Warum die „Terroristen“ in Afghanistan nun blitzschnell zu „Freiheitskämpfern“ umschulen müssen?

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Die Terroristen in der Gegenwart sollen die Freiheitskämpfer von Morgen sein? – Und natürlich auch umgekehrt. Der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr hat über 50 Soldaten das Leben gekostet. Doch nun wird quasi in Überlichtgeschwindigkeit umgeschaltet. Denn in „Wahrheit“ waren all die „Terroristen“ nur völlig verkannte und missverstandene „Freiheitskämpfer“ gewesen? Selbstverständlich muss der „Freiheitswille“ des unterdrückten afghanischen Volkes durch die Bundesregierung aktiv unterstützt werden.

Waren all die afghanischen „Terroristen“ nur missverstandene „Freiheitskämpfer“ gewesen?

Gewiss mögen diese Zeilen einiges an Verwunderung auslösen. Doch der Bundeswehreinsatz in Afghanistan hat nicht im Jahr 2002 begonnen, sondern dieser reicht bis ins Jahr 1979 zurück. Allerdings waren die damaligen Voraussetzungen noch ganz andere gewesen.

„CIA-Hilfe für die Mudschahedin“ – „Gegnern des pro-sowjetischen Regimes in Kabul still und leise Hilfe zu leisten“

>>Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet von Michael Lüders (Buch) <<

„Brzezinski: Ja. Die offizielle Version lautet, dass die CIA-Hilfe für die Mudschahedin im Laufe des Jahres 1980 einsetzte, also nach dem sowjetischen Einmarsch am 24. Dezember 1979. Die Wirklichkeit aber, das wurde bisher geheim gehalten, sah anders aus. Am 3. Juli 1979 hat Präsident Carter die erste Direktive unterschrieben, um den Gegnern des pro-sowjetischen Regimes in Kabul still und leise Hilfe zu leisten. Am selben Tag noch habe ich dem Präsidenten geschrieben. Ich habe ihm erklärt, dass diese Hilfe meiner Meinung nach eine sowjetische Militärintervention herbeiführen würde.“

Partisanenkrieg als Zermürbungstaktik

Überspitzt: Die damalige Zentralregierung in Afghanistan wurde – aus amerikanischer Sichtweise – als „Feind“ und die Terroristen waren keine Terroristen, sondern Freiheitskämpfer gewesen. – Die Verhältnisse haben sich also genau Andersherum – als am Beginn des Afghanistaneinsatz im Jahre 2002 – verhalten. Bei der Operation „Sommerregen“ ging es vornehmlich darum die afghanische Zentralregierung zu schwächen, um – quasi über Bande – damit der Sowjetunion zu schaden. Daneben wurden auch noch sekundäre Ziele verfolgt.

„Operation „Sommerregen“ – Der deutsche Geheimdienst BND in quasimilitärischer Mission“

>>Welt<<

„Operation „Sommerregen“ – Der deutsche Geheimdienst BND in quasimilitärischer Mission … Der deutsche Auslandsgeheimdienst, so zeigen Recherchen der „Welt am Sonntag“ und des ZDF, spielte in der letzten Schlacht des Kalten Krieges eine wesentlich größere Rolle, als bislang bekannt ist. Afghanistan unter Sowjet-Besatzung war für den BND eine schier unerschöpfliche Waffenkammer, die es abzuschöpfen galt.“

„Afghanistan unter Sowjet-Besatzung war für den BND eine schier unerschöpfliche Waffenkammer“

Schon damals haben Bundeswehrsoldatenim Urlaub“ in Afghanistan gekämpft: Normalerweise handelt es sich dabei um ein Ding der Unmöglichkeit. Aber offensichtlich waren diese „Geheimdienstmissionen“ offiziell abgesegnet.

Auslandseinsätze: „Schon damals erlitten zahlreiche Soldaten Traumata“

>>Zeit<<

„In Deutschland hat man das Problem jahrelang nicht wahrgenommen. Oder wahrnehmen wollen. Erstmals schickte der Bundestag 1993 Kampftruppen ins Ausland, nach Somalia. Dann folgten die robusten Einsätze auf dem Balkan. Schon damals erlitten zahlreiche Soldaten Traumata, doch nur wenige in der Truppe erkannten dies. Einer von ihnen war der Oberstarzt Reinhard Erös. Er hatte während der sowjetischen Invasion in Afghanistan jahrelangen unbezahlten Urlaub genommen, um unter dem Schutz der Mudschahedin die Menschen medizinisch zu versorgen. Er erlitt selber ein Trauma und weiß, was das für Soldaten bedeutet. Gemeinsam mit anderen Ärzten, Psychologen, Psychiatern und Seelsorgern versuchte er damals, die Bundeswehr dazu zu bringen, Traumatologen ausbilden zu lassen. Doch vor 20 Jahren wollten die Verantwortlichen davon nichts wissen.“

War die Bundeswehr bereits während der 1980er Jahre in Afghanistan aktiv?

Nüchtern betrachtet hört sich die Geschichte schon ziemlich abenteuerlich an: Ein Bundeswehrsoldat nimmt unbezahlten Urlaub, um sogenannten „Freiheitskämpfern“ quasi ehrenamtlich zu helfen? Man höre und staune, aber es kommt noch besser: Bei seinem „Einsatz“ trägt er ein Traum davon und will nun eine Entschädigung – ausgerechnet von der Bundeswehr – haben? Normalerweise sieht das Strafgesetzbuch dafür mehrere Jahre an Freiheitsstrafe als „Entschädigung“ vor. Als deutscher Staatsbürger darf man sich nicht mal einer richtigen Armee eines anderen – offiziellen – Staates anschließen. Vom irgendwelchen Freischärlern ganz zu schweigen.

Operation „Sommerregen“ – Als Terroristen in Afghanistan noch Freiheitskämpfer waren?

Dennoch lässt sich der Vorgang recht schnell aufklären. Offenkundig muss der dazugehörige „Bundeswehreinsatz“ in Afghanistan während der 1980er Jahre offiziell abgesegnet gewesen sein: Anders lässt sich sein „genehmigter Urlaub“ und die – öffentliche – Forderung nach Entschädigung kaum erklären. Ganz allgemein ist über die Operation „Sommerregen“ wenig zu erfahren. Sicherlich keinesfalls grundlos: Schließlich würde es selbst bei gestandenen Veteranen – des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr ab 2002 – so einiges an Stirnrunzeln auslösen.

Warum die „Terroristen“ in Afghanistan nun blitzschnell zu „Freiheitskämpfern“ umschulen müssen?

Doch nun könnte die Operation „Sommerregen“ neu aufleben und dürfte nicht nur auf Afghanistan beschränkt bleiben. Fortan könnte es darum gehen: Die afghanische Zentralregierung zu schwächen, um die vermeintliche „Freiheit des afghanischen Volkes“ zu fördern: Die „Terroristen“ in Afghanistan müssen nun  in Windeseile zu „Freiheitskämpfern“ umschulen? Nicht zu vergessen: Auch in Pakistan sind viele „Freiheitskämpfer“ unterdrückt? – Die verübten Anschläge in Pakistan deuten jedenfalls bereits in diese Richtung hin.

„China treibt Wirtschaftskorridor durch Pakistan voran“

>>Deutsche Welle<<

„China treibt Wirtschaftskorridor durch Pakistan voran – Drei Projekte – ein Motiv: China will den Hafen Gwadar, dessen Eigentümer es bereits ist, mit Nachdruck für den Warentransport aus und nach seinen westlichen Regionen nutzen. … Dass die westliche Route, die durch die Provinz Belutschistan führt, besonders gefährlich ist, haben jüngst wieder zwei Überfälle gezeigt. 13 pakistanische Straßenbauarbeiter wurden von Unbekannten ermordet.“

„13 pakistanische Straßenbauarbeiter wurden von Unbekannten ermordet“

Allen Anschein nach geht es nicht um irgendwelche Freiheitsrechte, sondern um wirtschaftliche Interesse. Eigentlich würde der Wirtschaftskorridor durch Pakistan auch im deutschen Interesse liegen, um eine schnelle Verbindung nach Europa zu ermöglichen. Doch offensichtlich ist die deutsche Abhängigkeit von der USA zu groß und die Amerikaner haben widerum ganz andere Interesse im Sinn. Deutschland könnte ja auch einen unabhängigen Standpunkt artikulieren, was aber kaum zu erwarten sein dürfte. Die beiden Staaten Afghanistan und Pakistan sind nun mal zwischen den Regionalmächten von Iran und China gelegen. Vom dortigen Chaos – inklusive der angrenzenden chinesischen Provinz Xinjiang – ziehen vorwiegend die Amerikaner einen Nutzen heraus.

 

–W E R Β U Ν G–

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