Viehdiebstahl in der Lausitz: Die vermeintlich aufgeklärten Straftaten

Screenshot kirschnerskorner.com

Kriminelle stehlen in der Lausitz ganze Rinderherden. Die Landwirte bringt diese Kriminalität an den Rand ihrer Existenz. Nun sollen aber alle Fälle vermeintlich aufgeklärt sein. An dieser Sichtweise ist wohl Skepsis berechtigt.

>>Märkische Allgemeine<<

„Das Landeskriminalamt hatte im Frühjahr eine Sonderkommission „Koppel“ eingerichtet, die derzeit sechs Mitarbeiter hat. Zudem wurde eine Broschüre an Landwirte verteilt, die Tipps zum Schutz vor den Tätern enthält. Ermittler vermuten, dass Banden die Tiere stehlen und aus der EU herausbringen.“

 

>>Zeit<<

„Hanschkes Fall war der größte in einer ganzen Serie spektakulärer Herdendiebstähle: 111 Rinder verschwanden 2017 in Brandenburg, 180 im Jahr 2016. Immer gingen die Täter nach der gleichen Methode vor, kamen nachts, fuhren zu möglichst abgelegenen Ställen, trieben die Tiere auf die Ladefläche – und verschwanden. Brandenburgs Landeskriminalamt richtete eine eigene Ermittlungseinheit ein, die Soko Koppel. Brandenburgs SPD-Innenminister erklärte die Jagd nach den Bullendieben sogar zur Chefsache; die CDU forderte eine Schleierfahndung, ganz Brandenburg schien zeitweise dem Rinderwahnsinn verfallen. Danach hörte man lange nichts. Und jetzt, plötzlich, meldet die Polizei: Sämtliche großen Viehdiebstähle, die es seit 2016 in Brandenburg und Sachsen gegeben hat, seien auf einen Schlag aufgeklärt. Denn sie alle seien mutmaßlich von derselben polnischen Bande verübt worden. Und: Einige der gestohlenen Tiere seien sogar wieder aufgetaucht, auf einem polnischen Schlachthof. Also leider tot. Wenn auch kein Tier gerettet werden konnte, ist Torsten Herbst stolz auf den Kuh-Coup. Herbst ist Sprecher der Brandenburger Polizei, er sagt: Zwar könne er keine Details verraten, weil die Kollegen in Polen noch ermittelten in der Hoffnung, der Tätergruppe „weitere Taten zuordnen zu können“. Aber der Fahndungserfolg sei auf die inzwischen hervorragende Kooperation deutscher und polnischer Ermittler zurückzuführen. Man habe Reifenspuren ausgewertet und Fahrtrouten, habe Parallelen zu anderen Fällen gezogen, habe die Öffentlichkeit um Hilfe ersucht, sich immer wieder abgesprochen, und, ja, ganz einfach: „Man muss akribisch alle Informationen zusammentragen, und schwupps, irgendwann taucht der entscheidende Schnipsel auf“, sagt Herbst. Was genau der Schnipsel war? Dürfe man leider nicht verraten.“

An dieser Verlautbarung sind Zweifel angebracht.

>>Spiegel<<

„Doch die offizielle Quote schönt sogar noch die Realität. Die Polizei nennt einen Einbruch bereits aufgeklärt, wenn sie einen Tatverdächtigen ermittelt hat – unabhängig davon, ob er danach überführt wird. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat 2500 Fälle aus fünf Großstädten untersucht. Gemessen an der Zahl der Verurteilten ergibt sich demnach eine Aufklärungsquote von nur 2,6 Prozent. Das heißt: Nicht einmal jeder 30. Einbruch wird aufgeklärt.“

Ähnlich wie bei anderen Delikten, werden einfach Kriminalitätsfälle zum Teil überführten Tätern untergeschoben: Unabhängig davon, ob sie die Taten tatsächlich begangen haben. Auf diese Weise wird die Statistik geschönt und die Polizei kann Erfolgsmeldungen der Öffentlichkeit präsentieren. Rinderdiebststähle: Die Tatsache, dass wenige Einzelheiten man öffentlich bekannt gibt, bei vielen Ermittlungsdetails sich recht wortkarg gibt und das wertvolle Zuchttiere auf mysteriöse Weise im Schlachthof verschwunden sein sollen: Das alles klingt wenig glaubwürdig. Die gestohlenen Rinder waren wertvolle Zuchttiere und der Diebstahl ungemein schwierig: Das bedeutet, die Täter waren Profis. Die gestohlenen Tiere in den Schlachthof zu geben, ergibt in den Kontext betrachtet, einfach keinen Sinn. Aber von diesen Unstimmigkeiten, lässt sich die Polizei keineswegs irritieren.

 

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