; 2004 noch 53 %). Der Begriff »Nettorentenniveau« bedeutet dabei das Verhältnis der Nettorente (vor Steuern, aber nach Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag) zum Nettoeinkommen des Arbeitnehmers vor Steuern, aber nach Sozialversicherungsabgaben und nach Riesterbeitrag. … Die Auswirkungen der verschiedenen Rentenkürzungen seit dem Jahr 2000 werden besonders deutlich, wenn man nicht alle Rentner betrachtet, sondern nur die Neuzugänge eines Jahres. Die Bestandsrentner wurden durch die Reformen nicht mit der gleichen Härte getroffen wie Neuzugänge, weil man ihre Ansprüche nicht mehr rückwirkend kürzen konnte. Nach den statistischen Angaben der deutschen Rentenversicherung sind die Durchschnittsrenten für Neuzugänge in den 15 Jahren von 2000 bis 2014 aufgrund der Rentenkürzungen durch die verschiedenen Rentenreformen nur sehr gering gestiegen, nämlich von 623 € auf 659 €, das sind 5,8 %. Bei den Erwerbsminderungsrenten gab es sogar einen Rückgang von 706 € auf 628 € (-11 %). Wohlgemerkt in 15 Jahren. Die Inflation betrug in diesem Zeitraum 24 %. Wenn man noch ein paar Jahre weiter zurückgeht, nämlich bis 1995, dann ergibt sich seitdem ein noch stärkerer Rückgang der Renten. Die Bundesregierung prognostizierte in ihrem ersten Rentenversicherungsbericht 1995 in der gesetzlich vorgeschriebenen 15-Jahres-Prognose für das Jahr 2009 noch eine Eckrente in Höhe von 1.510 €. Tatsächlich betrug sie jedoch nur 1.224 €. Diese Verminderung entspricht einem Rückgang um 19 %. Im Rentenversicherungsbericht 2001 wurde für 2015 eine Eckrente in Höhe von 1.601 € vorausgesagt. Tatsächlich beträgt sie 1.314 € – 18 % weniger als in Aussicht gestellt. So werden wir verschaukelt, von einer Bundesregierung, die glaubt, das Klima in 100 Jahren vorhersagen zu können. Die nominalen Erhöhungen der Renten (für Neuzugänge und Bestandsrentner) und der Pensionen sowie die Inflationsraten von 1999 bis 2015 ergeben sich aus der Tabelle auf Seite 108: Die Rente stieg insgesamt in 15 Jahren um 17,55 %. Abzüglich des Sonderbeitrags zur Krankenkasse von 0,9 % seit 2005 und des vollen Beitrags zur Pflegeversicherung seit 2004 (bis dahin zahlten Rentner nur die Hälfte; Pensionäre sind auch weiterhin nur mit der Hälfte dabei) in Höhe von inzwischen 1,175 % verbleibt eine Erhöhung um 15,5 %. Und selbst diese minimalen Erhöhungen sind heftig kritisiert worden. Altbundespräsident Roman Herzog ließ sich sogar dazu hinreißen, vor einer »Rentnerrepublik« zu warnen. Im gleichen Zeitraum betrug jedoch die Preissteigerungsrate insgesamt 24,7 %. Die Rentner haben also seit dem Jahr 2000 in Wirklichkeit per Saldo keine Erhöhung bekommen, sondern vielmehr einen Verlust in Höhe von 7 % erlitten. (Ganz abgesehen davon, dass sie am Wirtschaftswachstum nicht teilgenommen haben.)

Natürlich sind Eckrenten keine tatsächlich gezahlten Renten, sondern nur rein theoretisch errechnete Werte: Die in der Praxis kaum erreicht werden. Bisher konnte die Deutsche Rentenversicherung jedenfalls noch keinen lebenden-atmenden Eckrentner präsentieren.

>>Hannoversche Allgemeine Zeitung<<

„Fast jede zweite Altersrente in Deutschland beläuft sich auf weniger als 800 Euro. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die dem Redaktions Netzwerk Deutschland (RND) vorliegt. … Die Zahlen beziehen sich auf Renten nach Sozialversicherungsbeiträgen, jedoch vor Abzug von Steuern.  … Linken-Expertin Zimmermann zeigt sich dennoch alarmiert angesichts der Zahlen. „Die Zahlen zeigen, dass schon heute ein großer Teil der Rentnerinnen und Rentner gesetzliche Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle erhält“, sagte Zimmermann dem RND. „Mit Blick auf die Zukunft sind diese Werte besorgniserregend. Die Biografien künftiger Rentengenerationen werden anders aussehen als die heutiger Rentnerinnen und Rentner.“

 

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