Warum die Unfallrate von selbstlenkenden Autos höher ist

Screenshot youtube.com

Die Elektronik in Fahrzeugen wird immer umfangreicher und Assistenzsysteme nehmen im selben Maßen mit zu. Autonomes Fahren läuft derzeit ebenso unter der rechtlichen Rubrik „Assistenzsysteme“. Die Verantwortung über das Fahrzeug bleibt beim menschlichen Fahrer, andernfalls müssten komplizierte Fragen rund um die Haftung geklärt werden. Ob diese neuen Assistenzsysteme wirklich ein Mehr an Sicherheit bringen, ist eher fraglich.

>>Frankfurter Allgemein Zeitung<<

„Nachdem Google und andere Autofirmen nun schon seit einigen Jahren die selbstfahrenden Autos testen, können Wissenschaftler erste Aussagen über die Eigenarten der Fahrzeuge im Verkehr treffen. Die ersten Ergebnisse sind überraschend: Die Fahrzeuge ohne Fahrer sind in mehr Unfälle pro einer Million gefahrener Meilen (1,6 Million Kilometer) verwickelt als konventionelle Fahrzeuge. Sämtliche Unfälle bisher wurden allerdings nicht von selbstfahrenden Autos verursacht, sondern von den Unfallgegnern. Das besagt eine Studie der Universität von Michigan.“

 

>>Wirtschafts Woche<<

„Es gebe noch viel Potenzial, auch in der Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Fußgängern. „Die Unfallrate ist inakzeptabel hoch“, sagte Grob. In den allermeisten Fällen handele es sich um menschliche Fehler. „Wir haben noch immer abgelenkte Fahrer, betrunkene Fahrer, Menschen sind müde oder gestresst.“ Und auch Fußgänger, die plötzlich über die Straße rennen, seien eine Gefahrenquelle für autonome Autos. … Bis es flächendeckend selbst fahrende Autos ohne Lenkrad – das sogenannte Level 5 – gibt, sei es noch ein weiter Weg, sagte Grob. Doch schon heute würden die Technologien aus autonomen Autos wie Sensoren- oder Visionssysteme in herkömmlichen Fahrzeugen genutzt. „Autonome Assistenzsysteme schützen etwa vor gefährlichen Fahrbahnwechseln. Solche Entwicklungen gibt es mittlerweile in allen Fahrzeugen und sie machen bereits einen gewaltigen Unterschied in Sachen Sicherheit.“

 

>>Golem.de<<

„Forscher der Universitäten Princeton und Perdue haben in einer wissenschaftlichen Arbeit gezeigt, wie einfach Erkennungssysteme in autonomen Fahrzeugen überlistet werden können. Das Projekt nennen sie Deceiving Autonomous Cars with Toxic Signs (Darts) – also das Täuschen autonomer Fahrzeuge mit irreführenden Verkehrsschildern. Ein Angriff soll zu 90 Prozent erfolgreich sein, auch wenn den Entwicklern kein Einblick in den Quelltext des Algorithmus vorliegt. Im Verlauf des Projekts konnten sie sogar ein Filialenschild der Franchise-Kette Kentucky Fried Chicken nutzen, um es von der Bilderkennung als Stoppschild interpretieren zu lassen – solange es auf der Höhe eines Verkehrschildes hängt. Ein Schild muss dazu lediglich nach einem bestimmten Muster verändert werden, um ein Erkennungssystem zu täuschen. Auf Projektbildern ist beispielsweise ein Tempolimit-Schild mit Farbe verändert worden. Ein Machine-Learning-Algorithmus erkennt dieses als Stoppschild. Ein anderes Schild wird so verändert, dass statt 120 mph nur 30 mph erkannt werden. Auch perspektivische Unterschiede und andere Blickwinkel können zu Fehlinterpretationen führen. Eine solche Veränderung kann auf der Straße natürlich auftreten, beispielsweise durch Witterungsbedingungen oder Vandalismus. Es ist sehr einfach, eine aufkommende und oft beworbene Technik in Fahrzeugen wie die Erkennung von Schildern zu täuschen. Die Folgen können für den Fahrer oder Passanten tödlich sein, wenn etwa das eigene autonome Auto auf der Schnellstraße plötzlich mit einer Vollbremsung anhält.“

Es ist Richtig: Autonome Assistenzsysteme sind in vielen Fahrzeugen schon heute eingebaut, der entscheidende Unterschied besteht darin, dass der Mensch das Fahrzeug steuert und beispielsweise das ABS lediglich die Intervalle der Verzögerungen beim Bremsen bestimmt. Damit das Fahrzeug bei einer Vollbremsung zumindest teilweise noch steuerbar bleibt. Fällt das ABS aus technischen Gründen aus, dürften die meisten Fahrer es kaum bemerken, weil es recht selten zum Einsatz kommt und außerdem das Fahrzeug trotzdem noch sicher durch den Verkehr bewegen lässt. Der letzte Punkt ist bei Autonomen Fahrzeugen anders: Sollte die mathematischen Algorithmen zum falschen Ergebnis kommen oder sich komplett aufhängen, dann sind recht schnell Leib und Leben in Gefahr. Jedoch die Argumentation der Hersteller ist interessant: „Die Unfallrate ist inakzeptabel hoch“ Schuld seien aber nicht die selbstfahrenden Fahrzeuge, sondern die alltägliche Realität im Straßenverkehr. Ein LKW dessen Reifen am Hänger Luft verloren hat, fängt logischerweise zu schlingern an. Es ist – nach Maßstäben des gesunden Menschenverstand – keine gute Idee ihn in dieser Situation den Lastkraftwaagen zu überholen. Das „Autonome Assistenzsystem“ für fahrerlose Fahrzeuge kennt solche Bedenken nicht. Auch Kinder müssen erst den Umgang mit „konventionellen“ Fahrzeugen im Straßenverkehr lernen und jede Autofahrer weiß, dass in diesen Situationen höchste Vorsicht zu geboten ist. Doch selbstlenkende Autos arbeiten eben nicht mit den gesunden Menschenverstand und Kinder sind für das Computerprogramm kleine Erwachsene oder schlimmstenfalls Tiere. Bei Letzteren würde das Programm einfach drauf halten, um den rückwärtigen Verkehr nicht zu gefährden. Schnee auf einen Stoppschild und das selbstfahrende Fahrzeug gibt Gas, anstatt zu Bremsen. „Autonome Assistenzsysteme schützen etwa vor gefährlichen Fahrbahnwechseln. Solche Entwicklungen gibt es mittlerweile in allen Fahrzeugen und sie machen bereits einen gewaltigen Unterschied in Sachen Sicherheit.“ Das ist zwar Richtig, aber man sollte den Kontext verstehen: Gemeint ist damit lediglich der tote Winkel beim Spurwechsel. Sensoren erkennen ein Fahrzeug darin und warnen oder verhindern zuweilen den Überhohlvorgang. Jedoch die Komplexität dieser Systeme ist um ein vielfaches geringer und eigentlich kein adäquater Vergleich. Ein Programm zu entwickeln das ein Buch vorliest ist einfacher zu programmieren, als eine Software zu schreiben, das ein Buch – und keine kleine belanglose Textmeldung – schreibt. Besonders das Letzte ist wesentlich komplexer und sprengt den derzeitigen Stand der technischen Möglichkeiten. Unterm Strich: Es sind Goethes Zauberlehrlinge am Werk, die ersten Toten sind schon zu beklagen und weitere werden folgen.

 

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