Symbol Trabant: Die technische Wirklichkeit zwischen Mythen und Legenden

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Die untergegangene DDR wird heute noch durch ihre Trabants symbolisiert. Das Fahrzeug sticht durch seine markante Form hervor und bei kaum an einem anderen DDR-Produkt liegen die Ansichten so weit auseinander. Der Trabant wurde von 1957 bis zum Jahr 1991 gefertigt und aber war bereits Mitte der 1980er Jahre technisch veraltet. Allerdings dabei handelt es sich nur um die halbe Wahrheit. Denn der Trabant hat zumindest am Anfang: International als recht fortschrittliches Auto gegolten.

Trabant besteht aus „Pappe“ – In Wirklichkeit ist Duroplast ein leichter und witterungsbeständiger Verbundwerkstoff

Das Fahrzeug hat hauptsächlich aus Duroplast – heute verächtlich als „Pappe“ verschrien – bestanden. Allen Unkenrufen zum Trotz: Bei Duroplast handelt es sich – genauso wie carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK) – um einen Verbundwerkstoff: Genau das selbe Verfahren, es werden nur andere Materialien eingesetzt. Vergleichbar wie carbonfaserverstärkter Kunststoff: Duroplast ist leicht, stabil, witterungsbeständig und es kann nicht rosten. Der schlechte Ruf des Trabants ging vielmehr auf ganz andere Ursachen zurück.

Verhinderte Weiterentwicklung des Trabants: „Entwicklungsarbeit einzustellen und die Funktionsmuster zu vernichten“

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„Während der 1960er Jahre entwickelten wir mehrere neue Modelle, etwa den P603. Er war etwas größer als der Trabant. Wir hatten neun Funktionsmuster hergestellt. 1969 wollten wir das Modell anlässlich der Bezirksdelegiertenkonferenz der SED im Fritz-Heckert-Werk Karl-Marx-Stadt Erich Honecker vorstellen. Am Tag der Präsentation erhielt ich den Befehl: »Bring den Wagen unverzüglich zurück nach Zwickau. Honecker darf das Auto nicht zu Gesicht bekommen.« Eine Woche später wies mich Günter Mittag an, die Entwicklungsarbeit einzustellen und die Funktionsmuster zu vernichten.“

„Trabant 603 und nehmen die Form des ersten Golf, der sieben Jahre später erscheint, vorweg“

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„Nicht nur optisch, sondern auch technisch möchte man sich dem angleichen, was der Westen bietet. In einigen Punkten ist man sogar voraus. Bereits 1967 zeigen die Verantwortlichen in Zwickau den Trabant 603 und nehmen die Form des ersten Golf, der sieben Jahre später erscheint, vorweg. Auch bei den Motoren steht die Forschung nicht still. Wie in Eisenach wird auch in Zwickau an einem Vierzylinder gearbeitet. Sogar ein Wankelmotor steht auf dem Prüfstand. Doch alles Drängen nach Modernisierung des Trabant wird von der SED-Leitung abgeschmettert.“

„Trabant 603“ – „Sogar ein Wankelmotor steht auf dem Prüfstand“ 

Man hatte bereits ungefähr Mitte der 1960er Jahre ein fortschrittlichen Nachfolger entwickelt. Das Fahrzeug war durchaus seiner Zeit vorau. Viele technische Details sollten erst rund ein Jahrzehnt später beim Konkurrenz-Modell VW Golf umgesetzt werden. Doch die Trabant-Prototypen wurden entweder verschrottet oder mussten im Museum verstauben. Viel Entwicklungsarbeit ging verloren, weil das DDR-Politbüro eine „bessere Idee“ hatte.

„Bei der Planung der Details immer wieder Differenzen zutage traten“

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„Aus der Mitarbeit in der Sektion 7 des RGW, in der die Automobilbauer tätig waren, ergab sich die Überlegung, mit der ČSSR und Ungarn zu kooperieren. Ich verständigte mich mit dem tschechischen Generaldirektor Nowotny, dem Leiter unserer Sektionsgruppe, und den Ungarn, gemeinsam ein Auto zu bauen. Über Monate entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit, wenngleich bei der Planung der Details immer wieder Differenzen zutage traten: So bestanden die Tschechen auf ihrem Hinterradantrieb, während wir unseren Vorderradantrieb durchsetzen wollten. Schließlich einigten wir uns auf den Frontantrieb, kamen unseren Partnern aber insofern entgegen, als wir den Motor längs einbauten statt – wie von uns vorgeschlagen – quer. Den Motor sollte Skoda liefern. Getriebe, Achsen und Lenkung kamen von uns. Nur bei der Karosserie wurden wir uns nicht einig. … Unsere Zusammenarbeit mündete in einem Regierungsabkommen zwischen den drei RGW-Ländern. Die Umsetzung musste vom Ministerrat beschlossen werden. Die Vorlage des Ministerratsbeschlusses sah vor, dass Sachsenring den Grundtyp des P760 baut. Eisenach sollte Sonderausführungen wie Coupé oder Pickup umsetzen. Der Investitionsaufwand belief sich auf 7 Mrd. Mark. »Zu teuer!«, konstatierte die Staatliche Plankommission und legte fest: Sachsenring baut sämtliche Fahrzeugvarianten.“

RGW-Auto: Warum Planwirtschaft nicht funktionieren kann

Der oben vorgebende Maßstab des sozialistische Einheitsmenschen wollte nicht so recht zu sehr unterschiedlichen nationalen Vorstellung des Autobaus passen. Die zahllosen Kompromisse ließen letztlich die Kosten explodieren und niemand wollte am Ende die Rechnung bezahlen. Das RGW-Auto kam nie über die Prototypen-Phase hinaus. Ein weiteres Automodell – neben Trabant P603 – konnte nun um Museum verstauben und beim Trabant für das Volk blieb alles beim alten. Aber die Liste der politischen Fehlentscheidungen hat noch lange kein Ende gefunden.

Warum Motor und Auto nicht zusammenpassen

>>Spiegel<<

„Volkswagen würde der DDR die Lizenz für seinen kleinsten Viertakt-Vierzylinder-Motor, den „111“, verkaufen – und zwar nebst Fertigungseinrichtung und Know-how. „In Hannover hatten wir eine Fertigungsstraße für den 111 zu viel, die konnte ich anbieten“, sagt Hahn. Abzahlen sollte die DDR das VW-Angebot mit selbst hergestellter Viertaktware. … Obwohl Know-how sowie Fertigungsstraße vor Ort in Chemnitz waren, verzögerte sich die Produktion der VW-Motoren in der DDR Jahr für Jahr, die Investitionskosten explodierten von 3,7 ursprünglich veranschlagten Ost-Mark auf 9,7 Milliarden. Im Mai 1990 schließlich rollte der erste Trabant mit Viertakt-Herz vom Band – doch da wollte ihn im Osten niemand mehr haben.“

„Investitionskosten explodierten von 3,7 ursprünglich veranschlagten Ost-Mark auf 9,7 Milliarden“

Mit den neuen Motor hat man sich keinen wirklichen Gefallen getan. Die zuvor entwickelte DDR-Eigenkonstruktion des Trabant P603 sollte kein Zweitakter, sondern ein neuer kompakter Wankelmotormit 50 PS –  und andere Motoren antreiben. Und diese Entscheidung hatte einen nachvollziehbaren Grund gehabt: Der VW-Viertakt-Vierzylinder-Motor mit 40 PS fiel für Trabant und Wartburg schlicht zu groß aus. Deshalb mussten die Fahrzeuge zum großen Teil neu konstruiert werden, was heute noch leicht an den sehr unterschiedlichen Abmessungen der PKWs erkennbar ist. Dadurch schnellten die Entwicklungskosten für Trabant und Wartburg in die Höhe und die Preissteigerung wollte nach der Wiedervereinigung niemand mehr wirklich bezahlen. Die DDR-Parteifunktionäre haben beim „Geheimdeal mit Volkswaagen“ einfach nicht bedacht: Das Motor und Auto nicht zusammenpassen.

DDR-Ingeneure waren gegen die Fehlentscheidungen des Politbüros machtlos

Der Trabant allgemein, er kann ein bisschen exemplarisch für die weite Teile der DDR angesehen werden. Das Anfangs recht fortschrittliche Auto wurde im Laufe der Zeit immer weiter durch politische Fehlentscheidungen heruntergewirtschaftet. Die DDR-Ingeneure taten was sie konnten, aber gegen die Fehlentscheidungen des Politbüros waren sie machtlos.

Warum die heutige Energiewende an die DDR-Planwirtschaft erinnert

Allerdings hat die politische Planwirtschaft bei der Energiewende eine moderne Fortsetzung gefunden: Funktionstüchtige Kraftwerke werden vom Netz genommen und die Zuverlässigkeit der Stromversorgung sinkt, bei gleichzeitig steigenden Preisen. Die Energiewende wird von Politkern vorangetrieben, die das Stromnetz für einen Stromspeicher: „Das Netz ist der Speicher“ oder „Gigabyte“ für eine Maßeinheit für Maßeinheit für Strom halten und der Öffentliche Rundfunk hält eine Berichtigung des Gesagten für unnötig. Hingegen die DDR-Parteifunktionäre wussten immerhin noch: Das ein Auto auch einen Motor braucht.

 

–W E R Β U Ν G–

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