Warum die DDR unterging

Screenshot lutris.net

Warum ist die Deutsch Demokratische Republik – kurz DDR –  untergegangen? Die Frage wird gern mit den offenkundigen Unzulänglichkeiten des DDR-Systems beantwortet. Denn diese waren innerhalb der DDR für – jeden Normalbürger – unübersehbar. Allerdings scheiterte DDR nicht an ihren offenkundigen, sondern viel eher: An den weniger auffälligen Problemen.

Der real-gelebte Sozialismus

Denn im real gelebten Sozialismus – wo vermeintlich alle „Gleich“ waren – waren einige etwas „Gleicher“ . Eine ganze Reihe von Leuten – die der Partei oder den Staat sehr nahe standen – hatten sich zahlreiche Privilegien gesichert. In diesen Kreisen waren sogar Westautos und Reisen ins Nicht-Sozialistische Ausland möglich. Kurzum: Von den Sorgen und Nöten der einfachen Bevölkerung, bekam diese elitäre Schicht recht wenig mit.

Kluft zwischen „DDR-Elite“ und der übrigen DDR-Bevölkerung

Die Kluft zwischen „DDR-Elite“ und der übrigen DDR-Bevölkerung, wurde mit der Zeit immer größer. Innerhalb des Staatsapparates setzte sich so eine Eigendynamik in Bewegung, wo das eigentliche Volk mit immer mehr Misstrauen begegnet wurde: Das ging mit den Ausbau der Staatssicherheit Hand in Hand. Die Bespitzelung hatte den unerwünschten Nebeneffekt: Das nahezu jede Eigeninitiative zum Erliegen kam. Kaum einer traute sich mehr – selbst die offenkundigsten Missstände – anzuprangern, nur um zu verhindern, nicht auf den Radar des Geheimdienstes aufzutauchen. Hinzu kam ein ganz anderes Phänomen. Die „DDR-Elite“  betrachtete sich zwar als solche: Nur konnte sie es nicht unter Beweis stellen.

Leere Regale und Erfolgsmeldungen über das sozialistische Wirtschaftswunder

Trotz regelmäßiger Erfolgsmeldungen in Print und  Fernsehen über das sozialistische Wirtschaftswunder, lag bei viele Produkte des täglichen Bedarfs akuter Mangel vor. In den sozialistischen „Bruderländern“ wie Rumänien und Bulgarien verrottet die Zitrusfrüchte an den Bäumen, während es in der DDR häufig keine zu kaufen gab. In den Plattenbau wurde viel Geld und Energie hinein gesteckt, obwohl der Altbaubestand viel einfacher zu sanieren wäre.

Zum Scheitern verurteilt: Die zentrale Lenkung einer Wirtschaft

Die Betriebe wurden zentral gelenkt und man verlor sich dabei in Kleinigkeiten. Die zentrale Lenkung einer Wirtschaft hatte noch nirgendwo funktioniert: Dazu sind die ablaufenden Prozesse zu Komplex und Kleinteilig, um sie überhaupt versehen zu können. An der Spitze der DDR-Kombinate saßen nicht selten treue Parteisoldaten, die jedoch von Unternehmensführung recht wenig Ahnung hatten. Alles in allen: Waren es aber keine unüberwindbaren Probleme. Der eigentliche Kern des Übels lag ganz woanders.

Arbeiter und Bauernstaat: Kader und die dazugehörigen Kaderschmieden

Auch die DDR hatte ihre Kader und die dazugehörigen Kaderschmieden. Sprich: Elitäre Hochschulen und Universitäten, wo nicht jeder studieren konnte. Die Absolventen von dort, legten meist eine steile Kariere hin. Es zählte weniger Leistung, sondern mehr die richtigen Beziehungen und Kontakte. Natürlich stand das im krassen Widerspruch zum formalen Arbeiter- und Bauernstaat. Aber der real-gelebte Sozialismus funktioniert nun einmal etwas anders. Kurzum: Viele hatte sich ihre Privilegien und Vergünstigungen gesichert und waren nicht bereit, diese errungene Macht abzugeben.

Innere Widerstände waren zu groß um die DDR zu reformieren

Daher wurde jede Protest nach Reformen, mit argwöhnischen Augen beobachtet. Dabei waren die allermeisten Oppositionellen keinesfalls „Feinde der DDR“ – sondern sie wollten nur Reformen. Beispielsweise: Die Einführung der Direkten Demokratie hätte sicherlich die DDR gerettet, doch allzu viel „DDR-Sozialismus“ wäre wohl nicht zu retten gewesen. Sprich: Viele Funktionäre in Amt und Würden hätten ihren Hut nehmen müssen und an deren Stelle hätte qualifiziertes Personal treten müssen. Zwar war man bereit, einige unbeliebte Genossen – wie Honecker – zu opfern, aber am eigentlichen System: Durfte nicht gerüttelt werden, dazu waren die inneren Widerstände zu groß.

 

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